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Europas Bankkonzerne auf Schrumpfkur

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Der Arbeitsplatz in der Kreditwirtschaft ist nicht mehr sicher. Doch die Institute setzen auf sanfte Methoden und vermeiden Entlassungen. Bankmitarbeiter können auf andere Branchen ausweichen.

Die Zeiten, als die Mitarbeiter in der Kreditwirtschaft noch als Bankbeamte bezeichnet wurden, sind längst vorbei. Der Arbeitsplatz bei einer Bank ist längst nicht mehr sicher. In den zwanzig Jahren bis 2014 haben Banken und Sparkassen die Zahl der Beschäftigten um 140.000 auf 640.000 verringert. Das sind 17 Prozent. Doch die Digitalisierung des Bankgeschäfts wird zu weiteren Filialschließungen führen, so dass weitere Arbeitsplätze bedroht sind. Die Unternehmensberater von Bain schätzten vor einem Jahr, dass ein Fünftel der Arbeitsplätze im deutschen Bankgewerbe bedroht ist. Damit ist die Deutsche Bank nur das jüngste und prominenteste Beispiel für einen umfassenden Stellenabbau, der vielerorts schleichender verläuft.

Die Deutsche Bank will 9.000 Arbeitsplätze streichen, davon 4.000 in Deutschland. Sie schließt zudem 200 ihrer 750 Filialen. Zusammen mit dem Verkauf von Beteiligungen wie der Postbank reduziert Deutschlands größte Bank ihre Belegschaft um fast 30.000 auf 77.000. Der Ko-Vorstandsvorsitzende John Cryan verspricht, dass der Abbau mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt erfolgen soll. Doch diese sind sauer, weil für die schlechte Lage der Bank die Fehler der früheren Vorstände und die Vergehen der hochbezahlten Investmentbanker verantwortlich sind. Große Auseinandersetzungen sind bei der Deutschen Bank aber in früheren Kürzungsrunden ausgeblieben. Das war auch im Jahr 2005 so, als die Bank mehr als 5.000 Arbeitsplätze abgebaut hatte. Damals konnten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Das fordert nun auch die Gewerkschaft Verdi.

Beschäftigte im Kreditgewerbe. Quelle: AGV Banken/F.A.Z.-Grafik Walter

Die Kreditwirtschaft greift nur in Ausnahmefällen auf Entlassungen zurück. Es dominieren die sanften Methoden. Nur in den allerwenigsten Fällen gebe es betriebsbedingte Kündigungen, sagt Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Banken. Der Abbau von Arbeitsplätzen erfolge in der Regel über Vorruhestandsregelungen, Altersteilzeit und natürliche Fluktuation. Die Abfindungen bei der freiwilligen Aufhebung von Arbeitsverträgen können durchaus attraktiv sein. Die Deutsche Bank erwartet unter anderem dafür Kosten der Neuausrichtung von bis zu 3,5 Milliarden Euro. Und auch mit einer neuen Beschäftigung sieht es gut aus. Bankkaufleute weisen eine unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit auf. Das höchste Niveau wurde 2004 mit einer Quote von 3,1 Prozent erreicht, das niedrigste 2011 mit 0,9 Prozent. Mitarbeiter von Banken finden bei anderen Finanzdienstleistern wie Versicherern oder Vermögensverwaltern eine neue Stelle, auch in der Industrie sind sie gefragt.

Dabei kommen immer wieder Hunderte von früheren Bankangestellten auf einmal auf den Arbeitsmarkt. In der Commerzbank etwa haben sich Vorstand und Betriebsrat im Sommer 2013 auf einen Stellenabbau verständigt. Im zweitgrößten deutschen Bankkonzern sollen bis Ende 2016 von damals 45.000 Vollzeitstellen 5.200 wegfallen, davon 1.800 in den Filialen des inländischen Privatkundengeschäfts. Die Arbeitnehmervertreter konnten durchsetzen, dass es bis Ende 2016 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, solange die Abbauziele erreicht werden. Der Stellenabbau solle allein durch Fluktuation und Altersteilzeit vollzogen werden. Dabei seien die Leistungen im Sozialplan höher als 2009, als nach der Übernahme der Dresdner Bank 9.000 Stellen abgebaut wurden. Zuletzt hieß es auf der Hauptversammlung im Frühjahr, der Stellenabbau laufe nach Plan. Allerdings betrachtet der Commerzbank-Vorstand Kostendisziplin als Daueraufgabe und verlagert hin und wieder kleinere Serviceeinheiten wie Call-Center nach Ostdeutschland und Osteuropa.

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