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Wie der Bachelor ankommt

Hindernis (Quelle: freeimages.com, Autor: brainloc)

Quelle: freeimages.com, brainloc

Das Handelsblatt hat mehr als 40 Konzerne gefragt, wie viele der Absolventen sie einstellen.

Verwirrung aller Orten: Die Politik wertet den Bachelor als Regelabschluss, mit dem Hochschulabsolventen heute in den Beruf einsteigen sollten. Viele Professoren raten ihren Studenten allerdings davon ab, genau das zu tun, und empfehlen ein anschließendes Master-Studium. Die Wirtschaft wiederum wirbt zwar mit "Bachelor welcome", gleichzeitig hält sich der Verdacht, dass sie die Absolventen mit diesem in der Regel nach sechs oder acht Semestern vergebenen Abschluss verschmäht.

Das Handelsblatt hat die 30 im Leitindex Dax vertretenen Konzerne und weitere Großunternehmen gefragt, wie hoch der Anteil von Absolventen mit Bachelorabschluss unter ihren Neueinstellungen ist. Das Ergebnis: Fast alle betonen, für alle Abschlüsse offen zu sein – aber nur einige stellen in größerer Zahl Bachelor-Absolventen ein. Es gibt Firmen wie die Deutsche Bank oder Deutsche Post, bei denen jeder dritte eingestellte Hochschulabsolvent einen Bachelor hat – und auch welche, wie Lufthansa, Bosch oder Merck, bei denen der Anteil an die 40-Prozent-Marke reicht. Es gibt aber auch die KfW, die 2013 im Traineeprogramm keinen einzigen hatte.

Gerade bei Technologieunternehmen wie Infineon oder Lanxess pendelt der Anteil an Bachelors eher um die zehn Prozent. Kein Wunder, da selbst Deutschlands oberster Hochschulrektor Horst Hippler gesagt hat, ein Bachelor in Physik sei für ihn kein Physiker. Gerade im Maschinenbau oder der Informatik sei der Master die Regel, heißt es auch aus einer Firma. Bachelors hätten häufig Wirtschaft studiert und würden in kaufmännischen Bereichen einsteigen. Im Vergleich ungewöhnlich hoch ist der Anteil bei der Commerzbank mit fast 50 und der Deutschen Telekom mit fast 70 Prozent. "Wir haben mit den Bachelor-Absolventen der vergangenen Jahre sehr gute Erfahrungen gemacht", heißt es bei der Telekom. Allerdings sind die Zahlen schwer vergleichbar. "Es kann sein, dass der eine oder andere auch die im Unternehmen dual ausgebildeten Bachelor-Absolventen als Neueinstellung zählt", erklärt der Saarbrücker Personalprofessor Christian Scholz. Bei Commerzbank und Telekom ist das der Fall, bei Letzterer stellen die dual, also in abwechselnden Praxis- und Studienphasen ausgebildeten Absolventen mehr als die Hälfte der eingestellten Bachelors.

Insgesamt mehr als 40 Unternehmen hat das Handelsblatt um die Aufschlüsselung der Einstellungen von Hochschulabsolventen des Jahres 2013 gebeten. Rund 20 meldeten, das würde bei ihnen nicht aufgeschlüsselt. Ungewöhnlich, findet Scholz: "Wenn das so wäre, dann würde das nicht für die Professionalität der Personalabteilungen sprechen." Der Abschluss müsste im Kandidatenprofil erfasst sein. Die Frage ist nun: Akzeptieren die Firmen Bachelor-Absolventen seltener – oder bewerben sich weniger Hochschulabgänger mit einem solchen Abschluss? Es deutet vieles auf Zweites hin. In Umfragen sagen je nach Fach bis zu 90 Prozent der Studenten, dass sie direkt einen Master anschließen wollen. Das liegt auch an der Verunsicherung. Von vielen Professoren hören sie, dass nur ein Master ein echter Abschluss sei, und die Arbeitgeber senden unklare Signale.

"Bachelors sind sehr entmutigt", hat Christiane Konegen-Grenier vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) festgestellt. Nimmt man die Daten wie jene der Lufthansa aus dem Jahr 2013, müssten sie das gar nicht. 41,5 Prozent aller Bewerbungen von Absolventen kamen dort von Bachelors. Fast genauso hoch war auch ihr Anteil unter den Einstellungen. 2014 sieht es nach den bisherigen Zahlen etwas anders aus. Der Anteil der Bachelor-Bewerbungen war bis August genauso hoch wie im Vorjahr, von den Eingestellten hat aber nur jeder dritte diesen Abschluss. Das mag Zufall sein. Kritiker Scholz sieht ein grundsätzliches Problem: "Es gibt kein Berufsbild für Bachelor-Absolventen und es wird auch vermutlich keines geben."

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