Partner von:

Ich bleib dann mal da

Wahl Entscheidung Berufsweg [© Coloures-pic - Fotolia.com]

© Coloures-pic - Fotolia.com

Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland würde gern den Job wechseln, doch die wenigsten suchen sich einen neuen. Warum tun wir uns mit Entscheidungen so schwer?

Dieser Text könnte ganz unterschiedlich beginnen: mit der Frage, wie oft man selbst schon gedanklich gekündigt hat. Mit der Feststellung, dass viele Freunde permanent über den Job jammern. Oder mit Studien, die belegen, dass über die Hälfte der Deutschen mit ihrer Arbeit unzufrieden ist.

Dass du dich, lieber Leser, nun drei verschiedenen Optionen gegenübersiehst, liegt daran, dass sich die Autorin nicht entscheiden kann. Das ist ein weit verbreitetes Gefühl, gerade in der Arbeitswelt, in der die Optionen permanent zunehmen. Den Beruf der Eltern übernimmt kaum noch jemand. Stattdessen hat man hierzulande die Wahl zwischen 18.000 Studiengängen und nach dem Studium zwischen Jobangeboten auf der ganzen Welt.

Glücklicher werden die Menschen dadurch allerdings nicht, haben Forscher der Florida State University herausgefunden. Im Gegenteil. Denn sich für eine Möglichkeit zu entscheiden heißt gleichzeitig, eine andere nicht zu nutzen.

Was das Leiden unter der Wahlmöglichkeit mit dem Leiden unterm Job zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn der Jobwechsel ist die Königsdisziplin der Entscheidungsfindungen.

Was, wenn die neue Stelle noch langweiliger ist als die alte? Wenn man den Ansprüchen des neuen Arbeitgebers nicht genügt, am Ende in der Probezeit schon Schluss ist? Was sagen die Freunde, Eltern, Kollegen? Vielleicht wird es ja beim alten Job doch wieder besser?

Christina Schwarz*, 37, arbeitet seit zwölf Jahren in einer Agentur in Hamburg. Seit sechs Jahren ist sie unzufrieden. Oder sind es schon sieben? "Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon kündigen wollte", sagt sie, schaut auf den Boden und knotet die langen dunklen Haare zum Dutt. Da ist der Vorgesetzte, der sich nie entscheiden kann und keine Ansagen macht. Da sind die Kollegen, die um sechs den Stift fallen lassen und am Ende des Monats noch Überstunden abfeiern. Da ist die Geschäftsführung, die bei neuen Ideen lieber bremst, anstatt sie zu fördern.

Schwarz ist ein temperamentvoller Mensch. Jede Regung sieht man ihr an. Erst sagt sie laut: "Selbst wenn ich mit einem komplett durchgekauten Konzept komme und es nur um Ja oder Nein geht, gibt es keine klare Antwort." Wenig später versinkt sie im Stuhl und sagt leise: "Ich habe echt mal gerne gearbeitet, aber mit meiner Euphorie war ich ziemlich alleine." Bei der Arbeit saß sie oft bis nachts vor ihrem Bildschirm im Großraumbüro, während die Freunde sich in Kneipen trafen. Der Wachmann kennt sie beim Namen. Analog zum Überstundenkonto wuchs die Unzufriedenheit.

Mittlerweile ist ihr vieles egal. Sie kommt jetzt auch mal später, geht früher. "Warum soll ich mich noch anstrengen?" Sie tippt sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Dazu kommt die Sinnkrise, die sie das erste Mal kurz vor dem 30. Geburtstag nervös macht. Schwarz erinnert sich an ein Marathon-Meeting, in dem ihr Team um den Slogan für einen Joghurt ringt. "Wir saßen da Stunden für einen blöden Satz für ein fragwürdiges Unternehmen. Ich dachte nur: Was mache ich hier?" Zwischendurch kommt die Beförderung zur Etatdirektorin, da hat sie kurz Hoffnung. Doch schnell ist der Frust zurück. Vor einem Jahr hat sie sich für ein Medizinstudium beworben. Als der Ablehnungsbescheid kam, war sie traurig, aber auch erleichtert. "Es wäre wohl die schwierigste Entscheidung meines Lebens gewesen", sagt sie.

nach oben

Jobs, Praktika

und akademische

Stellen suchen

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren