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Wirtschaftsprüfer im Wachstumsrausch

Mann Business Anzug Smartphone [Quelle: Unsplash.com, Kait Loggins]

Quelle: Unsplash.com, Kait Loggins

Digitalisierung und Internationalisierung beschleunigen das Auseinanderdriften des Marktes. Die Spitze im Markt eilt dem Rest immer schneller davon.

Die Zahlen wirken bescheiden – aber in ihnen steckt das Dynamit, das die Branche aufspaltet in Gewinner und Verlierer. "Wie viel Prozent Ihres Umsatzes werden Sie 2017 über den üblichen IT-Betrieb hinaus in Digitalisierung investieren?", hat die Beratung Lünendonk & Hossenfelder Deutschlands Wirtschaftsprüfer gefragt. Bei den 25 größten Gesellschaften sind es 2,6 und bei den zehn größten 2,9 Prozent. Bei den vier größten Branchenunternehmen – hier konnte die Zahl nicht ermittelt werden – wesentlich mehr. Martin Plendl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Deloitte, spricht wie seine Kollegen von KPMG oder PWC nur von Milliardenbeträgen, die diese Unternehmen global in die Digitalisierung investieren.

Die kleinen Marktteilnehmer erkennen durchaus die Bedeutung der Digitalisierung und auch die Auswirkungen auf ihr Geschäft. Aber sie können nicht annähernd die Summen investieren, welche die Branchenriesen in die Hand nehmen. Hinzu kommt, dass die Regulierung weiter zunimmt und sich immer mehr kleinere Wirtschaftsprüfer aus der Abschlussprüfung zumindest von Börsengesellschaften zurückziehen, weil sich die Investitionen in Weiterbildung und Qualitätsmanagement nicht rechnen, wenn man nur wenige Mandate betreut. Die Folge: Der Markt teilt sich immer stärker in ein Wachstumsfeld an der Spitze, in ein Verfolgerfeld – und einen großen Rest der Verlierer.

Den deutschen Markt für Wirtschaftsprüfer – dazu zählt Lünendonk alle Unternehmen, die mindestens 15 Prozent ihres Umsatzes mit reiner Wirtschaftsprüfung machen – schätzt Jörg Hossenfelder auf 13 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. Hossenfelder ist geschäftsführender Gesellschafter der Beratung Lünendonk & Hossenfelder und beobachtet den Prüfermarkt seit zwölf Jahren.

Die Branche ist damit im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent gewachsen. Die 25 größten Unternehmen wuchsen um mehr als 7 und die vier Marktführer sogar um 12 Prozent. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die führenden vier Unternehmen PWC, KPMG, EY (Ernst & Young) und Deloitte auch in den kommenden Jahren zweistellig und damit schneller als der Gesamtmarkt wachsen. Sie können ihre IT-technischen Vorteile ausspielen, gewinnen durch die Verbindung von Prüfung und Beratung und können mit der Beratung höhere Gewinne erwirtschaften, die wiederum die Basis für Investitionen und weiteres Wachstum sind.

Es werde ein Verfolgerfeld aus fünf bis zehn Unternehmen geben, die jeweils mehr als 100 Millionen Euro umsetzen, sind sich die Teilnehmer der Präsentation der neuesten Branchenrangliste durch Lünendonk sicher. Dieses Feld kann mangels Kapazitäten zwar keine Dax-Konzerne prüfen. Aber wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Trennung von Prüfung und Beratung bei dem gleichen Mandanten sieht Andrea Bruckner, Mitglied des Vorstandes von BDO, für die mittelgroßen Gesellschaften durchaus attraktive Chancen auf Beratungsaufträge auch dort, wo die großen vier prüfen, also vor allem bei Dax-Konzernen.

Dem Verfolgerfeld kommt auch zugute, was der Präsident der Wirtschaftsprüferkammer Gerhard Ziegler den Kamineffekt im Markt nennt. Er führt dazu, dass immer mehr Mandate von kleinen zu größeren Gesellschaften wandern. Viele mittelständische Unternehmen wollen keinen der großen Prüfungskonzerne, brauchen aber wegen ihres Geschäfts einen Prüfer, der auch international vertreten ist. Daher bauen auch die mittelgroßen Gesellschaften wie BDO oder Rödl und Mazars ihre globalen Kapazitäten stark aus.

Eines der wichtigsten Themen in der Wirtschaftsprüfung ist derzeit eindeutig die Digitalisierung. Das betrifft zum einen die interne Digitalisierung, die digitale Abbildung der eigenen Geschäftsprozesse bis hin zur Prüfung. Aber es betrifft auch die Beratung der Mandanten in Fragen der Digitalisierung. Für die Wirtschaftsprüfer eröffnet die Digitalisierung zusätzliche Umsätze in der IT-Beratung, im Bereich der digitalen Sicherheit (Cyber-Security) oder der allgemeinen Forensik (Schutz der Unternehmen vor kriminellen Angriffen). Allein Deloitte hat in Deutschland im vergangenen Jahr 800 zusätzliche Stellen geschaffen - mehr als ein Drittel davon wurden mit Menschen mit einer technischen Ausbildung besetzt, sagt Plendl. Die IT-Kompetenz trennt künftig die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, ist sich auch Christoph Regierer sicher, geschäftsführender Partner von Roever Broenner Susat Mazars. "Die Digitalisierung macht den Beruf des Wirtschaftsprüfers für junge Leute wieder interessanter", ist sich Martin Wambach sicher, geschäftsführender Partner von Rödl & Partner. Und alle Beobachter gehen davon aus, dass trotz aller Digitalisierung, in deren Rahmen Computer einfache Prüfungsaufgaben wie den Abgleich von Listen und Zahlen übernehmen, die Aufgaben des Prüfers nicht weniger werden. Der Prüfer muss stärker Risiken und Chancen von Geschäftsmodellen beurteilen können. Seine Kompetenz wird auch immer häufiger für die Beratung nachgefragt. "Multidisziplinarität bei gleichzeitiger Branchenspezialisierung und technischer Kompetenz ist immer mehr gefragt", beobachtet Plendl. Bei Beratungen in der Digitalisierung oder der Steuer gehe es immer auch um Rechtsfragen. Die Bereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung wachsen zusammen.

Wirtschaftsprüfer im Wachstumsrausch

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