Partner von:

Zwei Kinder und Karriere, bitte!

CEO of the Future McKinsey (© Sergiy Nykonenko - Fotolia)

© Sergiy Nykonenko - Fotolia

Wunsch, Wirklichkeit und Visionen - wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei den deutschen Top-Akademikern? Was wünschen sich sehr gute Studenten für ihre Zukunft zwischen Beruf und Familie? Wie kriegen Akademiker heute Kinder und Karriere unter einen Hut? Und was tun Unternehmen?

Zwei oder drei Kinder wollen sie später haben. Darin sind sich Jurastudentin Joanna, Studienanfänger Markus und Doktorand Stefan einig. Mit diesem Wunsch liegen sie im Trend: Der Großteil der Studenten, die an der e-fellows.net-Umfrage zur Familienplanung teilnahmen, wünscht sich zwei oder drei Sprösslinge. Elektrotechnik-Ingenieur Simon würden auch ein bis zwei Nachkommen reichen - geplant sind Kinder aber auf jeden Fall. Wie aber wollen die Top-Nachwuchskräfte ihren Nachwuchs mit der Karriere versöhnen? Wie sieht ihr Ideal von einem Leben zwischen Karriere und Familie aus? Und welche Schwierigkeiten fürchten sie?

Zusammenziehen, heiraten, Kinder kriegen

Laut Umfrage wollen Studenten um die 30 eine eigene Familie: Sie planen, mit zwischen 27 und 28 Jahren mit ihrem Partner zusammenzuziehen. Mit gut 30 Jahren folgen dann Hochzeit und Kinder. Auch Markus will mit Ende 20, Anfang 30 Vater werden: "In diesem Alter ist man noch belastbarer." Auch Joanna möchte am liebsten in diesem Alter eine Familie gründen. Sie will aber vor dem ersten Kind mindestens drei Jahre arbeiten gehen. Stefan sieht das ähnlich: "Optimal ist der Zeitpunkt, wenn beide Partner fertig mit der Berufsausbildung sind und drei oder vier Jahre gearbeitet und im Beruf Fuß gefasst haben."

Babypause: Mama und Papa kümmern sich abwechselnd

Wenn das Baby dann da ist, wollen die meisten eine Pause vom Beruf einlegen - und zwar Mama und Papa abwechselnd. Über die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer will sich die Babypause mit dem Partner teilen. Markus' Ideal ist, dass sowohl er als auch die Partnerin je eineinhalb Jahre in Babypause gehen und das Kind so bis zum Kindergartenalter selbst betreuen.
 
Stefan und Simon wollen ihre Karrierechancen mit denen der Partnerin vergleichen, um zu entscheiden, wer am ehesten zu Hause bleiben kann. So denken nicht alle Männer: Drei von zehn Studenten erwarten, dass nur die Partnerin die Auszeit nimmt. Dazu sind aber nur 18 Prozent der Studentinnen bereit. Unter ihnen auch Joanna: "Wenn mein Partner auch ein paar Monate in Babypause gehen will, ist das aber okay." Nur zwölf Prozent der Studenten wollen gar keine Babypause einlegen und die Kinder möglichst früh in Fremdbetreuung geben.

Schnell zurück in den Beruf ...

Allzu lange Ausfälle müssen Arbeitgeber aber durch die Babypause trotzdem nicht fürchten: Sechs Monate auf den Beruf zu verzichten, können sich die Studenten zwar gut vorstellen. Auch ein Jahr nehmen sie größtenteils in Kauf. Ein bis drei Jahre wollen die meisten aber eher nicht zu Hause bleiben. Eine noch längere Pause kommt gar nicht in Frage. "Nach einem halben Jahr - maximal einem Jahr - ist man in meiner Branche wegen des technischen Fortschritts abgeschrieben", befürchtet Simon. Das sieht Stefan ebenso und hält es daher für klug, lieber früher und dafür in Teilzeit einzusteigen. Markus wäre hingegen unter Umständen bereit, auch zwei oder drei Jahre aus dem Beruf auszuscheiden: "Ich finde bestimmt auch nach längerer Babypause irgendeinen Job - vielleicht nicht den Job, den ich wollte, aber ich habe es sicher leichter als jemand ohne Studium."

... aus Furcht vor Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg

Joanna sieht dem Wiedereinstieg ähnlich pessimistisch entgegen wie die beiden Techniker: "Man ist älter, man ist draußen, und die Stelle muss auch freigehalten werden. In den Wirtschaftskanzleien, die ich aus Praktika kenne, kommen die meisten Frauen nach einem guten halben Jahr zurück, ein Jahr ist das Maximum." Trotzdem will die Juristin so lange zu Hause bleiben, wie es aus psychologischer Sicht für eine vernünftige Mutter-Kind-Beziehung notwendig ist. Wie lange das ist? "Ich werde mich noch genauer informieren, aber ich gehe von mindestens einem Jahr aus."

Telearbeit oder Teilzeit?

Nach der Babypause würde Joanna gerne weitgehend von zu Hause aus arbeiten - dann auch gerne in Vollzeit. Außerdem wünscht sie sich Unterstützung durch eine Tagesmutter. Die zweitbeste Alternative: Teilzeitarbeit von 8 bis 14 Uhr und eine Kinderkrippe direkt im Unternehmen. Fremdbetreuung und Teilzeit sind auch unter den Umfrage-Teilnehmern beliebt: Für über drei Viertel sind Betreuungsplätze Voraussetzung dafür, überhaupt Kinder zu bekommen.
 
Von ihrem Arbeitgeber erwarten sie, dass er Teilzeit ermöglicht und sie mit flexiblen Arbeitszeiten unterstützt. Die stehen auch auf Markus' Wunschliste ganz oben: "Wenn ein Kind krank ist, muss ich auch kurzfristig zwei, drei Tage zu Hause bleiben können." Stefan würde nach der Babypause gerne in Teilzeit einsteigen: "Zuerst würde ich am liebsten mit meiner Frau abwechselnd zwei oder drei Tage in der Woche arbeiten gehen. Wenn das Kind dann im Kindergarten oder in der Schule ist, möchte ich wieder mehr arbeiten, aber so flexibel, dass ich noch genügend Zeit für die Kinder habe."

Fremdbetreuung: Für und Wider

Der Fremdbetreuung stehen sowohl Markus als auch Stefan skeptisch gegenüber. Markus misstraut der Qualität und würde lieber die Großeltern ins Boot holen. Simon hingegen sieht das anders: "Solange das Kind nicht von 7 bis 21 Uhr in Fremdbetreuung ist, ist das okay." Probleme sieht er eher bei Teilzeit und Telearbeit: "In meinem Job als Systementwickler müssen Aufgaben sehr zeitnah erledigt werden. Wir stehen ständig im Kontakt zum Kunden. Ein Kollege, der in Teilzeit ging, bekam bald nur noch uninteressante Arbeit zugewiesen. Nach vier Wochen hat er sich einen anderen Job gesucht. In anderen Berufen sind Teilzeit und Telearbeit aber sicher gut machbar. Ein Software-Entwickler kann beispielsweise problemlos ein Arbeitspaket mit nach Hause nehmen und zu Zeiten abarbeiten, die ihm passen." Deshalb wünscht Simon sich vom Arbeitgeber vor allem, später auf eine familienfreundlichere Stelle wechseln zu können.

Arbeitgeber sind gefordert

In der e-fellows.net-Umfrage gaben vier von zehn Studenten an, dass sie nur einen Arbeitgeber wählen würden, der ihnen ein Familienleben durch Maßnahmen wie Teilzeit oder Kinderkrippe ermöglicht. Auch in der Arbeitgeberstudie "Most Wanted", die McKinsey 2008 unter den e-fellows.net-Stipendiaten durchgeführt hat, landete die Work-Life-Balance auf Platz fünf von 25 Kriterien, die die Stipendiaten als wichtig bei der Arbeitgeberwahl erachten. Werden sie nach ihren konkreten Wunsch-Arbeitgebern gefragt, zeigt sich allerdings, dass die Work-Life-Balance kein Merkmal ist, durch das sich die beliebtesten von den weniger begehrten Arbeitgebern unterscheiden.

Erst die Karriere, dann die Familie?

Entscheiden bei der Arbeitgeberwahl letztendlich doch Gehalt und Aufstiegschancen? Nicht ganz: Erstens kann man das Ergebnis der Arbeitgeberstudie auch so interpretieren, dass die Studenten zwischen den Unternehmen keine allzu großen Unterschiede bei der Work-Life-Balance wahrnehmen. McKinsey rät den Firmen, sich mit entsprechenden Angeboten stärker von ihren Konkurrenten abzuheben. Zweitens spiegelt diese Studie in erster Linie die Wünsche für den ersten Arbeitgeber wider. Möglicherweise ändern sich die Präferenzen nach ein paar Jahren. "Beim ersten Job ist die Work-Life-Balance für mich zwar wichtig, aber kein K.O.-Kriterium", erklärt Markus. "Wenn die Familiengründung ansteht, wird sie aber eines."

Die Babypause sollten Mutter und Vater unter sich aufteilen. Diese Meinung vertrat über die Hälfte der Studierenden, die an der e-fellows.net-Umfrage zur Familienplanung teilnahmen. Teil eins der Reportage stellte die Wünsche der Spitzen-Studenten vor. Wie aber sieht die Realität von Akademikereltern heute aus? Setzt sich die Babypause für Männer durch? Und kann eine Mutter in der Unternehmensberatung Karriere machen?

Aufteilung der Babypause: Angst vor dem Karriereknick

Auch heute schon bevorzugen Akademiker größtenteils partnerschaftliche Modelle und wollen die Babypause zwischen Mann und Frau aufteilen. In einer Studie der IGS Organisationsberatung unter überwiegend akademisch gebildeten Vätern gab jeder Zweite an, dass er gerne in Elternzeit gehen würde - im Schnitt für 16 Monate. Allerdings befürchten 71 Prozent negative Konsequenzen wie einen Karriereknick oder Unverständnis, wenn sie familienfreundliche Angebote, zum Beispiel die Elternzeit, in Anspruch nehmen. Ebensoviele haben deshalb Bedenken, solche Leistungen beim Vorgesetzten zu beantragen.

Bewusstseinswandel durch Elterngeld

Hier sorgt das Elterngeld für einen Bewusstseinswandel: Trotz der Angst vor dem Karriereknick nehmen immer mehr Männer eine Auszeit für ihr Kind. Schon im ersten Quartal 2007 stellten laut Statistischem Bundesamt die Väter 7 Prozent der Anträge auf Elterngeld, im vierten Quartal 2007 waren es schon gut 12 Prozent. Besonders beliebt sind bei den Männern die beiden Partnermonate: 60 Prozent der Männer, die Elterngeld in Anspruch nahmen, beantragten es für zwei Monate. Immerhin: 40 Prozent bleiben länger - 18 Prozent sogar ein Jahr lang. Die Mütter beziehen das Elterngeld hingegen zu 87 Prozent für zwölf Monate. Über die tatsächliche Dauer der Babypause für Frauen sagt das aber wenig aus. Die dauert für die meisten immer noch mindestens drei Jahre: Von den Müttern mit Kindern unter drei Jahren waren 2004 nur ein knappes Drittel aktiv erwerbstätig.
 gaben die befragten Ingenieurinnen größtenteils an, dass sie für die Betreuung drei bis sechs Monate zu Hause geblieben sind oder bleiben wollen. Ulrike von Faber aus dem Personalmarketing von Roche Diagnostics macht ähnliche Erfahrungen: "Bei Roche liegt der Durchschnitt zurzeit bei 17 Monaten. Noch vor ein paar Jahren haben 80 Prozent der Mütter die vollen 36 Monate Kinderbetreuungszeit ausgeschöpft." Das bestätigt Heidi Stock, Projektleiterin Chancengleichheit bei Bosch: "Auch bei Bosch kommen immer mehr Frauen sehr schnell zurück. Akademikerinnen bleiben meistens nur sechs bis zwölf Monate zu Hause." Beide Unternehmen organisieren deshalb Kinderbetreuung für die Kleinsten (siehe auch das Interview mit Ulrike von Faber und Heidi Stock auf Seite drei).

... wenn sie nicht an der Kinderbetreuung scheitern

Die meisten Mütter sind aber auf öffentliche Betreuungsangebote angewiesen. Die sind immer noch Mangelware: Im März 2007 hatten laut Daten des Statistischen Bundesamts nur knapp 16 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz - immerhin eine Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während in einigen ostdeutschen Kreisen jedes zweite Kind betreut wird, sind es in manchen westdeutschen nur zwei von hundert. Bei einer Online-Umfrage von McKinsey gaben 29 Prozent der Frauen, die keine Kinder wollen, fehlende Betreuungsmöglichkeiten als Grund für diese Entscheidung an. Bei den Müttern mit einem Einzelkind, die keinen weiteren Nachwuchs planen, sind es sogar 45 Prozent. Umso wichtiger werden individuelle Lösungen, wie Tanja Kopietz von Accenture sie fand.

Haben Sie nach der Geburt Ihrer Kinder im Job ausgesetzt?

Ja, nach der Geburt meiner Tochter war ich fast zwei Jahre in Babypause. Während dieser Zeit blieb ich laufend mit Accenture in Verbindung und übernahm einzelne Projekte im Recruiting - etwa vier Stunden pro Woche. Dann wurde mein Sohn geboren, und ich blieb ein weiteres halbes Jahr zu Hause. Als ich in Babypause ging, stieg ich mit gutem Gefühl aus, weil ich wusste, dass es immer einen Weg zurück gibt.

Wie sah Ihr Wiedereinstieg aus?

Ich stieg in Teilzeit wieder ein. Zunächst arbeitete ich zwei Tage in der Woche für einen Kunden in der Nähe meines Wohnorts. So musste ich nicht über Nacht von zu Hause fortbleiben. Nach einem halben Jahr stockte ich dann auf drei Tage die Woche auf und reiste wieder mehr. So mache ich das bis heute. Wobei Accenture es mir freistellt, ob ich lieber im Hotel übernachte oder abends noch nach Hause pendle.

Wer kümmert sich um die Kinder, während Sie arbeiten?

Ich bin in der glücklichen Situation, dass wir - seit meine Tochter ein halbes Jahr alt ist - eine Kinderfrau haben. Wir haben sie über eine Anzeige gefunden, in der wir jemanden suchten, der zeitlich flexibel ist. Inzwischen ist sie über sechs Jahre bei uns und ein fester Bestandteil unserer Familie.

Konnten Sie in Teilzeit auch Ihre Karriere vorantreiben?

Ja, zwei Jahre nach meiner Rückkehr stieg ich in die Führungsebene auf. Im Moment leite ich ein Team von vier Accenture-Mitarbeitern und bin der Hauptkontakt zum Kunden. Um Job und Familie zu vereinbaren, ist neben viel Engagement die Möglichkeit zum Home Office sehr hilfreich: So kann ich auch von zu Hause aus arbeiten und muss nicht die ganze Zeit im Büro oder beim Kunden vor Ort sein. Eine der Voraussetzungen für eine Teilzeitbeschäftigung ist sicher, dass meine Vollzeit-Kollegen Verständnis dafür haben, dass ein Meeting auch mal um 20 Uhr stattfindet oder ich nicht sofort ans Telefon komme. Diese Flexibilität ist nicht selbstverständlich und ich freue mich sehr darüber.

Teilzeit wird immer beliebter

Teilzeit ist nicht nur bis in die Unternehmensberatung vorgedrungen, sie wird allgemein immer beliebter. Die Steigerung der Frauenerwerbsquote ist zu einem guten Teil der Teilzeit zu verdanken. 1994 waren laut Daten der OECD nur 55 Prozent der Frauen erwerbstätig, davon 28 Prozent in Teilzeit. 2007 arbeiteten 63 Prozent der Frauen - 39 Prozent davon in Teilzeit. Auch bei den Männern stieg die Zahl deutlich: von 3 Prozent im Jahr 1994 um auf 8 Prozent im Jahr 2007. Die Steigerung fiel noch stärker aus als bei den Frauen: Seit 1994 stieg der Anteil der Männer unter den Teilzeit-Beschäftigten um 8 Prozentpunkte auf heute 19 Prozent.

Telearbeit auf dem Vormarsch

Immer häufiger bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern auch externen Zugriff auf das Netzwerk des Unternehmens. 2005 konnten laut Statistischem Bundesamt 12 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von außen auf das Firmensystem zugreifen - und somit ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten. 2003 hatten erst 4 Prozent diese Möglichkeit. Aber selbst wenn technisch die Möglichkeit besteht, ist Telearbeit nicht überall möglich. "In der Produktion oder bei Projekten mit Kundenkontakt kann man natürlich nicht komplett von zu Hause aus arbeiten", gibt Ulrike von Faber zu bedenken. "Telearbeit funktioniert vor allem bei kaufmännischen Tätigkeiten, die nicht zu viel persönlichen Kundenkontakt erfordern."

In unserer aktuellen Umfrage zur Familienplanung gaben vier von zehn Studenten an, dass sie ausschließlich Arbeitgeber wählen würden, die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Kind und Karriere bieten. Halten Sie diese Haltung für realistisch?

Heidi Stock: Ich halte sie nicht für unrealistisch. Vielen Unternehmen ist bewusst, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert. Viele - auch Bosch - arbeiten heute sehr viel internationaler, die Mitarbeiter arbeiten mehr. Da muss das Unternehmen Angebote machen, die trotzdem eine Familie ermöglichen.

Ulrike von Faber: Auch ich halte diese Haltung für realistisch. Studien zeigen, dass das Thema Beruf und Familie für Arbeitnehmer immer wichtiger wird. Männer setzen sich auch immer mehr dafür ein, ihren Beitrag zu leisten. Roche nimmt das schon seit Jahren sehr ernst. Schließlich werden die Leistungsträger immer weniger, viele wandern außerdem ins Ausland ab. Roche will die Verbleibenden für sich gewinnen.

Wie empfinden Sie es, wenn ein Bewerber im Vorstellungsgespräch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie fragt?

Ulrike von Faber: Wir werten es als sehr positiv, wenn ein Bewerber nach der Work-Life-Balance fragt, weil das Roche die Gelegenheit gibt, seine Stärke darin darzustellen. Schließlich haben wir mehrere Preise für Work-Life-Balance gewonnen. Außerdem ist das eine ehrliche Frage und spricht für die Authentizität des Bewerbers.

Heidi Stock: Das Thema ist völlig normal. Eine Frage nach der Work-Life-Balance wirkt sich auf keinen Fall negativ aus.

Gibt es in Ihren Unternehmen Männer, die in Babypause gehen?

Ulrike von Faber: Von den 11.700 Mitarbeitern von Roche Diagnostics befanden sich Ende 2007 insgesamt 495 in Elternzeit - 478 Frauen und 17 Männer. Der Männeranteil beträgt also nur 3,43 Prozent. Aber es werden immer mehr - wenn auch in kleinen Schritten. Halbe-Halbe bei der Babypause halte ich zwar nicht für realistisch, aber einen Beitrag wollen die Männer leisten. Müssen sie auch, weil sich die Frauen anders aufstellen.

Heidi Stock: Von den 90.000 Männern bei Bosch gingen letztes Jahr 200 in Babypause. 2006 waren es nur 30. Sprunghaft angestiegen ist vor allem die Zahl derjenigen, die die beiden Partnermonate nehmen. Aber immer mehr Männer nehmen auch eine verlängerte Babypause. Die Aufteilung der Babypause wird allmählich normal. Noch trauen sich aber viele Männer nicht zu fragen. Dabei haben sie dieselben Fragen und Ängste wie Frauen. Für Frauen gibt es bei Bosch seit langem Netzwerke, für Männer bisher nicht. Aber das kommt demnächst: "Papas@Bosch".

Welche Betreuungsmöglichkeiten haben Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen, die nach der Geburt möglichst schnell wieder einsteigen wollen?

Heidi Stock: Bosch bietet vier Möglichkeiten: Erstens gibt es einen Familienservice, der Tagesmütter, Aupairs oder Krippenplätze vermittelt. Zweitens Tagesmütter nur für Bosch-Kinder. Drittens hat Bosch Verträge mit externen Anbietern von Kinderbetreuung. Viertens arbeitet Bosch mit den Kommunen zusammen und reserviert in den öffentlichen Kinderkrippen und -gärten Plätze für die Kinder von Mitarbeitern. Diese Bandbreite ist wichtig, um auf die Wünsche der Mütter Rücksicht zu nehmen. Manche bevorzugen Kinderkrippen, andere haben lieber eine Tagesmutter.

Ulrike von Faber: Roche bietet sowohl in Penzberg als auch in Mannheim Kinderkrippen für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Damit die gegründet wurden, hatte Roche zusammen mit den Eltern eine Initiative gestartet und die Finanzierung stark unterstützt. In den Krippen werden nicht nur Kinder von Roche-Mitarbeitern betreut, aber sie genießen Vorrang. Die Zeiten sind an die Arbeitszeiten von Vollzeit-Beschäftigten angepasst. Bisher konnte noch jeder Mitarbeiter sein Kind in der Krippe unterbringen, der das wollte. Außerdem haben wir seit Mai eine Not- und Spontanbetreuung für Mitarbeiterkinder ab sechs Monaten. Unsere Mitarbeiter können dieses Angebot dreimal pro Jahr kostenlos in Anspruch nehmen.

Hat ihr Unternehmen weitere Betreuungsangebote?

Ulrike von Faber: Neben den Krippen bieten wir auch Ferienbetreuung für Schulkinder. In den Sommerferien gibt es Sommer- und Sportcamps, in denen die Kinder ganztags betreut werden. Außerdem arbeiten wir mit einem externen Familienservice zusammen, der Tagesmütter vermittelt, Betreuung für Kinder unter einem Jahr, Babysitter, Nachmittagsbetreuung für Schulkinder oder Pflegepersonal in der "elder care", also in der Pflege für ältere Familienangehörige.

Heidi Stock: Bosch bietet ein Programm mit vier Dimensionen. Die Kinderbetreuung ist nur eine davon. Hier wird vor allem Betreuung für Kinder unter drei nachgefragt. Die zweite ist die schon erwähnte "elder care". Die dritte Dimension umfasst Angebote für Familien - vom Babysitter-Service über Wochenendveranstaltungen für die ganze Familie bis hin zu Ferienbetreuung für Kinder. Besonders die wird stark nachgefragt. Der vierte Pfeiler ist Teilzeit.

Apropos Teilzeit: Wie viele Mitarbeiter kehren denn nach der Babypause ins Unternehmen zurück - und wie viele davon in Teilzeit?

Ulrike von Faber: Bei Roche kehren 92 Prozent zurück. Die Rückkehr in Teilzeit ist beliebt, vor allem bei den Frauen. Insgesamt 14,1 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten in Teilzeit. Heidi Stock: Bei Bosch kehren 90 Prozent der Frauen in ihre alte Position zurück. Etwa 85 Prozent steigen in Teilzeit ein. Jede dritte Frau arbeitet in Teilzeit, in den Führungsebenen jede vierte Frau. Dieser Anteil steigt seit vier, fünf Jahren. Der Anteil der Väter in Teilzeit liegt im einstelligen Prozent-Bereich. In einer neuen Initiative bauen wir einen internen Stellenmarkt auf, in dem hochqualifizierte Teilzeitstellen ausgeschrieben werden. Damit soll es leichter werden, sich in Teilzeit auch beruflich weiterzuentwickeln. Ich selbst arbeite übrigens auch in Teilzeit.

Mit wie vielen Stunden denn, Frau Stock?

Heidi Stock: Nach Geburt meines Sohnes habe ich sofort wieder zu arbeiten begonnen - zunächst acht Stunden von zu Hause aus. Nach fünf Monaten arbeitete ich zwei Tage, davon einen im Büro. Nach acht Monaten stockte ich wieder auf: zwei Tage im Büro und ein Telearbeitstag. Wenn mein Sohn demnächst in die Schule kommt, werde ich dreieinhalb Tage in der Woche arbeiten. Während der gesamten Zeit hat mich eine Tagesmutter unterstützt. Mit Schulbeginn wird mich eine neue Tagesmutter bei der Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung unterstützen.

Gibt es auch bei Roche Mitarbeiter, die ihre Aufgaben von zu Hause aus erledigen?

Ulrike von Faber: Ja, ich selbst bin das beste Beispiel dafür. Ich arbeite in Telearbeit - wie zwei Prozent aller Roche-Mitarbeiter. Das bedeutet, dass ich komplett von zu Hause aus arbeite. Nur manchmal fahre ich zu Terminen ins Unternehmen. Daneben gibt es auch die so genannte mobile Arbeit: Viele Mitarbeiter haben sowohl im Büro als auch zu Hause einen Arbeitsplatz. So können sie abends früher nach Hause oder morgens später kommen. Mehr als die Hälfte der Akademiker nutzt dieses Angebot.

Wie sieht das denn bei Ihnen aus, Frau von Faber?

Ulrike von Faber: Als sich meine Tochter ankündigte, ging ich erst einmal in Erziehungsurlaub. Nach 16 Monaten rief mich ein Personalleiter an und bot mir an, für ein Projekt acht Stunden die Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Das sah dann so aus, dass ich täglich in den zwei Stunden arbeitete, in denen meine Tochter ihren Mittagsschlaf hielt. Nach einem Jahr erhöhte ich auf 20 Stunden. Heute arbeite ich 24 Stunden - also vier Tage die Woche am Vormittag, wenn meine Tochter in der Schule ist. Am Freitag habe ich frei. Auch für das Unternehmen hat das Vorteile: Ich kann zu Hause effizienter arbeiten, weil nicht ständig jemand in der Tür steht oder ich in eine Sitzung muss. In derselben Zeit schaffe ich mehr als im Büro.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.