Partner von:

Bereit zum Kräftemessen?

Boxhandschuhe (Quelle: freeimages.com, Autor: andysteel)

Quelle: freeimages.com, andysteel

Die wichtigsten Fakten zu Tests und Assessment-Centern

Wer muss zum Eignungstest?

Je größer das Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Bewerber zu einem Testverfahren eingeladen werden. "Mehr als 50 Prozent der Dax-30-Unternehmen nutzen Tests oder Fragebögen im Bewerbungsprozess", sagt Christof Obermann, Professor für Eignungsdiagnostik an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Insbesondere bei technischen Berufen würden fachliche Fähigkeiten zunehmend anhand von stellenbezogenen Testaufgaben geprüft, die die jeweilige Fachabteilung per Mail vorab verschickt. Im Dienstleistungsbereich setze man dagegen eher auf Assessment-Center (ACs). Zurzeit nutzen laut Obermann 27 von 30 Dax-Unternehmen dieses Auswahlinstrument. Bei ACs sind Testaufgaben am Rechner oder auf dem Papier nur ein Bestandteil neben weiteren Übungen, die eine Jury beurteilt.

Welche Tests gibt es?

Es gibt Aufgaben zur Allgemeinbildung und Intelligenz, zu Fremdsprachenkenntnissen, dem logischen Denken, zur Persönlichkeit, zur Konzentrationsfähigkeit oder zum Fachwissen. Welche eingesetzt werden, entscheidet jedes Unternehmen für sich. "In den letzten Jahren wird der Schwerpunkt oft auf soziale Fertigkeiten wie Durchsetzungsvermögen, Leistungsorientierung und Gestaltungswillen eines Bewerbers gelegt", beobachtet Gerd Reimann, Psychologe und Gründer der Potsdamer Gideon GmbH, die Unternehmen bei der Personalauswahl mithilfe von Eignungsdiagnostik unterstützt. Zur Vorbereitung kann man sich über das Tagesgeschehen informieren, seine Allgemeinbildung aufbessern, sich im Kopfrechnen üben und die Konzentrationsfähigkeit trainieren. Oft bieten die Career-Center der Hochschulen Vorbereitungskurse an. Die Aufgabenstellung sollte man immer sehr genau lesen, manchmal sind zum Beispiel mehrere Antwortmöglichkeiten richtig.

Worum geht’s im AC?

Ein Assessment-Center beinhaltet neben Tests zahlreiche weitere Aufgaben. In Rollen- und Planspielen werden typische Jobsituationen simuliert – Beschwerdegespräche oder schwierige Verhandlungen, die das Einfühlungsvermögen, die Stressresistenz und die Konfliktfähigkeit der Bewerber überprüfen. Gruppendiskussionen zu einem vorgegebenen Thema zeigen, ob ein Kandidat argumentatives Geschick und Überzeugungskraft besitzt. Ein weiterer Baustein ist der Kurzvortrag, bei dem man nach einer kurzen Vorbereitung die wichtigsten Aspekte eines Themas auf den Punkt bringen muss. Ganz sicher wird es auch ein Gruppen- oder Einzelinterview geben. Meist schließt sich noch eine Fallstudie an.

Womit punktet man beim AC?

Einen guten Eindruck macht, wer es schafft, den Tag über konzentriert und ruhig zu bleiben. Bei Fallstudien sollte man sich Stichpunkte machen und einen Lösungsweg skizzieren. Den ersten und letzten Satz seiner Selbstpräsentation lernt man am besten auswendig. Kritik in Gruppengesprächen sollte man wertschätzend formulieren. Und im Rollenspiel alles daransetzen, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Wie trainiert man fürs AC?

Fast alle Career-Center der Universitäten bieten Trainings-ACs an. Wer dort mitmacht, gewinnt an Routine. Hinzu kommt, dass man sich über die wichtigsten Fragen schon einmal Gedanken gemacht hat: Was für ein Mensch bin ich? Was kann ich besonders gut? Wo will ich hin? Je mehr Beispiele man sich bereits überlegt hat, umso reflektierter wirkt man später vor der Jury. Auch das freie Sprechen kann man üben – und zwei unterschiedlich lange Selbstpräsentationen vorbereiten. Debattierclubs gelten ebenfalls als geeignetes Trainingsfeld. Viele Firmen stellen Beispielfragen ihrer Tests auf ihren Karriereseiten online.

Wird man ständig beobachtet?

Bei vielen ACs wird explizit gesagt, dass die Bewertung nur in den Übungen stattfindet. "Aber wenn man sich beim Mittagessen unangemessen verhält, fällt das natürlich auf", sagt der Arbeitspsychologe Klaus Melchers von der Universität Ulm. "Das Hemd würde ich an dieser Stelle noch nicht aufknöpfen." Statt sich in der Kantine allein hinzusetzen, sollte man den Kontakt zu anderen Teilnehmern suchen. Wenn man mit einem Jurymitglied am Tisch landet oder gemeinsam in der Schlange vor dem Kaffeeautomaten steht, kann man den Moment nutzen, um sich auszutauschen und persönliche Fragen loszuwerden.

Ist ein AC fair?

ACs können zuverlässige Auswahlverfahren sein – aber nur, wenn sie nach wissenschaftlichen Empfehlungen vorbereitet und durchgeführt werden. Seit 2012 gibt es dafür festgelegte Qualitätskriterien. Trotzdem hakt es nicht selten: "Oftmals nehmen sich unerfahrene Mitarbeiter aus der Personalabteilung der Bewerber an", kritisiert Heinz Schuler, der zahlreiche Lehrbücher zur Personalpsychologie herausgegeben hat. Zu viele Elemente basierten auf reiner Verhaltensbeobachtung. Das Problem: Bei Beobachtern ohne psychologischem Background kann es zu Fehldeutungen kommen. Dann wird etwa jemandem, der laut und lange redet, mehr Kompetenz unterstellt. ACs beinhalteten durchschnittlich nur noch sechs verschiedene Aufgaben, früher seien es 17 gewesen, beobachtet der Psychologe Christof Obermann. Er sieht das kritisch. "Wenn es zwei oder drei Aufgaben des gleichen Typs gibt, kann man zuverlässiger bewerten, ob der Kandidat eine Aufgabe nur falsch verstanden hat oder die erforderlichen Kompetenzen wirklich nicht mitbringt."

Was ist ein E-Assessment?

Bei einem E-Assessment loggt man sich innerhalb eines Zeitfensters in einem Onlineportal ein und absolviert verschiedene Tests, etwa zur bildhaften, zahlen- und sprachgebundenen Denkfähigkeit. Darüber hinaus gibt es spielerische Aufgaben aus der künftigen Arbeitswelt, zum Beispiel die Erstellung einer Marketing-Präsentation. Zwischendurch können "Störer" wie E-Mails auftauchen, um die Stressresistenz zu prüfen. Wer das Verfahren erfolgreich durchläuft, wird zum persönlichen Gespräch oder zum Telefoninterview eingeladen.

Wie bekomme ich Feedback?

Der letzte Punkt auf der Agenda eines ACs sollte ein Abschlussgespräch sein: Darin wird man aufgefordert, seine Leistungen in den einzelnen Übungen selbstkritisch zu bewerten. Meist wird auch gefragt, wie man die Veranstaltung fand. Kritik trägt man klugerweise diplomatisch vor, selbst wenn man "frei von der Leber weg" reden soll. Danach bekommt man eine erste Rückmeldung von der Jury. Bleibt diese aus, kann man danach fragen. Bei einer Absage ruhig in der Personalabteilung nachhaken, woran es lag. Auskunftspflichtig sind die Firmen nicht, aber ein Gespräch hilft bei der Vorbereitung künftiger ACs. Und es kann verraten, ob es Sinn macht, es in einem halben Jahr wieder zu versuchen.

 © ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

nach oben

Egal, ob du dich auf ein Praktikum, einen Job oder ein Stipendium bewirbst: Wir haben hier die wichtigsten Infos zum Thema Bewerbung zusammengefasst.

Assessment-Center

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren