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Gut ist gut genug!

Elternzeit, Work-Life-Balance, Mutterschutz [Quelle: unsplash.com, Autor: Valeria Zoncoll]

Quelle: unsplash.com, Valeria Zoncoll

Für berufstätige Mütter wie mich gibt es noch immer kaum Rollenmuster. Liegt es etwa an uns selbst?

Seit mein Sohn auf der Welt ist, bin ich auf der Suche. Ich suche keinen Babysitter oder Krippenplatz. Ich suche etwas für mich, ein Vorbild. Eine Kontaktanzeige habe ich schon formuliert: Frau zum Hochschauen, Bewundern, Nacheifern gesucht! Du bist Mutter, liebst deine Kinder und auch deinen Job, findest nebenbei Zeit für deinen Partner, deine Freunde und ab und zu sogar für dich selbst? Du gehst ausgeschlafen, gut gelaunt und voller Energie durchs Leben? Dann möchte ich dich kennenlernen und dich fragen: Wie machst du das?

2015, als mein Sohn geboren wurde, kamen in Deutschland 737.575 Kinder zur Welt, so viele wie in keinem der 15 Jahre zuvor. Die Mütter dieser Kinder lassen sich in drei Gruppen einteilen: Da sind die Businessmütter, die vier Wochen nach der Geburt wieder am Schreibtisch sitzen. Ihre Kinder ziehen andere groß: Live-in-Nannys, 24-Stunden-Kitas oder – bei besonders emanzipierten Paaren – der Hausmann. Dann gibt es die gut ausgebildeten Hausfrauen, die beim ersten Kind die Karriere sausen lassen. Sie nennen sich "Mütter in Vollzeit" und leben vom Vollzeitgehalt des Gatten.

Und schließlich gibt es die Mütter dazwischen, die an der Vereinbarkeit von Job und Familie regelmäßig scheitern. Zu dieser Gruppe gehöre ich. Ich habe einen Job, der mir viel bedeutet, und ein Kind, für das ich Zeit haben möchte. Ich will eine gute Reporterin sein und eine gute Mutter. Deshalb bin ich eine von Hunderttausenden Vereinbarkeitsmanagerinnen, deren chronischer Seelenzustand das schlechte Gewissen ist: Wir schleichen schuldbewusst aus dem Büro, um das Kind von der Krippe abzuholen, und denken, während wir im Kinderzimmer Legosteine stapeln, an die E-Mails, die sich in unserem Posteingang türmen.

Zu den Gewissensbissen kommt die Erschöpfung. Tagsüber flitzen wir vom Büro in die Kita und in den Supermarkt, abends schlafen wir im Stehen ein. Dann kommt die Nacht, und das Kind wacht fünfmal auf. Oder es fiebert, vorzugsweise dann, wenn am nächsten Tag eine Geschäftsreise ansteht. Die moderne Familie gleicht einer hochfragilen Steuerungseinheit: Fällt ein Hebel aus, stürzt das ganze System ab. Wer da keine Oma hat, die den Notbetrieb am Laufen hält, ist aufgeschmissen.

Mir ist klar, das sind Luxussorgen. Wie viel kräftezehrender muss die Zerreißprobe für Alleinerziehende sein? Wie viel größer das schlechte Gewissen von Eltern, die ihren Kindern aus Geldnot keinen Urlaub, keinen Sportverein, kein gutes Essen bieten können? Bei meiner Suche nach vorbildlichen Müttern denke ich vor allem an die der wohlhabenden Mittelschicht. Doch gerade deshalb frage ich mich, warum ausgerechnet sie, die so unabhängig und selbstbestimmt leben wie keine Müttergeneration zuvor, Job und Familie nicht besser auf die Reihe kriegen. Heute gibt es Vätermonate, Anspruch auf Kinderbetreuung und Elterngeld Plus. Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing und Betriebskindergärten. Trotzdem sind wir dauernd gestresst.

Man könnte jetzt die Schuld bei den Unternehmen suchen oder es auf die noch immer mangelhafte Betreuungslage schieben. Doch das Fremdverschulden ist bekannt. Ich möchte mich lieber fragen, was wir jungen Mütter selbst tun können, damit wir für die Frauen nach uns als Vorbilder taugen: Erstens, wir sollten zusammenhalten. Wir sind keine guten Netzwerker. Die naheliegende Idee, uns in – weiblichen – Interessengemeinschaften zusammenzutun, hat für viele etwas Anrüchiges. Männer untereinander sind da viel solidarischer. Wir Mütter aber bekämpfen uns oft und stigmatisieren einander. Wer zu Hause bleibt, wird als "Heimchen am Herd" nicht für voll genommen. Wer bald nach der Geburt wieder arbeitet, gilt als Rabenmutter. Die brutalsten Urteile fällen Mütter über andere Mütter, in deren Lebensmodell sie eine Bedrohung für das eigene sehen.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Welch unglaublich klischeebeladener Artikel. Warum spricht die Autorin immer von "wir", wenn sie doch eigentlich "ich" meint.

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