Partner von:

Vater? Unser!

Väterzeit, Kind und Karriere [Quelle: unsplash.com, Danielle MacInnes]

Quelle: unsplash.com, Danielle MacInnes

Zwei Monate Elternzeit werden meist akzeptiert, doch jenseits davon beginnt für Papa die Risikozone: Eine exklusive Umfrage zeigt, wo deutsche Arbeitgeber in Sachen Väterfreundlichkeit noch nachbessern müssen.

Überraschend positiv reagierte Christoph Mönnikes‘ Chef auf die Teilzeitidee, als das erste Kind des Controllers unterwegs war. Mönnikes wollte vorübergehend nur noch halbtags arbeiten. "Mein Chef signalisierte mir, dass eine Familienphase kein Problem sei und ich meine Arbeit doch auch aus dem Homeoffice erledigen könne", erzählt der Diplom-Kaufmann. Das war vor zehn Jahren. Als 2008 dann Mönnikes‘ zweites Kind zur Welt kam und der Controller ein Jahr Elternzeit beantragte, fiel die Reaktion des Vorgesetzten schon deutlich kühler aus. Bei der Ankündigung der dritten Schwangerschaft forderte Mönnikes‘ Chef 2010 knapp: "Jetzt ist aber mal ihre Frau dran mit Elternzeit."

Doch Mönnikes‘ Gattin hatte andere Pläne: Sigrid Nikutta, damals 41, machte gerade Karriere im Bahn-Konzern, wo sie zunächst Chefin aller Lokführer im Güterbereich und später dann Produktionsvorstand in Polen war. 2011 wechselte die Diplom-Psychologin den Arbeitgeber und leitet seitdem die Berliner Verkehrsbetriebe mit rund 13.000 Mitarbeitern.

Während Sigrid Nikutta also zu einer der wenigen Spitzenmanagerinnen der deutschen Wirtschaft avancierte, erlebte ihr Mann auf seiner Teilzeitstelle in Frankfurt zunehmende Spannungen: Erst verlor er seine Lieblingsprojekte, dann wurde ihm ein Vollzeitkollege vor die Nase gesetzt. Als sich Kind Nummer vier ankündigte, hielt den Familienvater deshalb nichts mehr davon ab, seiner Frau von Wiesbaden nach Berlin hinterherzuziehen und sich erneut in die Elternzeit zu verabschieden. Zu tun gab‘s genug: Er kümmerte sich um den jüngsten Sohn, suchte Kitas und Schulen für seine Älteren, organisierte den Haushalt. Und 2016 kam dann auch noch das fünfte Kind des Akademiker-Paares zur Welt.

Für die Jahre nach seiner Elternzeit liebäugelt Mönnikes mit der beruflichen Selbstständigkeit, um Job und Familie besser vereinbaren zu können.

Wären die negativen Erfahrungen, die Mönnikes mit seinem Arbeitgeber gemacht hat, heute undenkbar? Oder allgemeiner gefragt: Hat sich die Väterfreundlichkeit in deutschen Unternehmen inzwischen deutlich verbessert?

Nicht wirklich, konstatiert das aktuelle Väterbarometer des Bundesfamilienministeriums, für das jedes Jahr 1.000 angestellte Väter minderjähriger Kinder und 300 Arbeitgeber aller Branchen und Größenklassen befragt werden. Die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht das Handelsblatt exklusiv.

Zwar schätzen sich Deutschlands Arbeitgeber diesmal realistischer ein als 2015. Noch immer klafft aber eine Lücke zwischen der Wahrnehmung der Väter, die ihren Chefs nach wie vor allenfalls "teilweise" Väterfreundlichkeit attestieren, und der Einschätzung von Arbeitgebern, die sich selbst deutlich mehr Punkte in dieser Disziplin geben. "Interessant" findet Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig dabei, "dass gerade junge Väter ihre Arbeitgeber deutlich positiver wahrnehmen als der Durchschnitt der Väter". Der Ministerin zufolge ist das "ein Beleg dafür, dass durch das Elterngeld und das Elterngeld Plus ein Umdenken stattgefunden hat, von dem Väter und ihre Kinder profitieren".

Ein Drittel nimmt Väterzeit

Fakt ist: Zwischen 650.000 und 700.000 Kinder werden pro Jahr in Deutschland geboren. Fast jede Mutter nimmt danach Elternzeit – und mittlerweile auch etwa jeder dritte Vater. Frischgebackene Väter nehmen gern die staatliche Finanzspritze dafür mit, dass sich beide Elternteile um den Säugling kümmern. Dann gibt es Elterngeld für 14 statt 12 Monate. Das gängigste Modell: Mama macht ein Jahr Babypause, danach Papa zwei Monate Wickelvolontariat. Der Antrag für diese "Vätermonate" ebenso wie die Vertretung ist unkompliziert, Vorgesetzte reagieren meist verständnisvoll, einen Karriereknick bedeutet diese Auszeit kaum.

"Ob diese positive Erfahrung dagegen Paare machen werden, die Elterngeld Plus beantragen, weil beide Elternteile nach der Geburt ihres Kindes für bis zu zwei Jahre Teilzeit arbeiten, um sich Erziehung und Haushalt partnerschaftlich zu teilen, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen", sagt Volker Baisch. Er berät Unternehmen zum Thema "väterbewusste Personalpolitik". Den neuen staatlichen Zuschuss gibt es erst seit Sommer letzten Jahres, die bürokratischen Hürden sind vergleichsweise hoch. Es ist also noch zu früh, um zu beurteilen, ob es den länger teilzeitarbeitenden Vätern gelingt, das "Edeka"-Etikett abzuschütteln. Für Frauen, die am Arbeitsplatz aus familiären Gründen nicht mehr Vollzeit zur Verfügung standen, bedeutete dieser Umstand jedenfalls bislang ebenjenes Ende der Karriere. Um den Wunsch angestellter Väter zu erfüllen, mehr Zeit für ihre Kinder zu haben, müssten aber noch weitere geeignete Angebote geschaffen werden, "etwa was die Flexibilisierung der Arbeitszeit angeht", fordert die Bundesfamilienministerin. Denn Vatersein ist mehr, als abends die Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen.

Wer jedoch für sein Kind auch mal nachmittags da sein möchte, fühlt sich vom Chef allein gelassen, zeigt das Väterbarometer. Dabei würde es "vielen Vätern ja schon reichen, um die Rushhour des Lebens zu entschärfen, wenn sie ihre Arbeitszeit um zehn, maximal 20 Prozent reduzieren können", sagt Baisch. Eine Vier-Tage-Woche, am liebsten kombiniert mit der Möglichkeit, einen Tag zu Hause zu arbeiten, kommt bei Vätern sehr gut an. Baisch: "Denn da fällt es nicht so auf, wenn der Manager mal zwischendurch sein Kind zum Sport- oder Musikunterricht kutschiert."

"Väter müssen sich ihren Einsatz für die Familie ein Stück weit selbstbewusst erkämpfen", sagt Baisch. Die gute Nachricht der diesjährigen Väterbarometer-Befragung: "Wer sich traut, wird akzeptiert."

nach oben

Wie viel Unterstützung du vom Staat während deiner Elternzeit bekommst, verrät dir der Elterngeldrechner.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren