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Zwischenzeugnis: Anspruch, Inhalt, Formalia

Zwischenzeugnis [Quelle: Unsplash.com, Autor: Green Chameleon]

Quelle: Unsplash.com, Green Chameleon

Zeugnisse nehmen einen wichtigen Stellenwert im Berufsleben ein – Zwischenzeugnisse aber werden manchmal zu Unrecht unterschätzt: Denn auch ein gutes Zwischenzeugnis kann dich als Arbeitnehmer in deiner Karriere und persönlich einen Schritt voranbringen. Wann hast du also Anspruch darauf und wann ist es sinnvoll, eines anzufordern? Wie sieht ein Zwischenzeugnis aus und worauf musst du achten?

Nach einer Leistungsbeurteilung zu fragen, während du noch für dein Unternehmen arbeitest, ist nicht immer einfach. Denn oft werfen sie bei deinem Vorgesetzen Fragen auf – zum Beispiel, ob du dich vielleicht gerade nach einem neuen Job umsiehst. Da Leistungsbeurteilungen allerdings für deine weitere berufliche Entwicklung sehr wichtig sind, solltest du unverfängliche Gelegenheiten nutzen, um eine zu erbitten. Welche unverfänglichen Gelegenheiten es gibt, findest du weiter unten im Abschnitt "Habe ich ein Anrecht auf ein Zwischenzeugnis?".

Wann ist ein Zwischenzeugnis sinnvoll?

Auch ohne solche Gelegenheiten ist es üblich, dass du circa alle drei Jahre nach einem Zwischenzeugnis fragen kannst, ohne dass bei deinem Chef alle Alarmglocken rot leuchten. Das ist aber natürlich immer auch ein bisschen von eurer Beziehung und der aktuellen Situation im Unternehmen abhängig.

Die Frage, wie aktuell ein Zwischenzeugnis sein sollte, um es für eine Bewerbung auf eine neue Stelle einzusetzen, kann leicht beantwortet werden: je aktueller, desto besser. Aber Personaler wissen um die Schwierigkeiten und verstehen, dass ein Zwischenzeugnis nicht immer topaktuell sein kann. Jedes Zeugnis, das nicht älter als zwei bis drei Jahre ist, kannst du guten Gewissens für deine Bewerbung verwenden.

Wie unterscheidet sich ein Zwischenzeugnis von einem Arbeitszeugnis?

Inhalt und Formalien sind bei beiden Zeugnistypen identisch. Der einzige Unterschied ist der Zeitpunkt, an dem es ausgestellt wird. Während ein Abschlusszeugnis geschrieben wird, wenn du das Unternehmen verlässt, bewertet ein Zwischenzeugnis deine Leistungen bis zum aktuellen Zeitpunkt, obwohl du weiterhin für das Unternehmen arbeitest. Wichtig zu wissen: Ein Zwischenzeugnis wird vom Arbeitgeber grundsätzlich nur auf Nachfrage des Mitarbeiters erstellt. Das bedeutet, dass du deinen Chef gezielt darauf ansprechen und danach fragen musst.

Was bedeutet "qualifiziertes Zwischenzeugnis"?

Auch hinsichtlich der Unterschiede zwischen einfachem und qualifiziertem Zeugnis ähneln sich Zwischen- und endgültiges Zeugnis. Während ein einfaches Zwischenzeugnis nur grundlegende Informationen (zum Beispiel persönliche Daten, Berufstitel und Beschäftigungszeitraum) ohne eine Beurteilung deiner Leistung enthält, ist ein qualifiziertes Zwischenzeugnis detaillierter. Das qualifizierte bewertet auch deine Arbeitsleistung, deine persönliche Entwicklung und dein soziales Verhalten im Unternehmen. Grundsätzlich solltest du nach einem qualifizierten Zwischenzeugnis fragen, denn dieses hat eine viel höhere Aussagekraft.

Hat man ein Anrecht auf ein Zwischenzeugnis?

Auf ein Abschlusszeugnis bei Beschäftigungsende hast du einen gesetzlichen Anspruch: Das heißt, dein Arbeitgeber muss dir ein solches Zeugnis schreiben, wenn du das Unternehmen verlässt. Auf ein Zwischenzeugnis hingegen gibt es keinen gesetzlichen Anspruch. Das bedeutet, dass dein Vorgesetzter dir deine Bitte schlimmstenfalls verweigern kann – wie sinnvoll das für eine weitere gute Zusammenarbeit ist, sei dahingestellt.

Deutsche Arbeitsrichter urteilen sogar häufiger, dass ein gewisser "Anspruch" auf ein Zwischenzeugnis besteht, wenn "triftige Gründe" vorliegen; das lässt aber Raum für Interpretationen. In folgenden Situationen stehen jedoch deine Chancen gut, da die Richter sie meist als "anzuerkennenden Grund" werten:

Lange Betriebszugehörigkeit

Es ist verständlich, dass du eine qualifizierte Leistungsbeurteilung möchtest, wenn du bereits länger (mehrere Jahre) für dein Unternehmen arbeitest.

Wechsel des Vorgesetzten

Auch, wenn du einen neuen Chef bekommst, ist der Wunsch nach einem Zwischenzeugnis nachvollziehbar – schließlich kann nur dein bisheriger Chef deine Leistungen bis zu diesem Zeitpunkt beurteilen.

Ein neuer Job innerhalb der Firma

Du wechselst in eine andere Abteilung? Auch dann ist es sinnvoll, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen, da ja die neue Abteilung nichts über deine bisherigen Tätigkeiten und Leistungen weiß.

Betriebsübernahme oder Fusion

Noch eindeutiger ist es, wenn dein Unternehmen von einem Investor oder einer anderen Firma übernommen wird oder mit einem Unternehmen fusioniert – denn ab jetzt ist an deinem Arbeitsplatz alles anders (Strukturen, Tätigkeiten, etc.). Damit du eine Beurteilung deiner Leistungen auch für die Zeit vor der Betriebsübernahme vorweisen kannst, empfiehlt es sich, jetzt ein Zwischenzeugnis anzufragen.

Stellenabbau

Ist deine Firma von Stellenabbau betroffen (beispielsweise wegen schlechter Auftragslage oder aus strukturellen Gründen), solltest du deinen Chef nach einem Zwischenzeugnis fragen. Wer weiß, ob du nicht zukünftig auch davon betroffen bist? Ein Zeugnis hilft dir dabei, dich schlimmstenfalls schneller und effektiver um einen neuen Job zu bemühen.

Längere Abwesenheit (Sabbatical oder Elternzeit)

Planst du eine längere Abwesenheit, zum Beispiel in Form von Elternzeit oder eines mehrmonatigen oder mehrjährigen Sabbaticals, ist deine Bitte nach einem Zwischenzeugnis nachvollziehbar. Schließlich weiß niemand, was passiert, während du nicht für das Unternehmen arbeitest. Wenn beispielsweise dein Vorgesetzter wechselt, fehlt nach deiner Rückkehr genau die Person, die deine Leistung vor der Auszeit beurteilen könnte.

Umfangreiche Fortbildungen

Auch umfangreiche Fortbildungen können ein triftiger Grund für ein Zwischenzeugnis sein. Das gilt insbesondere, wenn die Weiterbildung mit einer Art Titel oder Abschluss endet (beispielsweise, wenn du neben dem Beruf studiert und jetzt einen Bachelor-/Master-Abschluss in der Tasche hast).

Beförderungen

Eine Beförderung hebt dich auf die nächste Stufe der Karriereleiter – kein Grund aber, deine Leistungen vor der Beförderung zu vergessen. Halt sie in einem Zwischenzeugnis fest.

Auslandseinsatz

Ein längerer Auslandseinsatz wird ebenfalls als hinreichender Grund für ein Zwischenzeugnis angesehen. Schließlich hast du mehrere Monate oder sogar Jahre lang andere Tätigkeiten mit anderen Kollegen übernommen.

Ende der Probezeit

Das Ende der Probezeit ist für jeden Mitarbeiter ein kleiner Meilenstein und deswegen ein anzuerkennender Grund, um ein Zwischenzeugnis zu bitten.

Umstrukturierungen im Unternehmen mit deutlicher Änderung der Aufgaben

Gerade in größeren Unternehmen und Konzernen kommt es in regelmäßigen Abständen zu Umstrukturierungen. Dabei bleibt häufig kein Stein auf dem anderen. Für dich als Mitarbeiter bedeutet das neue Aufgaben und Kollegen, neue Prozesse und womöglich einen neuen Vorgesetzten – alles in allem also einen wichtigen Grund, ein Zwischenzeugnis von deinem bisherigen Chef einzufordern.

Wie begründe ich ein Zwischenzeugnis?

Da kein grundsätzlicher rechtlicher Anspruch auf ein Zwischenzeugnis besteht, musst du deinen Chef gezielt danach fragen. Das wiederum ist gar nicht so ohne, denn das "Image" eines Zwischenzeugnisses ist nicht das Beste: Es macht Arbeit und lässt die Vermutung aufkommen, dass du das Unternehmen verlassen willst und auf der Suche nach einem neuen Job bist. Wie gehst du dieses heikle Unterfangen also am besten an? Die Zusatzarbeit kannst du deinem Chef nicht nehmen – wohl aber die Zweifel, dass du auf dem Absprung bist. Hierfür ist es wichtig, deinem Vorgesetzten gegenüber deinen Wunsch sinnvoll zu begründen.

Wenn also einer der oben genannten triftigen Gründe vorliegt (zum Beispiel Elternzeit, ein drohender Stellenabbau oder eine Beförderung), kannst du diese ganz offen zum Anlass nehmen – dein Chef sollte deine Bitte dann in jedem Fall verstehen. Suchst du allerdings wirklich bereits nach einem neuen Job und schreibst fleißig Bewerbungen, ist es ratsam, deinem Vorgesetzten gegenüber dieses Unterfangen nicht erwähnen. Ein gutes Argument könnte dann sein, dass dein letztes Zeugnis bereits sehr lange zurückliegt. In der Regel ist der Wunsch nach einem Zwischenzeugnis alle drei oder mehr Jahre unverfänglich. Du solltest dir aber bewusst sein, dass unter Umständen trotzdem ein Restzweifel bleibt; das hängt maßgeblich vom Verhältnis zwischen dir und deinem Chef ab.

Wie muss ein Zwischenzeugnis aussehen?

Formal ist ein Zwischenzeugnis genauso aufgebaut wie ein finales Arbeitszeugnis:

  1. Überschrift: "Zwischenzeugnis"
  2. Deine persönlichen Daten
  3. Beschreibung deiner Tätigkeit
  4. Beurteilung deiner Arbeit und deines Sozialverhaltens
  5. Schlussformel und Dank für die Zusammenarbeit
  6. Unterschrift und Datum

Im Vergleich zum Arbeitszeugnis fehlt also nur der Beendigungsgrund des Arbeitsverhältnisses sowie die Zukunftswünsche – schließlich arbeitest du weiterhin für das Unternehmen. Gegebenenfalls kann auch der Grund für das Ausstellen des Zwischenzeugnisses erwähnt werden, zum Beispiel, wenn du in Elternzeit gehst. Der Umfang entspricht dem eines herkömmlichen Zeugnisses.

Hier findest du Zeugnismuster und mehr Informationen zum Thema Inhalt und Aufbau bei Zeugnissen.

Was darf oder muss in einem Zwischenzeugnis stehen – und was nicht?

Abgesehen von den Formalien gibt es auch inhaltlich einiges zu beachten. Hier gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie für ein Arbeitszeugnis. Achte auch bei einem Zwischenzeugnis darauf, dass dein Arbeitgeber keine "Geheimcodes" verwendet, die sich später negativ für dich auswirken könnten. So bedeutet der Satz "Er/Sie war stets bemüht" (anders als man vermuten könnte) nicht, dass du einen guten Job gemacht hast. Eher das Gegenteil ist der Fall: Du hast dich zwar bemüht, aber nichts erreicht. HIer findest du mehr Tipps zum Thema "Zeugnisse richtig lesen".

Das Zwischenzeugnis muss wohlwollend und wahrheitsgetreu formuliert sein und deine Leistungen sowie dein Sozialverhalten beurteilen. Dem Zwischenzeugnis kommt überdies eine sogenannte "Bindungswirkung" zu. Das bedeutet, dass dein Chef dich, wenn du das Unternehmen verlässt, im Endzeugnis nicht komplett anders beurteilen darf, sondern sich an der Leistungsbewertung des Zwischenzeugnisses orientieren muss. Achte also schon früh darauf, dass die Bewertung deiner wirklichen Arbeitsleitung entspricht.

Einen kleinen Unterschied zum Endzeugnis gibt es allerdings: Das Zwischenzeugnis wird in der Gegenwartsform (Präsens) formuliert, da du das Unternehmen nicht verlässt. Dieser kleine Punkt ist sehr wichtig. Wird ein Zwischenzeugnis nämlich in der Vergangenheitsform verfasst, lässt es vermuten, dass es sich hierbei um ein nachträglich ausgestelltes "Gefälligkeitszeugnis" handelt, beispielsweise, weil du bald einen Aufhebungsvertrag unterschreiben sollst.                                                                                   

Was tun, wenn dein Arbeitgeber kein Zwischenzeugnis ausstellt?

Eine Arbeitgeberpflicht oder einen rechtlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gibt es nicht. Und so gibt es auch viele Gründe, warum dein Chef dir kein Zwischenzeugnis ausstellt, von Zeitmangel und Streit bis hin zu fehlendem Wissen um gängige Gepflogenheiten.

Was tun, wenn du vergeblich auf dein Zwischenzeugnis wartest? Im ersten Schritt solltest du deinen Chef noch einmal freundlich daran erinnern – entweder persönlich, telefonisch oder schriftlich. Liegt es am Zeitmangel, kannst du anbieten, dein Zwischenzeugnis selbst zu schreiben, um deinem Chef etwas Arbeit abzunehmen.

Kommst du auch so nicht weiter und liegt kein triftiger Grund vor, der das Ausbleiben einer Zwischenbeurteilung rechtfertigt, kannst du dir Alternativen überlegen. Diese sind zwar nicht ganz so aussagekräftig, werden von Personalern aber oft als "Ersatz" anerkannt.

Hier einige Alternativen zum Zwischenzeugnis:

  • Mitarbeiterbeurteilung: Viele Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen eine Mitarbeiterbeurteilung aus (meist jährlich, gegebenenfalls auch im Rahmen der jährlichen Gehaltsdiskussion). Fällt diese positiv aus, kannst du auch deine letzte Mitarbeiterbeurteilung statt eines Zwischenzeugnisses für zukünftige Bewerbungen nutzen.
  • Empfehlungs- oder Referenzschreiben: In Deutschland noch nicht ganz so populär, aber trotzdem eine sinnvolle Alternative. Referenzen können beispielsweise auch von langjährigen Kollegen ausgestellt werden oder von Kunden, die du betreust. Wenn dann noch ein Kontakt angegeben ist, bei dem der Personaler telefonisch oder per E-Mail nachfragen kann – umso besser!

Was tun bei einem schlechten Zwischenzeugnis?

Ein schlechtes Zwischenzeugnis musst du – genau wie ein schlechtes Arbeitszeugnis – nicht akzeptieren. Wie bereits erwähnt, müssen Zeugnisse vom Arbeitgeber wohlwollend formuliert sein.

An diesen Hinweisen erkennst du ein schlechtes Zwischenzeugnis:

  • Das Zeugnis ist sehr kurz, obwohl du viele Jahre für das Unternehmen gearbeitet hast.
  • Der Inhalt ist unvollständig (wichtige Projekte oder Erfolge werden nicht erwähnt) oder voller Widersprüche.
  • Das Zeugnis benutzt zweideutige Formulierungen (Achtung: Zeugnissprache!).
  • Formalitäten werden nicht eingehalten oder es finden sich Rechtschreibfehler im Zeugnis.

Erkennst du, dass dein Zeugnis dich negativ beurteilt, kannst du dagegen angehen. Zunächst solltest du das Gespräch mit deinem Chef suchen und eine Nachbesserung verlangen. Nenn dabei genau die Stellen im Zwischenzeugnis, die überarbeitet werden müssen. Gerade, wenn es keine Absicht war, sollte es kein Problem sein, das Zeugnis noch einmal zu korrigieren.

Wenn dein Chef auf deinen Wunsch nicht reagiert oder sich weigert, kannst du schriftlich eine Korrektur verlangen und eine entsprechende Frist setzen. Hilft auch das nicht, bleibt dir letztlich nur der Gang zu einem Spezialisten, einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Dieser kennt sich mit jeglicher Art von Zeugnissen bestens aus und kann dir helfen, zu deinem Recht zu kommen.

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