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So setzen Sie sich gegen Selbstdarsteller durch

Elevator Pitch (Quelle: fotolia, Autor: pehskova)

© peshkova - Fotolia.com

Introvertierte Menschen sind diszipliniert und kreativ – doch bei Beförderungen werden sie oft übersehen. Ein Aufstieg der Schüchternen und Leisen in einer lauten Welt scheint unmöglich. Das lässt sich ändern.

In zehn Jahren 30.000 handgeschriebene Danksagungen für seine Mitarbeiter – das ist die Bilanz von Douglas Conant. Der ehemalige Chef des Lebensmittelkonzerns Campbell Soup wusste, dass öffentliche Dankesreden nicht zu seinen Stärken zählten. Doch als Chef von knapp 20.000 Mitarbeitern führte kein Weg vorbei an wertschätzenden Gesten. Daher wurde Conant kreativ. Er fand heraus, wer für einen Erfolg verantwortlich war, dann schrieb er der Person einen Brief. Die Methode half: In seiner Amtszeit stiegen die von der Beratung Gallup ermittelten Zufriedenheitswerte in der Belegschaft deutlich. Auch wirtschaftlich ging es dem angeschlagenen Konzern bald besser. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Introvertierte im Job durchaus Erfolg haben können – vorausgesetzt, sie entwickeln originelle Herangehensweisen, die zu ihrer Persönlichkeit passen. Und die sind auch notwendig.

Leicht haben es Introvertierte in Konferenzräumen und Chefetagen dieser Tage nicht, vielleicht war es für sie sogar niemals schwieriger: Obwohl das Verhältnis von Introvertierten und Extrovertierten zahlenmäßig in etwa ausgeglichen ist, dominieren Selbstdarsteller berufliche Besprechungen ebenso wie Talkshows und Elternabende. Viele Zurückhaltende fühlen sich fehl am Platz in einer Welt, in der via Twitter im Sekundentakt steile Thesen verbreitet werden und Eigenmarketing wichtiger scheint als Expertenwissen. Doch wie schaffen es die Leisen, das Getöse der Lauten zu übertönen? Im Job trotz ihrer Bescheidenheit voranzukommen? Und vermeintliche Schwächen in Stärken zu verwandeln?

Diese Fragen beschäftigen auch Psychologen und Autoren populärwissenschaftlicher Literatur. In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Studien und Bücher zu dem Thema. Das bekannteste stammt von der ehemaligen Anwältin und bekennenden Introvertierten Susan Cain. Ihr Buch "Still" widmet sich der "Kraft der Introvertierten" und schaffte es auf die "New York Times"-Bestsellerliste: "Wir leben in einem Wertesystem, das vom Ideal der Extraversion geprägt ist", sagt Cain, "dem allgegenwärtigen Glauben, der Idealmensch sei gesellig, ein Alphatier und fühle sich im Rampenlicht wohl."

"Introvertierte werden unterschätzt"

Das bestätigt Psychologieprofessor Jens Asendorpf, der bis zu seiner Emeritierung 2014 an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrte: "Introvertierte werden in unserer Gesellschaft unterschätzt."

Sorgsames Abwägen wird in einer schnelllebigen Welt als Zaudern ausgelegt. In Konferenzen bleiben Introvertierte oft unsichtbar, obwohl sie gute Ideen haben. Als Gegenmittel empfiehlt Asendorpf: Sie sollten ihre eigenen Stärken anerkennen und ausspielen – aber auf keinen Fall Extrovertierte kopieren. "Es geht um Selbstakzeptanz, nicht um Selbstoptimierung", sagt der Persönlichkeitspsychologe.

"Die introvertierte Angela Merkel kann keine flammende Wahlkampfrede im Stile ihres extravertierten Vorgängers Gerhard Schröder halten." Sollte sie es dennoch versuchen, wirke dies unecht. Und genau da liegt die Gefahr: In einer Studie der Akademie für Führungskräfte gaben mehr als 95 Prozent der Manager an, dass Authentizität für die Motivation der Mitarbeiter essenziell sei. Introversion zuzulassen ist also der erste Schritt zum Erfolg.

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