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Leistungskiller Unterforderung

Boreout, Müdigkeit, Langeweile [Quelle: unsplash.com, Autor: Markus Spiske]

Quelle: unsplash.com, Markus Spiske

Spätestens seit Prominente wie die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel oder Fernsehkoch Tim Mälzer über ihr Burnout gesprochen haben, stehen immer mehr Betroffene zur Diagnose Überforderung. Das gegenläufige Phänomen aber, das unterforderungsbedingte Boreout, beschäftigt die öffentliche Debatte sehr viel weniger. Dabei sind die Folgen ähnlich gravierend.

Psychische Erkrankungen sind laut DAK-Gesundheitsreport 2017 die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland: Allein 2015 zählten die Krankenkassen 87 Millionen AU-Tage infolge psychischer Erkrankungen, die meisten hiervon aufgrund depressiver Episoden oder Störungen. Ein oftmals vergessener Auslöser: das sogenannte Boreout. Denn wie Stress und Burnout kann auch ein andauerndes Gefühl der Unterforderung depressive Episoden hervorrufen oder verschlimmern.

Was ist ein Boreout?

Anders als beispielsweise die Depression ist das Boreout erst seit wenigen Jahren bekannt und nach wie vor nicht als klinische Diagnose anerkannt. Erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit gelangte das "Ausgelangweilt-Sein" 2007 mit dem Buch "Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht" der beiden Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter Werder.

Da Boreout nicht im klinischen Sinne als Krankheit anerkannt ist, existiert keine einheitliche Definition. Die beiden Unternehmensberater Rothlin und Werder beschreiben das Syndrom als Kombination von Langeweile, Unterforderung und Desinteresse und den hieraus resultierenden Verhaltensänderungen. Diese wiederum ziehen Betroffene in eine Abwärtsspirale, die schlimmstenfalls im Jobverlust und/oder der Depression endet.

Wie erkennt man ein Boreout?

Obwohl – oder gerade weil – bis heute kein klinisch-psychiatrischer Boreout-Test vorliegt, haben Rothlin und Werder in "Diagnose Boreout" eine Reihe von Verhaltensweisen zusammengeführt, die auf Unterforderung, Desinteresse und Langeweile am Arbeitsplatz hindeuten. Ihren zufolge treffen auf Boreout-Betroffene vier oder mehr der folgenden Anzeichen zu:

  • Sie erledigen immer wieder Privates zwischendurch und/oder verschicken private Mails an kollegen.
  • Sie fühlen sich gelangweilt oder unterfordert. Die Arbeit interessiert sie nicht.
  • Sie tun vor anderen so, als würden sie arbeiten.
  • Am Feierabend fühlen sie sich erschöpft, obwohl der Arbeitstag stressfrei verlaufen ist.
  • Sie sind unglücklich mit ihrer Arbeit und vermissen den tieferen Sinn.
  • Sie arbeiten bewusst langsamer, als sie es könnten.
  • Sie scheuen den Arbeitsplatzwechsel nur aus finanziellen Gründen.

Boreout und Burnout haben ähnliche Symptome

Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Gereiztheit, ständige Müdigkeit und nachlassende Konzentration – diese Symptome sind nicht in jedem Fall Ausdruck von Stress und Überforderung: Sie treten ebenso auf, wenn Menschen sich qualitativ und/oder quantitativ nicht ausgelastet fühlen. "Gerade hochqualifizierte Menschen stellen häufig hohe Ansprüche an sich und ihre Arbeit", sagt Sonja Wittig, Business-Coach am Institut für Lebensmotive in Köln. "Wenn sie dauerhaft Tätigkeiten ausführen, die sie unterfordern, mindert das nicht nur die Leistung, sondern kann zur psychischen Belastung werden und langfristig regelrecht krank machen."

Ein Boreout ist also weder Luxusproblem noch Lappalie: "Langeweile ist kein schickes Leiden", betont auch Psychotherapeut Wolfgang Merkle, der am Frankfurter Heilig-Geist-Hospital regelmäßig Patienten mit Symptomen eines Boreout behandelt.

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