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Was macht ein Analyst im Research?

Quelle: freeimages.com, Leonardini

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Zu den Hauptaufgaben des Researchs im Asset Management zählen die Analyse und die Bewertung von Unternehmen, auf deren Basis Anlageempfehlungen an das Fondsmanagement gegeben werden.

Jeder Analyst hat – begründet auf seiner Zuständigkeit – ein Universum an Unternehmen, deren Bewertung er vornimmt. Häufig haben Analysten im Bereich der Large Caps (Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung) einen Sektorfokus. Sie spezialisieren sich also auf eine bestimmte Branche, wie zum Beispiel Medien, Konsum, Banken oder Rohstoffe.

Regionaler Fokus

Im Gegensatz dazu haben Analysten im Bereich der Small und Mid Caps (Unternehmen mit niedriger und mittlerer Marktkapitalisierung) häufig einen regionalen Fokus. Sie analysieren Aktiengesellschaften eines oder mehrerer Länder beziehungsweise Regionen. Dabei beschäftigen sie sich mit Unternehmen verschiedener Branchen. Sie sind Generalisten und können sich aufgrund der Vielzahl und Vielfalt an Unternehmen nicht so detailliert mit einer Branche auseinandersetzen wie die Sektorspezialisten.

Sektor- und regionale Spezialisten ergänzen sich

Die Analysten sind die Ansprechpartner für das gesamte Asset Management, also sowohl für die Fondsmanager als auch für andere Analysten. Für die Fondsmanager sind es oft konkrete Informationen und Einschätzungen zu Einzeltiteln oder dem Sektor, für andere Analysten meist Informationen, die für ihren Sektor von Bedeutung sind. Für einen Automobilanalysten ist beispielsweise die Entwicklung des Stahlpreises durchaus relevant. Durch den Austausch der Analysten untereinander profitieren beide Seiten. Der Sektoranalyst bringt sein tiefes Branchenverständnis ein und der Generalist kennt die Besonderheiten bestimmter Regionen und kleinerer Unternehmen.

Analysemodelle und Informationsbeschaffung

Zur Bewertung von Unternehmen stehen dem Analysten verschiedene Ansätze zur Verfügung. Gängig sind hier die Discounted-Cashflow (DCF)-Bewertung, die Multiples- und Sum-of-the-Parts Bewertung. Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse der Unternehmensbewertungen zu ermöglichen, wird innerhalb eines Asset Managers meist eine Methode als Hauptmethode verfolgt. So gibt es beispielsweise ein DCF-Modell, auf dem die Bewertung basiert.

Infos beschaffen

An diesem DCF-Modell werden unternehmensspezifische Anpassungen vorgenommen und Daten sowie Schätzungen eingetragen. Dem Analysten stehen dazu verschiedene Informationsquellen zur Verfügung. Neben der Informationsbeschaffung mittels der Lektüre von Geschäftsberichten und externem Research der Sell-Side spielen Management Meetings für die Vornahme von Prognosen eine zentrale Rolle. Das Management vieler Aktiengesellschaften kommt regelmäßig zu den Asset Managern nach Frankfurt am Main, um Fragen der Analysten zu beantworten und beispielsweise Änderungen in der Strategie vorzustellen.

Analysten besichtigen auch Unternehmen vor Ort

Die Unternehmen werden hierbei von CEO (Chief Executive Officer), CFO (Chief Financial Officer) oder anderen maßgeblichen Unternehmensvertretern, wie der Investor Relations, vertreten. In erster Linie werden diese Gespräche von Analysten geführt, aber auch Fondsmanager können an ihnen teilnehmen. Darüber hinaus finden Management Meetings auch auf eigens dafür von Brokern, also der Sell-Side, organisierten Konferenzen statt. Um einen noch besseren Einblick in ein Unternehmen zu erhalten, besichtigen Analysten zudem Unternehmen vor Ort, soweit dies sinnvoll erscheint.

Ergebnis der Analyse: die Anlageempfehlung

Als Ergebnis einer Unternehmensanalyse wird eine Anlageempfehlung ausgesprochen. Diese gibt über die erwartete Wertentwicklung der Aktie und das für einen Fonds empfohlene Gewicht Auskunft. Die vorgenommene Bewertung eines Unternehmens kann durch verschiedenste bekannt werdende Informationen beeinflusst werden. Deswegen ist es essenziell, relevante Informationen zeitnah zu erhalten, zu interpretieren und gegebenenfalls in die Bewertung des Unternehmens einfließen zu lassen.

Typischer Tagesablauf

In der Regel gibt es ein internes Morning Meeting, bei dem einzelne Analysten kurz über die wichtigsten Nachrichten in ihrem Zuständigkeitsbereich berichten. Dadurch ist das gesamte Asset Management auf dem aktuellen Informationsstand. Dieses Meeting muss natürlich vorbereitet werden. Besonders in der Berichtsaison, wenn die Unternehmen ihre Quartals-, Halbjahres- oder Gesamtjahreszahlen bekannt geben, beginnt der Arbeitstag der Analysten früher, da die Zahlen vor dem Meeting aufbereitet und interpretiert werden müssen. Analysten gelangen beispielsweise über Informationsplattformen wie Bloomberg an aktuelle unternehmens- und branchenspezifische Nachrichten und führen darüber hinaus Gespräche mit Brokern und Sell-Side-Analysten.

Kein fester Tagesablauf

Nach dem morgendlichen Meeting gibt es keinen festen Tagesablauf. Neben dem teamübergreifenden Meeting, an dem alle Fondsmanager sowie Analysten teilnehmen können, finden im Laufe der Woche häufig Teammeetings und wöchentliche Research-Meetings statt. Den Großteil des Arbeitstages über beschäftigt sich ein Analyst mit der Analyse von Geschäftsmodellen und der Bewertung von Unternehmen, dem Update bestehender Modelle sowie dem Vorbereiten und Führen von Management Meetings. Des Weiteren werden Screenings vorgenommen, um interessante Unternehmen zu finden, die Kurspotenzial bieten und bisher nicht im Fokus standen. Ist das Screening erfolgreich, werden die entsprechenden Unternehmen in das Research-Universum aufgenommen und bewertet.

Auswirkungen der Finanzkrise auf die Tätigkeit

Zum einen kam es durch die Finanzkrise zu einem starken Kurseinbruch an den Aktienmärkten, zum anderen kam es bei Asset Managern zu Kapitalabflüssen, da die Anleger aufgrund der sinkenden Kurse das Vertrauen in Aktien sowie Aktienfonds verloren. Die Fondsvolumina und damit die variablen Vergütungen der Analysten und Fondsmanager sanken in der Folge.

Durch die Finanzkrise traten aber auch bei der Bewertung der Aktien neue Aspekte in den Vordergrund. Wurde beispielsweise ein hoher Leverage bei Aktiengesellschaften häufig als erstrebenswert angesehen, lag der Fokus aufgrund der Kreditverknappung fortan eher auf Unternehmen mit geringer Verschuldung beziehungsweise mit gesicherter Finanzierung, ohne anstehende Refinanzierungen im größeren Umfang. Darüber hinaus sind in einem Downturn defensive Werte gefragt. Hoch zyklische Unternehmen werden eher gemieden, da sie überdurchschnittlich stark fallen.

Besonderheiten dieser Tätigkeit

Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich, zum einen durch die Schnelllebigkeit der Aktienmärkte und zum anderen durch die Vielzahl an unterschiedlichen Unternehmen, mit denen man sich beschäftigt. Der enge Kontakt zur Führungsebene der zu analysierenden Unternehmen ermöglicht dabei einen tiefen Einblick in verschiedene Geschäftsmodelle. Man übernimmt in kurzer Zeit sehr viel Verantwortung und arbeitet sehr selbstständig. Die Research-Tätigkeit bietet zudem eine gute Vorbereitung auf das Managen eines eigenen Fonds. So haben viele Fondsmanager ihre Karriere im Research begonnen.
 
Asset Manager legen viel Wert auf eine hohe Qualifizierung ihrer Research-Mitarbeiter. Die durchschnittlich dreijährige Weiterbildung zum CFA (Chartered Financial Analyst), einem renommierten amerikanischen Abschluss, wird von vielen Unternehmen gefördert und gefordert. Nebenberuflich und im Selbststudium muss hier viel Freizeit investiert werden.

Ausbildungshintergrund und persönliche Eigenschaften

Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium ist bei Asset Managern in der Regel eine zentrale Voraussetzung für einen Berufsstart im Research. Hier werden die fachlichen Grundlagen in Bereichen wie Bilanzierung, Unternehmensbewertung und Aktienanalyse geschaffen.

Fließend Englisch ist ein Muss

Besonders wichtig sind ausgeprägte analytische Fähigkeiten und eine schnelle Auffassungsgabe, um die ständigen Änderungen zeitnah erfassen und interpretieren zu können. Kommunikative Fähigkeiten sind für eine gute Zusammenarbeit im Team sowie für das Führen der Management Meetings ebenfalls essenziell. Außerdem sollte man fließend Englisch sprechen und ein selbstsicheres Auftreten mitbringen.

Praktikum und Auslandsaufenthalt helfen

Es ist sehr zu empfehlen, bereits während des Studiums einen Einblick in den Wunschberuf zu gewinnen, beispielsweise im Rahmen eines mehrmonatigen Praktikums. Die Erstellung eines Musterdepots ist darüber hinaus eine gute Übung und kann zum Verfolgen der Wirtschaftsnachrichten und der Aktienmärkte motivieren. Zum Ausbau und Festigen der englischen Sprachkenntnisse empfiehlt sich ein längerer Auslandsaufenthalt (zum Beispiel ein Auslandssemester).

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