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Bittere Pille Medizinstudium?

Diagnose? An der Realität vorbei...

Diagnose? An der Realität vorbei...

Halbgötter in wehenden weißen Kitteln
 In den Arztserien des Vorabendprogramms ist die Welt noch in Ordnung: Attraktive Jungärzte schweben halbgöttergleich und gutgelaunt über Klinikgänge. Frauen treten in der Rolle der nimmermüden und hilfsbereiten Stationsschwester auf. Alle haben sie stets ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Patienten. Ein Blick auf das Röntgenbild reicht aus, um präzise Diagnosen zu stellen, die den Heilungsprozess umgehend einleiten.
 

Erwachen aus dem Traum in Weiß
 Ob bei den "Lebensrettern im OP" oder beim "Bergdoktor" - die Welt der Arztserien spiegelt den schönen Schein. Im Klinikalltag der Jungärzte bleiben viele Illusionen auf der Strecke. Marathondienste von mehreren Tagen ohne Unterbrechung, Nachtdienste und schlecht bezahlte Stellen sind für viele Jungärzte bittere Realität. Die Folge: Immer weniger Mediziner zieht es an die Kliniken, der Traum in Weiß ist ausgeträumt. Angebote für Ärzte im Praktikum (AiP) und Fachärzte gibt es mittlerweile von fast jeder Klinik. Allein Bayern verzeichnet an den insgesamt 370 Kliniken laut der Arbeitsgemeinschaft Krankenhaus (AKB) 600 freie Arztstellen.
 

Medizinstudium: 40 Prozent Schwund
 Warum das so ist? Der Run aufs Medizinstudium hat nachgelassen: Während noch Mitte der 70er Jahre sieben bis neun Bewerber um einen Studienplatz konkurrierten, waren es zum Wintersemester 2001/02 nur noch zwei. Noch schlimmer: Auch der Anteil der Absolventen sinkt. "Im Schnitt haben wir zurzeit eine Abbrecherquote von 20 Prozent im Medizinstudium", sagt Dr. Thomas Kopetsch, Leiter der Statistikabteilung der kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer. Kopetsch weiter: "Dazu kommen noch rund 20 Prozent, die das Studium absolvieren, aber nicht mit der klinischen Laufbahn beginnen. Das macht von der Einschreibung bis zum Arztberuf also einen Verlust von 40 Prozent."
 

Jammern auf hohem Niveau?
 Dabei ist die Situation für Ärzte in Deutschland vergleichsweise gut. Bei einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von zwei Prozent kann man von Vollbeschäftigung sprechen. Alles also Jammern auf hohem Niveau? Nein. Das Medizinstudium ist reformbedürftig. Die Neuordnung müsste vor allem Wissenschaft und Praxis stärker verzahnen. Außerdem sehen viele junge Mediziner ihre berufliche Perspektive nicht mehr allein in den klassischen klinischen Berufen. Auch hier könnte das Studium Hinweise auf Alternativen zum Beispiel im Gesundheitswesen oder in der Biotechnologie geben.

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