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Vertrauen mit Titel

CFA, CFP, Finance, Weiterbildung, Quelle: sxc.hu, Autor: lusi

CFA, CFP, Finance, Weiterbildung, Quelle: sxc.hu, Autor: lusi

Privatkundenberater der Banken bilden sich institutsunabhängig weiter, um sich für die Zukunft fit zu machen.

 Gerade noch vor der Sommerpause knöpfte sich der Bundestag ein heikles Thema vor: Die Abgeordneten verabschiedeten ein Gesetz, das Bank-Beratern umfassende neue Pflichten auferlegt. Zum Beispiel müssen Kredit- und Anlageberater in Zukunft in Protokollen detailliert den Inhalt ihrer Beratungsgespräche festhalten - darunter auch die Ziele der Kunden. Denn zu viele Privatkundenberater hatten in den vergangenen Monaten harsche Kritik wegen ihrer wenig krisensicheren Anlageempfehlungen einstecken müssen. Weil sie etwa das erhöhte Sicherheitsbedürfnis ihrer Kundschaft außer Acht ließen, zugunsten von Abschlussprovisionen, die ihnen persönlich winkten.
 
 Anleger, die künftig Opfer solch einer falschen Beratung werden, bekommen außerdem einfacher Schadenersatz zugesprochen, weil Forderungen nicht mehr wie bisher bereits drei Jahre nach Vertragsabschluss verjähren, sondern länger erhoben werden können.
 
 Das neue Gesetz ist Teil der "Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen", welche die Bundesregierung im Frühjahr ins Leben gerufen hat - angesichts des großen Vertrauensverlustes in die Bankenwelt. Die neuen Pflichten treffen Kreditinstitute besonders hart, weil die ganze Branche im Zuge der Finanzkrise stark gebeutelt ist. Viele Banken müssen ihr Geschäft regelrecht sanieren. Sie ächzen unter hohen Abschreibungen und Verlusten - und reagieren mit Sparplänen. Finanzfirmen kündigten den Abbau von weltweit mehr als 100.000 Arbeitsplätzen an. Auch in deutschen Banken fürchten Tausende Mitarbeiter um ihre Jobs.
 
 "Bankmitarbeiter sollten auf die Gefahr einer Entlassung reagieren, indem sie sich gezielt weiterbilden", empfiehlt Markus Gerhard, Programm-Manager an der Frankfurt School of Finance & Management. So sinke die Gefahr, die Stelle zu verlieren. Kommt es trotz der Weiterbildung noch zur Kündigung, finde der Betroffene aber zumindest schneller wieder eine neue Position.
 
 Gut gerüstet für die Zukunft sind Banker, die in Sachen unabhängige Anlageberatung fit sind. "Das Informationsbedürfnis der Kunden ist deutlich gestiegen", sagt Detlev Dietz. Er ist Bereichsvorstand bei der Commerzbank. Deshalb denke er sogar darüber nach, Kunden in Zukunft gegen Honorar zu beraten, statt wie bisher Vertriebsprovisionen zu kassieren. Doch das funktioniere eben nur mit hochqualifizierten Beratern. Dietz sagt einen neuen "Qualitätswettbewerb" zwischen den Banken vorher. Mit dem geplanten Honorarberatungsmodell orientieren sich einige Mitbewerber offenbar an der Quirin-Bank. Dieses Finanzinstitut bietet bereits seit längerem eine umfassende und qualifizierte Anlageberatung als gebührenpflichtige Dienstleistung an. Und hat sich damit offiziell von versteckten Gebühren und Provisionen distanziert, wie sie in den meisten Traditionshäusern nach wie vor üblich sind.


 Übersicht über die Weiterbildungsmöglichkeiten (JPG)
 
 Die herkömmlichen bankinternen Weiterbildungsangebote bereiten die Mitarbeiter auf die neuen Anforderungen allerdings bisher viel zu wenig vor, kritisieren Experten. Zwar bieten 86 Prozent der Kreditinstitute ihren Angestellten interne Schulungen und Seminare an, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Steria Mummert. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken leisten sich sogar eigene Akademien zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.
 
 Bei diesen internen Schulungen geht es indes weniger um Beratung, sondern vielmehr um Vertrieb. "Hier lernen die Berater, wie sie eine hohe Vertrags-Abschlussquote erzielen", sagt Niels Nauhauser. Er ist Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wer sich extern und unternehmensunabhängig weitergebildet hat, schreckt jedoch eher davor zurück, seinen Kunden Produkte zu verkaufen, die nicht zu deren Wünschen und Zielen passen."
 
 Wollen sich Banker also für die Anforderungen der neuen, transparenteren Finanzwelt rüsten, vertrauen sie deshalb immer seltener auf die Angebote ihres Arbeitgebers. "Wir beobachten, dass Bank-Mitarbeiter ihre Weiterbildung verstärkt selbst in die Hand nehmen und diese oft auch selbst bezahlen", sagt Markus Gerhard von der Frankfurt School of Finance & Management. Der Grund: Nur bei bankunabhängigen Weiterbildungsträgern könne sich die Teilnehmer darauf verlassen, auch die kundenorientierte Beratung zu erlernen.
 
 Und die werden Banker in Zukunft auch wegen der neuen gesetzlichen Vorschriften brauchen. "Banken müssen angesichts der neuen Regeln erheblichen Aufwand betreiben, um Schadensersatzklagen zu vermeiden", sagt Klaus-Georg Meyer, Bankenexperte der Unternehmensberatung Capgemini. Da gehöre es schon zum Basisschutz, ein größtmögliches Fachwissen der beschäftigten Berater nachweisen zu können.
 
 Bei Ausbildungen, die neben dem Beruf absolviert werden können, haben Bankmitarbeiter die Wahl zwischen mehreren Angeboten. Dazu zählen die Abschlüsse Masterconsultant in Finance (MFC), Fachwirt für Finanzberatung (FFW) oder Certified Financial Planner (CFP) (siehe Tabelle). "Unsere Teilnehmer wollen sich einen Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt verschaffen", sagt Arndt Stiegeler, Vorstand des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB), das den CFP-Titel verleiht.
 
 Dieser Weiterbildungs-Abschluss ist einer der populärsten der Finanzbranche. Der Prüfung geht ein Studium an der Frankfurt School of Finance & Management, oder an der European Business School (EBS) in Wiesbaden voraus.
 
 Der Studiengang richtet sich vor allem an Privatkundenberater von Banken, Sparkassen und Volksbanken. Er soll ihnen fundierte Kenntnisse über die Vermögensverwaltung vermitteln, damit die Berater ihren Kunden später ein exakt auf deren Bedürfnisse zugeschnittenes Investment anbieten können. Auf dem Lehrplan stehen deshalb neben Betriebs- und Volkswirtschaft vor allem Anlageprodukte, privates Finanzmanagement, aber auch Ethik-Fragen.
 
 Außerdem soll ein angehender Financial Planner seine Beratungs- und Kommunikationskompetenz üben und ausbauen. Diese so genannten Soft Skills haben in der aktuellen Krise zusätzlich an Bedeutung gewonnen. "Nur wer seiner Bank traut, stellt ihr auch Geld zur Verfügung", sagt Marcus Winterfeldt, Bankenexperte der Unternehmensberatung Steria Mummert. "Deshalb beschäftigt Banken die Frage sehr, wie Berater nachhaltig Vertrauen beim Kunden erzeugen können." Wer den CFP-Abschluss in der Tasche hat, soll über die Fähigkeit der Vertrauensbildung nachgewiesenermaßen verfügen.
 
 Doch bis zum Titel ist es ein weiter Weg. "Das Studium ist mit einigem Aufwand verbunden", sagt FPSB-Vorstand Stiegeler. So müssen die Lehrgangsteilnehmer ein Jahr lang mehr als 40 Stunden im Monat für den Unterricht opfern - in der Regel parallel zum Beruf. Bei einem Studium an der Frankfurt School können die Teilnehmer wählen, ob sie ihre Präsenzblöcke in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München, Stuttgart oder Trier belegen wollen.
 
 14 Samstage und 18 Wochentage müssen die Banker dafür einplanen, jeweils von 9 bis 18 Uhr. Die Kosten liegen zwischen 12.300 und 16.300 Euro - je nach Anbieter und Programm. Da geht neben dem Wochenende fürs Lernen und zur Prüfungsvorbereitung in der Regel auch der Jahresurlaub drauf.
 
 Sowohl der zeitliche als auch der finanzielle Aufwand lohne sich aber, verspricht Frankfurt-School-Programmmanager Gerhard: "In Banken gilt der CFP als herausragender Qualitätsnachweis für Privatkundenberater".
 
 Der planerische Ansatz der Ausbildung passe schließlich genau zu den Wünschen der Kunden und den neuen Vorgaben des Gesetzgebers: Ein Financial Planner stelle den Kunden in den Mittelpunkt der Betrachtung, nicht das Anlageprodukt. Außerdem seien die Absolventen verpflichtet, ethische Grundregeln bei der Beratung zu beachten, zum Beispiel auch Risiken zu betonen und die eigenen Interessen offenzulegen.
 
 So haben Absolventen nicht nur berechtigte Hoffnung auf einen sicheren Arbeitsplatz, sondern auch auf eine beschleunigte Karriere. Denn ein anerkannter Weiterbildungs-Abschluss wie der CFP qualifiziert Berater für eine Tätigkeit im gehobenen Privatkundengeschäft. Hier betreuen Banken vermögende Kunden mit einem besonderen Service. Bei dieser gut betuchten Klientel sind die einschlägigen Titel bereits bekannt. Und wer sie auf seiner Visitenkarte stehen hat, verschafft sich schon damit einen Vertrauensbonus und ein vorzügliches Entrée.

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