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Wer bin ich, und wenn ja, wie sag ich's?

Stärken und Schwächen [Quelle: pixabay.com, aitoff]

Quelle: pixabay.com, aitoff

Die Frage nach deinen Stärken und Schwächen hat dich schon bei so mancher Bewerbung Nerven gekostet? Lies nach, worauf Personaler mit ihrer Frage abzielen und was eine gute Antwort ausmacht.

Wie finde ich meine Stärken und Schwächen heraus?

Die Stärken und Schwächen deiner Kollegen kannst du sicher auf Anhieb leichter benennen als deine eigenen – und genau das solltest du dir bei der Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch zunutze machen. Eine vertraute Person kann deine starken und schwachen Seiten nämlich oft besser identifizieren als du selbst. Bitte deshalb einen guten Freund oder ein Familienmitglied um seine Einschätzung.

Außerdem solltest du dich fragen, welche schwierigen Probleme du gelöst hast, in welchen Bereichen du dir mühelos neue Fähigkeiten angeeignet hast und bei welchen Aufgaben du so richtig in den Flow kommst. Schon bist du deinen Talenten auf der Spur. Das Gleiche gilt für deine Schwächen: Frag dich, ob es Aufgaben gibt, die du immer wieder vermeidest, oder Situationen, in denen du dich unwohl fühlst.

Wie formuliere ich meine Stärken und Schwächen?

Deine Vorzüge und Defizite zu identifizieren ist das Eine, sie geschickt zu formulieren das Andere. Hierbei kommt es auf den Balance-Akt zwischen gesundem Selbstbewusstsein, Arroganz und Understatement an. Übertriebenes Eigenlob nämlich kommt selten gut an, genauso wenig möchte der Arbeitgeber aber einen unsicheren Mitarbeiter, der vor anspruchsvollen Aufgaben zurückschreckt. Um nicht hilflos zu wirken, wenn du über Mängel sprichst, solltest du immer auch erwähnen, wie du daran arbeitest. Wenn du zum Beispiel Probleme hast, vor vielen Menschen zu sprechen, gleichzeitig aber den Rhetorikkurs erwähnst, den du seit ein paar Monaten besuchst, kannst du beim Arbeitgeber mit Ehrlichkeit und Reflexionsfähigkeit punkten.

Sprichst du über dein Können, dann achte darauf, dein Gegenüber nicht mit Worthülsen zu erschlagen, sondern auch anhand von Beispielen zu erklären, in welchen Situationen du diese Fähigkeiten schon unter Beweis gestellt hast. Statt "Ich bin belastbar" könntest du zum Beispiel sagen: "Ich kann gut mit Stress und Zeitdruck umgehen. Als die Frist für Projekt X kurz bevorstand, hat mich das zu noch besseren Leistungen motiviert."

Mit vermeintlich witzigen Antworten solltest du bei der Frage nach Stärken und Schwächen vorsichtig sein. Generell ist es zwar positiv, das Bewerbungsgespräch mit Humor aufzulockern, bei dieser Frage bist du mit einer ernsthaften Antwort aber besser beraten. Aussagen wie "Meine Schwäche ist Schokolade" oder "Links ist beim Fußball meine schwache Seite" werden dem Personaler nur in den seltensten Fällen ein Schmunzeln entlocken. Im besten Fall zieht eine solche Antwort weitere Fragen nach sich, sie könnte dir aber auch als mangelnde Kooperationsbereitschaft ausgelegt werden und deine Erfolgschancen negativ beeinflussen.

Reden ist Gold

Dass du dich beim Personaler ins Aus katapultierst, wenn du gar keine Schwäche nennst, versteht sich von selbst. Denn dem Arbeitgeber geht es gar nicht darum, jede noch so kleine Schwäche ans Licht zu bringen: Er möchte vielmehr herausfinden, ob du dich reflektiert mit deinen Fehlern auseinandersetzen kannst und bereit bist, an dir zu arbeiten. Niemand ist perfekt, und wer das von sich behauptet, wirkt unglaubwürdig.

Ähnlich unvorteilhaft ist es, wenn du erst einmal stotternd über Stärken und Schwächen nachdenken musst. Damit signalisierst du, dass du dich vorher nicht ausreichend mit deinen Fähigkeiten beschäftigt hast. Du solltest dir also unbedingt vor dem Bewerbungsgespräch Gedanken über deine Stärken und Schwächen machen. Damit bereitest du dich nicht nur auf die Fragen der Personaler vor, sondern kannst auch besser einschätzen, welche Arbeitsbereiche zu dir und deinen Fähigkeiten passen.

Stärken als Schwäche verkaufen?

Phrasen wie "Ich bin ein Perfektionist" oder "Ich bin sehr ehrgeizig und arbeite manchmal zu viel" halten sich hartnäckig in Bewerbungsratgebern. Viele Bewerber denken, mit dieser Antwort im Gestus der Bescheidenheit eine weitere Stärke (Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit) als Schwäche zu verkaufen und somit auf wirkliche Defizite, denen man kein vermeintliches Plus abgewinnen kann, gar nicht eingehen zu müssen. Diesen Trick haben Arbeitgeber längst durchschaut. In ihren Augen zeigst du mit einer solchen Replik nur, dass du nicht bereit bist, offen über verbesserungswürdige Punkte zu sprechen – kein idealer Charakterzug, wenn Teamwork auf deiner Aufgabenliste steht.

Solltest du wirklich der Meinung sein, dass deine größte Schwäche darin besteht, Dinge zu gut zu machen, dann beschreib konkret, warum das problematisch ist und wie du an diesem Manko arbeitest: "Ich verrenne mich manchmal in Aufgaben, weil ich jedes Detail perfekt erledigen möchte. Ich arbeite aber an meinem Zeitmanagement, indem ich mir jeden Morgen eine Liste mit wichtigen To-dos schreibe." Über "Ich arbeite manchmal zu viel" solltest du besonders gut nachdenken: Als verkapptes Selbstlob taugt es nicht, und falls du es tatsächlich ernst meinst, könnten beim Personaler die Burn-out-Glocken schrillen.

Wie viele Stärken und Schwächen sollte ich nennen?

Wenn nicht explizit nach einer bestimmten Anzahl gefragt wird, solltest du mehr Stärken als Schwächen nennen, dich dabei aber auch nicht zu sehr in den Himmel loben. Oft reicht es, ein bis zwei glaubwürdige Defizite zu beschreiben.

Gute Vorbereitung vs. Stärken und Schwächen auswendig lernen

Dein zukünftiger Arbeitgeber möchte im Vorstellungsgespräch bestimmt keine Liste mit auswendig gelernten Stärken und Schwächen präsentiert bekommen – die sich noch dazu bei jedem Bewerber gleicht. Das heißt aber nicht, dass du dich überhaupt nicht auf die Frage nach deinen Stärken und Schwächen vorbereiten sollst. Denn je besser du dich kennst, desto wirksamer kannst du deine Fähigkeiten im Beruf einsetzen und konstruktiv mit deinen Schwächen umgehen. Außerdem erkennst du so schon bei der Jobsuche, ob dir die ausgeschriebenen Stellen überhaupt liegen. Du tust also niemandem einen Gefallen, wenn du dir deine Antwort so zurechtbiegst, dass sie auf eine Stellenausschreibung passt – vor allem dir selbst nicht.

Neue Ansätze im Vorstellungsgespräch

Bei der direkten Frage nach Stärken und Schwächen können Personaler im Bewerbungsgespräch kaum noch spontane Antworten erwarten. Deshalb versuchen manche Arbeitgeber, den Bewerbern mit indirekten Fragen die eine oder andere Schwachstelle zu entlocken. Dabei fragen sie zum Bespiel, was den Kandidaten besonders an ehemaligen Chefs und Kollegen gestört hat, und ziehen daraus dann Rückschlüsse auf dessen eigene Persönlichkeit. Möglicherweise dreht sich das Gespräch auch zunächst um positive Merkmale und wird dann unerwartet in die gegenteilige Richtung gelenkt. Damit solltest du rechnen und Ruhe bewahren. Auch bei indirekten Fragen darfst du deine Schwächen zugeben, wenn du danach erklärst, wie du daran arbeitest, oder wie sich dein Verhalten bereits verbessert hat.  

Neben indirekten Fragen erfreuen sich auch Skalenfragen wachsender Beliebtheit, wenn Personaler im Vorstellungsgespräch mehr über die Stärken und Schwächen des Bewerbers erfahren wollen. Eine mögliche Frage könnte zum Beispiel lauten: "Welche Notenstufe würden Sie sich auf einer Skala von eins bis zehn für Ihre Teamfähigkeit geben?" Gibt sich der Bewerber eine Note zwischen eins und vier, kann der Personaler das als klare Schwäche werten. Doch auch Bewertungen bis zur Notenstufe sieben könnte er dir noch als kleine Schwachstelle auslegen. Auch hier solltest du proaktiv werden und von dir aus berichten, wie du bereits an deinen Schwachstellen gearbeitet hast.

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