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Wenn die Chefin stirbt, ist der Schock größer

Women-Matter-Studie McKinsey (Autor: peshkova, Quelle: Fotolia.com)

© peshkova - Fotolia.com

Sind Frauen erfolgreichere Chefs? Ja, sagen Wissenschaftler aus München und beweisen es auf makabere Art: Sie haben geprüft, ob weibliche Führungskräfte stärker vermisst werden, wenn sie plötzlich sterben.

Sind Frauen auf dem Chefsessel erfolgreicher als Männer? Eine neue Studie der TU München sagt: ja. Und schafft es zum ersten Mal, eine Kritik aus dem Weg zu räumen, die alle bisherigen Untersuchungen zu dem Thema ins Zwielicht gerückt haben: Waren es wirklich die Frauen, die das jeweilige Unternehmen erfolgreicher machten, oder waren es generell erfolgreichere Unternehmen, in denen es Frauen überhaupt erst an die Spitze schafften? Das alte Problem von der Henne und dem Ei – bislang konnte es noch keiner lösen.

Daniel Urban, der Autor des aktuellen Papiers, hat es zusammen mit seinem Kollegen Thomas Schmid von der University of Hongkong geschafft: "Mit einem relativ makaberen Forschungsdesign", wie er zugibt. Die beiden Wissenschaftler haben sich nämlich angesehen, wie es auf den Aktienkurs von Unternehmen wirkt, wenn eine weibliche Chefin im Amt verstirbt oder wegen schwerer Krankheit ausscheidet. Dann verglichen sie die Kursausschläge mit den Reaktionen auf Tod oder Krankheit eines männlichen Chefs. Siehe da: Die Anleger vermissten vor allem die plötzlich verstorbenen Frauen. Und das sogar noch mehr, wenn ihre Nachfolger auf dem Chefsessel Männer waren.

500.000 Unternehmen in 53 Ländern haben sich die Forscher angeschaut und konnten rund 3000 Todes- oder Krankheitsfälle von Vorstands- oder Aufsichtsratsmitgliedern analysieren. Das Fazit: "Frauen sind für die Unternehmen gut", folgert Studienautor Urban im Gespräch mit FAZ.NET. "Mit unserem Design konnten wir sicherstellen, dass das der Kausalzusammenhang ist – und nicht andersherum." Denn Todesfälle hätten in aller Regel nichts mit dem Unternehmen selbst und mit dessen Performanz zu tun, sondern seien Schocks von außen. "Es ist ja ziemlich unwahrscheinlich, dass sich ein Unternehmen einen Auftragskiller bestellt, weil es mit der Leistung von Chef oder Chefin unzufrieden ist", sagt Urban.

Sind weibliche Chefs fitter?

Dass Aktionäre weibliche Führungskräfte stärker vermissen, wenn sie versterben – das ist die eine Erkenntnis der Studie. Sie kam nicht völlig unerwartet; schon häufiger gab es in der Vergangenheit Arbeiten, die den Schluss nahelegten: Mehr weibliche Chefs – mehr Erfolg. Erst kürzlich veröffentlichten Forscher vom Peterson Institutes for International Economics in Washington ein Papier, das einen prägnanten Zusammenhang zwischen einem höheren Frauenanteil in der Chefetage und einem höheren Netto-Umsatz nahelegt. Auch McKinsey stellte schon im Jahr 2007 fest, dass eine signifikante Korrelation besteht zwischen einem höheren Frauenanteil in den Führungsteams und einem Anstieg in der Eigenkapitalrendite sowie der Ebit-Marge. Auch zwei Studien der Schweizer Bank Credit Suisse zeigten: Wer mindestens eine Frau im Vorstand hat, verzeichnet eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite.

Eine andere Frage ist aber: Woran liegt das eigentlich? Sind Frauen von Natur aus schlauer, trickreicher oder sonstwie fitter für die Unternehmensführung als Männer? Ziehen sie mit ihrem Einfühlungsvermögen ganze Scharen von Aktionären in ihren Bann? Urban und sein Kollege sagen: keineswegs! Stattdessen seien es die fittesten Frauen, die es vielerorts überhaupt bis an die Unternehmensspitze schafften. Stichwort gläserne Decke: In Ländern, in denen es Frauen besonders schwer hatten, auf eine Führungsposition zu kommen, waren die Kursausschläge bei ihrem plötzlichen Tod am größten. "Hier wirkt der harte Auswahlprozess", sagt Urban. "Die Frauen müssen deutlich bessere Leistungen zeigen als ihre männlichen Kollegen. Entsprechend groß ist die Wirkung, wenn sie ausfallen."

Die Quote hilft nicht

Urban und Schmid haben auch kontrolliert, dass nur das Geschlecht und keine andere mögliche Ursache für den von ihnen beobachteten Effekt verantwortlich war: Unternehmensgröße, Branche, Alter der Führungskraft oder die Größe ihres Netzwerks – all das wurde herausgerechnet. Und die Forscher haben Länder mit Frauenquote bewusst aus ihrem Datensatz ausgeschlossen. "Frühere Studien aus Norwegen haben gezeigt, dass die Quote dafür gesorgt hat, dass zwar viele Frauen auf Führungspositionen kamen, die Kursreaktion darauf aber negativ war", sagt Urban. "Die Quote hat dazu geführt, dass nicht immer die besten Führungskräfte ausgewählt wurden. Deshalb haben wir bewusst Quotenländer ausgeschlossen und geguckt, wie es sich mit Frauen verhält, die aus eigener Kraft nach oben gekommen sind."

Unternehmen sollten "die Auswahl ihrer Führungskräfte verbessern", folgert Urban aus seinen Ergebnissen – und nicht mehr darauf schauen, ob sie einen Mann oder eine Frau befördern, sondern streng nach der Qualifikation gehen. "Wenn die Unternehmen es schaffen, durch ihr Einstellungsverhalten einer von außen verordneten Frauenquote zuvorzukommen, können sie dadurch ihren Wert nur steigern", glaubt der Wissenschaftler.

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