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Risiken erkennen, analysieren und überwachen

Quelle: freeimages.com, mzacha

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Plakativ gesagt: Die Aufgaben eines Risikocontrollers im Asset Management sind die Quantifizierung, Analyse, Überwachung und Steuerung der Risiken aus den Kapitalanlagen eines Investors.

Auf den ersten Blick mag diese Beschreibung sehr klar, stringent und simpel erscheinen, doch in der Praxis erweist sich dieses Aufgabenspektrum als große Herausforderung. Wie in der Jobbezeichnung bereits umrissen, dreht sich in diesem Beruf alles um das Thema "Risiko".

Wo schlummert das Risiko?

Ohne jetzt akademisch "Risiko" in allen Facetten zu differenzieren, soll folgende Aufstellung einen Eindruck vermitteln, in welchen Bereichen Risiken im Kapitalanlagemanagement "schlummern" können: Marktrisiko, Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko, bilanzielle Risiken, aufsichtsrechtliche Risiken, Bewertungsrisiko, Transaktionskostenrisiko, operatives Risiko et cetera.

Wesentliche Risiken erkennen

Als Risikocontroller geht es folglich darum, die wesentlichen Risiken für einen Investor zu erkennen sowie entsprechende Methoden und Systeme zu entwickeln, um die Risiken quantifizieren und überwachen zu können. Dabei orientiert sich die Überwachung an den investorenspezifischen Vorgaben (Limiten), die dem Asset Manager im Rahmen eines Mandats des Investors erteilt werden und die beim Management der Kapitalanlagen stets einzuhalten sind. Um für den Fall einer Limitverletzung vorbereitet zu sein, müssen ex-ante konkrete Eskalationsprozesse definiert werden, um im Ernstfall eine schnelle Entscheidungsfindung und Handlungsfähigkeit im Sinne beziehungsweise unter Einbindung des Investors sicherstellen zu können.

No Risk – no Fun

Je nach Anlageprodukt kommen unterschiedliche Kombinationen aus Risiken zum Tragen, denn eine vollständig risikofreie Anlage ist am Kapitalmarkt kaum zu finden. Neben der Analyse der Risiken jedes Einzelinvestments sollte nie der Blick auf das Ganze, das heißt das Gesamtportfolio des Investors, aus den Augen verloren werden, damit auch Diversifikationsaspekte adäquat berücksichtigt werden können. Somit liegt ein besonderer Reiz am Job des Risikocontrollers in der Vielseitigkeit der Aufgaben, die notwendig sind, um die wesentlichen Risiken im Griff zu haben.
 
Ein Tätigkeitsschwerpunkt ist die ständige Weiterentwicklung von Methoden und Systemen zur Risikoquantifizierung. Zum einen muss jedes neue Produkt hinsichtlich der Risikomodellierung und -quantifizierung überprüft und in das Risikomodell integriert werden; zum anderen sollte auch die Methodik der Risikomodellierung fortlaufend verbessert werden.

Software zur Unterstützung komplexer Modelle

Sind einfache Sensitivitätsmodelle noch mit vergleichsweise einfachen, selbstentwickelten VBA-Excel-Access-Anwendungen umsetzbar, so lassen sich komplexe Modellierungen, wie ein Monte-Carlo-Full-Valuation-Ansatz, nur noch mit der Unterstützung von Risikosoftware bewältigen. Die Umsetzung von Projekten zur Einführung und Weiterentwicklung von Risikosoftware bildet hinsichtlich Projektumfang und Komplexität bei der Erstellung entsprechender Fachkonzepte und der zu leistenden Projektarbeit einen weiteren Reiz der Tätigkeit.

Schnittstellen zu anderen Bereichen

Darüber hinaus hat das Risikocontrolling im operativen Geschäft als Teilbereich des Middle Office zahlreiche interne Schnittstellen zum Front Office (Portfoliomanagement, Mandatemanagement), IT, Reporting und Back Office und dient den anderen Abteilungen stets als kompetenter Ansprechpartner.

Das Risiko mag schlummern – doch es schläft nie

Was für das Risiko gilt, gilt auch phasenweise für den Risikocontroller. Aufgrund der zahlreichen analytischen Möglichkeiten und der Komplexität aktueller Finanzprodukte verlangt der Job höchste Einsatzbereitschaft, um dieses Aufgabenspektrum bewältigen zu können. Risikorelevante Sonderanfragen der Kunden bzw. des Managements sind meist mit höchster Priorität zu bearbeiten, sodass ein hohes Maß an Belastbarkeit notwendig ist. Darüber hinaus ist das Risikocontrolling in zahlreiche Projekte eingebunden, sodass hier-aus zusätzliche Aufgaben und Termindruck resultieren. Wer auf der Suche nach einem stressfreien Nine-to-Five-Job ist, dürfte hier nicht glücklich werden.

Kein Tag wie der andere

Meist verläuft kein Tag wie der andere. Doch auch im Risikocontrolling gibt es einige regelmäßige Arbeiten, die in unterschiedlicher Frequenz anfallen.

Trade Control - faire Kurse sicherstellen

Eine exemplarische tägliche Tätigkeit ist das Trade Control. Im Rahmen dieser Tätigkeit werden vom Risikocontrolling alle Transaktionen des Portfoliomanagements auf Marktgerechtigkeit überprüft. Die Tätigkeit stellt sicher, dass von den Banken und Investmenthäusern stets "faire"“ Kurse gestellt werden. Durch Auswertungen zur Best Execution haben die Händler einen Anreiz, gute Kurse zu stellen, um in Zukunft auf der Broker-Liste des Asset Managers zu bleiben und Geschäft von den Portfoliomanagern zu erhalten. Zusätzlich werden täglich diverse investorenspezifische (Aktienquote, Rating-Vorgaben) und gesetzliche Limite (KAGG, VAG) überwacht.

Alarm! Jetzt muss der Controller reagieren

Wöchentlich werden beispielsweise Risikokennzahlen reportet, die vorab erstellt und plausibilisiert werden müssen. Die Überwachung dieser Kennzahlen erfolgt zum Teil auch Intraday, sodass in kritischen Marktphasen bei angespannter Risikosituation jederzeit mit einer Limitverletzung gerechnet werden muss. Der Risikocontroller muss stets bereit sein, um auf eine Alarmauslösung unmittelbar durch das Anstoßen des Eskalationsprozesses reagieren zu können.

Präzision ist ein Muss

Ein Großteil der Kapitalanlagen im institutionellen Bereich beinhaltet nicht börsengehandelte Wertpapiere (OTC-Geschäfte), für die keine offiziellen Kurse gestellt werden. Handelt es sich hierbei um strukturierte Produkte mit verschiedenen Optionalitäten, werden für die Preisbestimmung komplexe Bewertungsmodelle benötigt, die zum Teil im Risikocontrolling eigenständig entwickelt werden müssen. Die Bewertungen gehen unter anderem als Marktwerte in die Bilanz ein, sodass auch an dieser Stelle ein hohes Maß an Präzision gefordert ist.

Sonderanalysen sind an der Tagesordnung

Neben den genannten regelmäßigen Tätigkeiten nehmen jedoch Sonderanalysen, Projektarbeit und fachliche Weiterentwicklungen von Modellen und Systemen den Großteil des Tages ein. Die beschriebenen Arbeiten in Verbindung mit den täglichen Veränderungen an den Kapitalmärkten führen dazu, dass kein Tag wie der andere verläuft.

Mittendrin statt nur dabei

Insbesondere in Krisenzeiten wie der aktuellen Finanzmarktkrise zeigt sich, wie gut das Risikocontrolling eines Asset Managers funktioniert: Risiken rechtzeitig erkennen und – falls notwendig – entsprechende Vorkehrungen und Sicherungsmaßnahmen zu treffen, sind wesentliche Faktoren für den Gesamterfolg eines Investments.

Wer schwimmt nackt?

Das gewünschte Ziel bei der Risikosteuerung ist aber nur dann zu erreichen, wenn zu Beginn der Investition eine korrekte Einschätzung der Risikotragfähigkeit seitens des Investors getroffen wird. Veränderungen aufgrund von Marktentwicklungen müssen sich dann auch in einer Anpassung der Risikolimite widerspiegeln, um die Existenz des anlegenden Unternehmens nicht zu gefährden – "Only when the tide goes out do you discover who's been swimming naked" (Warren Buffet). Um den Investor vor dieser unangenehmen Situation zu bewahren, leistet der Risikocontroller einen entscheidenden Beitrag.

Ursachen der Finanzkrise

Die Fehleinschätzung von Risiken, insbesondere bei Banken, ist eine der Ursachen für die aktuelle Finanzkrise. Immer komplexere Produkte, Mehrfachstrukturierungen und hoher Leverage auch bei Hedge-Fonds führten dazu, dass die angewendeten Modelle nicht mehr adäquat waren, die Risiken richtig zu quantifizieren beziehungsweise zu limitieren. Infolge der Krise rückten auch Risiken in den Fokus, die in der jüngeren Vergangenheit wenig Beachtung fanden.

Risikocontrolling in Krisenzeiten

Durch Abschreibungen und die damit verbundene schlechtere Eigenkapitalausstattung der Banken sind diese gezwungen, keine Risiken mehr auf die eigenen Bücher zu nehmen. Dadurch kam zeitweise der Handel in festverzinslichen Wertpapieren völlig zum Erliegen, was dem Thema "Liquiditätsrisiko" neues Gewicht gibt. Die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers zeigte wiederum die Bedeutung einer Überwachung und Steuerung des Kontrahentenrisikos. Daher wird in Krisenzeiten die Notwendigkeit eines effektiven Risikocontrollings besonders deutlich.

Quants gefragt

Optimale Voraussetzung für den Job eines Risikocontrollers ist ein quantitativer akademischer Hintergrund. Es muss nicht zwangsweise ein Studium der Mathematik, Finanzmathematik oder Physik sein. Auch ein quantitativ ausgerichtetes wirtschaftswissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Finanzen oder Controlling stellt eine gute Ausgangsbasis für einen Risikocontroller dar.

Mathematiker und BWLer ergänzen sich im Team

Grundsätzlich gilt: Die Vielfalt der Aufgaben eines Risikocontrollers sollte sich in der Zusammenstellung eines schlagkräftigen Risikocontrolling-Teams widerspiegeln. So können beispielsweise Betriebswirte ihr Fachwissen einbringen, wenn es um die Analyse von bilanziellen und aufsichtsrechtlichen Risiken oder um Kreditrisiken geht. Mathematiker wiederum können ihre Kenntnisse in der Konzeptionierung von Bewertungsmodellen oder bei der Erstellung von Fachkonzepten zur Risikomodellierung optimal einsetzen.

Die Krise birgt neue Chancen

Die Krise legt gnadenlos offen, wer seine Risiken nicht im Griff hat. Damit gibt es aktuell für Risikocontroller mehr als genug Möglichkeiten, ihr Know-how unter Beweis zu stellen.

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