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Wenn der Kollege in Indien sitzt

Indien, Rad des Lebens, Hindu [Quelle: pexels.com, Autor: Navneet Shanu]

Quelle: pexels.com, Navneet Shanu

Virtuelle Teams arbeiten über moderne IT und Videotelefonie zusammen. Das eröffnet ganz neuen Möglichkeiten. Ganz ohne Probleme klappt das aber nicht immer.

Europaletten, angeordnet zu einer übergroßen Arena zum Sitzen, ein paar Schreibtische, ein Glaskasten sowie viele bunte Zettel mit Notizen oder launigen Sprüchen an der Wand: Auf den ersten Blick sieht es im ersten Stock eines Gebäudes aus der Gründerzeit am Rande der Stuttgarter Einkaufmeile Königstraße recht ungeordnet aus. Niemand kommt hier auf die Idee, dass auf 600 Quadratmeter Fläche Mitarbeiter des Technologiekonzerns Robert Bosch GmbH tätig sind. Es herrscht ein geordnetes Chaos.

Mitten im Getümmel ist Daniella Cunha Teichert zu finden. Die 44 Jahre alte Elektroingenieurin ist für eine Fortbildung in die baden-württembergische Landeshauptstadt gekommen. Die Entwicklerin sitzt normalerweise in Hildesheim und arbeitet von dort in einem Teilbereich für das automatisierte Fahren an der Vernetzung von Autos. Eine komplexe Aufgabe, die auch Umweltaspekte berücksichtigen soll. "Meine Kollegen für dieses Projekt sitzen in Nordamerika, China, Indien, Portugal und auch in Malaysia", sagt die Ingenieurin.

Verbesserte IT befördert Kooperation

Da alle Mitarbeiter auf der Welt verstreut sind, ist es natürlich unmöglich, sie an einem Ort zu bündeln und dort das entsprechende Steuergerät zu entwickeln. Virtuelle Zusammenarbeit heißt die Lösung. Von der Sache her nichts Neues. "Sie gewinnt jedoch mit verbesserter Technologie immer mehr an Bedeutung", ist Stephan Grabmeier von der Personal- und Managementberatung Kienbaum überzeugt. Deswegen änderten sich auch die Anforderungen an das Arbeitsumfeld. Schließlich werde die Leistung zunehmend unabhängig vom Einsatzort erbracht. "Das fördert, aber fordert auch eine entsprechende Infrastruktur für virtuelles Arbeiten. Die Entwicklung muss hin zu einem durchgängigen, cloudbasierten und geräteübergreifenden Arbeitsplatz gehen", sagt der Personalexperte.

Die digitale Kooperation von Beschäftigten ist heute in fast allen Großunternehmen und bei vielen Mittelständlern gängiger Arbeitsalltag. Selbst für kleine Start-ups sind sie längst Routine. Schon vor acht Jahren habe es bei Bosch die ersten Diskussionen gegeben, wie entsprechende Medien genutzt werden könnten, weiß Katharina Krenz zu berichten. Die 38 Jahre alte Managerin beschäftigt sich beim größten Autozulieferer der Welt mit dem Einsatz von sozialen Medien.

Arbeitsplattformen basieren auf IBM-Technik

Bei Bosch wurde über die Jahre hinweg die konzerneigene Arbeitsplattform Bosch-Connect entwickelt, die auf einer IBM-Technik aufbaut. Von den gegenwärtig mehr als 400.000 Bosch-Mitarbeitern auf der Welt haben etwa 320.000 Beschäftigte darauf Zugriff. Mit ihrer Hilfe lässt sich die interne Zusammenarbeit von den diversen Standorten des Konzerns aus organisieren. Für Elektroingenieurin Teichert bedeutet das, dass sie sich bei Bedarf auch die jeweils besten Spezialisten aus den unterschiedlichsten Bosch-Geschäftsbereichen für die Entwicklung des entsprechenden Steuergeräts zusammensuchen kann.

Das reicht von den Fachleuten, die sich mit der Künstlichen Intelligenz befassen und die in Renningen bei Stuttgart sitzen, bis hin zur geballten Expertise rund um die Sensor-Entwicklung, die in den Bosch-Standorten im baden-württembergischen Reutlingen konzentriert ist. Dabei werden dann die unterschiedlichsten Formen des Informationsaustausches genutzt: Videotelefonie, Blogs oder auch Wikis.

Letztere haben das Ziel, entsprechendes Wissen gemeinschaftlich zu sammeln und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. "Jeder hat sofort Zugriff auf die Information", beschreibt Teichert die Vorteile des Verfahrens. Es sei extrem wichtig, dass immer jeder auf dem gleichen Stand sei. Das sorgt gleichfalls für Transparenz bei entsprechenden Projekten.

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