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Freizeit für Selbstoptimierer

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Algorithmenbasiertes Dating, Urlaubsoptimierung und Schlaf-Analyse: Wir streben mittlerweile auch in unserer Freizeit nach dem Optimum. Doch ist das gesund? Und: Macht das denn Spaß? Wir haben eine Psychologin gefragt – und fünf Optimierungsapps einem Test unterzogen.

Der Mensch wirkt dann, wenn er zur Ruhe gekommen ist.

Der schlaue Satz stammt von Francesco Petrarca – Dichter, kluger Kopf, #frührenaissance. Mit dieser Glückskeks-Weisheit erkannte der Italiener schon vor rund 600 Jahren, was heute unter dem Begriff Work-Life-Balance diskutiert wird.

Ruhe vor der Arbeit. Wie geht das, wenn du mitten in einem MINT-Studium steckst? Wo bleibt die Muse in einer 70-Stunden-Woche? Freizeit ist ein kostbares Gut, sie ist sogar ein Menschenrecht. In Artikel 24 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird jedem Menschen ein "Anspruch auf Erholung und Freizeit" zugestanden.

"Zu recht", findet die Arbeitspsychologin Nadine Salomon. "Freizeit ist eine Ressource zur Regeneration. Sie sollte dazu dienen, herunterzufahren und zur Ruhe zu kommen. Der Gedanke, diese Zeit möglichst effizient zu nutzen, widerspricht dem völlig. Freizeitstress sollte man sich neben der Arbeit nicht auch noch zumuten."

Optimize me!

Treibt man sich aber eine Weile in sozialen Netzwerken herum, lümmelt es sich aber gar nicht mehr so entspannt durch die Freizeit. Warum nochmal strahlen diese ganzen hippen Influencer eigentlich so durchtrainiert in die Kamera? Von Orten, die sich deutlich von deiner durchgesessenen Couch unterscheiden? Der erste Schritt zur Optimierung ist die Analyse. Hier helfen Apps weiter: Du willst wissen, wie effektiv dein Sportprogramm ist? Lass dich von Runtastic tracken. Du willst wissen, ob du schon lange unglücklich bist? Führe mit Daylio ein Stimmungstagebuch. Du willst weniger aufs Handy schauen? Pflanze einen digitalen Baum mit Forest, der nur wächst, wenn du nicht am Bildschirm bist. Das Angebot ist riesig, das Optimierungspotenzial auch.

Aber was ist noch sinnvolle Alltagserleichterung und was übertriebene Freizeitoptimierung? Je weiter die Digitalisierung in unsere Lebenswelten vordringt, desto mehr gibt sie uns kleine Helferlein an die Hand, die unseren Alltag vereinfachen.

Jeden Tag werden weltweit eine Milliarde Kilometer mit Google Maps navigiert. Wenn wir damit in Rekordzeit zum Kino gelotst werden, freuen wir uns natürlich über die gewonnenen Minuten. Auch wenn wir auf die abendliche Bettlektüre zugunsten von Hörbüchern und Podcasts verzichten, sparen wir eine Menge Zeit – und können damit selbst die Fahrt zur Arbeit sinnvoller gestalten. Fitness-Apps helfen uns, unser Training effizienter zu machen. Und Petrarca könnte heute die schönsten Gedichte täglich als Push-Nachricht erhalten, anstatt Papierberge zu wälzen. Das ist alltägliche Optimierung.

Ein Life Coach für alle Lebenslagen

Bis vor Kurzem hat uns Hollywood in RomComs immer wieder gezeigt: Die schönsten Love Stories beginnen mit einer zufälligen Begegnung. Heute wissen wir: Das geht besser! Allein in Deutschland suchen mehr als zwei Millionen Nutzer bei Tinder ihr perfektes Match. Die App erspart dem potentiellen Date-Kandidaten das qualvoll-langsame Kennenlernen und springt direkt zum Wesentlichen: dem Äußeren. Tinder hat für dich alles optimiert. Nutzer, die auf der Attraktivitätsskala außerhalb deiner Liga spielen, werden dir gar nicht erst angezeigt. Ein Algorithmus misst, wie gut du bei anderen Nutzern ankommst, um so die Trefferquote zu optimieren. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, wollte man allerdings bisher nicht verraten. Dein Smartphone wird so zum etwas undurchsichtigen Life-Coach, optimiert deine Dating-Resultate und dringt dabei bis in dein Schlafzimmer vor.

Selbst die Match-freien Nächte optimiert dir dein Handy: Obwohl die App erst ein paar Monate auf dem Markt ist, messen inzwischen rund eine Millionen Nutzer mit Sleep Better ihren Schlaf, um das Optimum aus dem Schlummerland rauszuholen. Es lässt sich sogar die Schlafeffizienz ermitteln: Vielleicht schläfst du viel zu lang, ohne es zu wissen?

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Comment (1)

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  1. Anonym

    Dieser Optimierungs- und Selbstdarstellungszwang ist der erste Schritt in Richtung Burnout. Man müsste sich viel öfter kritisch mit der Arbeits-, Konsum- und Leistungsgesellschaft auseinandersetzen. Es gibt ein Recht auf Faulheit. Arbeit & Konsum verkommen mehr zum Selbstzweck der eigenen Selbstsucht wie dieser Artikel zeigt.

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