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Der Korruption auf der Spur

Quelle: Freeimages.com, justmarce

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Wirtschaftsprüfer suchen Forensiker, die Betrugsfällen nachspüren. Vor allem IT-Fachleute sind äußerst gefragt.

Regen, Regen und immer wieder Regen. Fast in jeder ihrer Mails tauschten sich die beiden Manager zweier Unternehmen über aktuelle Niederschlagsmengen in der Karibik aus. Ein seltsames Interesse – und Anlass für Norman Klerner, sehr genau hinzusehen. "Wenn sich in geschäftlichen Mails solche bizarren Themen häufen, schöpfen wir Verdacht und schlagen Alarm", sagt der Forensiker der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die im Jahr 2012 mit der Untersuchung der verdächtigen Vorgänge beauftragt worden war.

Klerner hatte ein gutes Gespür bewiesen: Anwälte verglichen die vermeintlichen Wetterdaten mit aktuellen Preislisten der Firmen und stellten Übereinstimmungen fest. Die Beschuldigten gaben später zu: Der karibische Regentalk war nichts als ein Code, der illegale Preisabsprachen der beteiligten Unternehmen verschleiern sollte. 

Klerner, Betriebswirt und Ex-Kompaniechef bei der Bundeswehr, ist einer von 200 Wirtschaftsforensikern im deutschsprachigen Raum bei EY. Die Berufsgruppe wächst: Fast alle  Prüfungsgesellschaften suchen nach Experten, die illegale Machenschaften aufklären können. Durch zunehmende IT-Attacken und die Internationalisierung von Geschäftsbeziehungen steigt das Risiko für Unternehmen, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden. 

"Die Forensik befindet sich im Wandel", sagt Alexander Geschonneck, Leiter der Forensik bei KPMG. Die wachsende Nachfrage bietet Chancen auch für Quereinsteiger mit unterschiedlichen Qualifikationen. So beschäftigt KPMG in Geschonnecks Team neben IT-Sicherheitsfachleuten auch Juristen, Betriebswirte und Kriminologen.

Einstiegsgehälter liegen jenseits der 40.000 Euro. Der Karrierepfad eines Forensikers in der Wirtschaftsprüfung ähnelt dem eines Unternehmensberaters, der in mehreren Schritten zum Partner aufsteigen kann. Beim Einstieg reiche zunächst oft eine einzige spezifische Qualifikation, sagt Geschonneck. Die Weiterbildung zum Forensiker nehme KPMG dann selbst in die Hand und lehrt zum Beispiel, wie man forensische Interviews führt und Betrugsmuster erkennt – etwa, wenn Bestechungsverdacht besteht.

"Dann gilt es zu erkennen, wo Geld ohne Leistung geflossen ist", sagt Geschonneck. Wichtig sei, die Zahlungsströme hartnäckig bis zum Ende der Kette zu verfolgen. Besonders gefragt sind IT-Experten, um Datenmanipulationen aufzudecken. "Immer mehr Delikte lassen sich mit IT verstecken, aber auch durch sie aufdecken. Jeder Forensiker muss daher heute mit IT umgehen können", erläutert Geschonneck.

Rund ein Viertel der Forensiker bei KPMG sei auf Computerkriminalität spezialisiert. Beste Aussichten auf eine entsprechende Karriere haben Absolventen eines Studiums der IT-Security. Gestandene Forensiker können fast sicher sein, dass sich ab und zu der Headhunter meldet. "Die Abwerbungsversuche aus der Industrie intensivieren sich", sagt Markus Brinkmann, Leiter der Forensik der Wirtschaftsprüfung BDO. Auch wegen verschärfter Compliance-Regeln wächst der Druck, gegen Wirtschaftskriminalität vorzugehen.

"Die Industrie nimmt unsere Leute mit Kusshand", sagt auch Geschonneck. Laut KPMG haben mittlerweile knapp drei Viertel der Unternehmen einen Ansprechpartner für Fragen zu wirtschaftskriminellen Handlungen eingesetzt. Ähnlich wie Unternehmensberater leben die Wirtschaftsdetektive oft aus dem Koffer. Mandate dauern oft zwischen drei Wochen und drei Monaten. Nicht selten verbringen Forensiker ganze Wochen beim Mandanten. Durchaus eine Herausforderung, weiß Brinkmann. An Abwechslung mangelt es dafür nicht. 

So kommen bei BDO derzeit viele Forensiker in China zum Einsatz, auch um Tochterfirmen europäischer Konzerne zu kontrollieren. Die Erfahrung: Im zentralistisch regierten Land hapert es noch mit der Durchsetzung von Vorschriften.

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