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Schlüsselpersonen und andere Patienten

Dread-Disease-Versicherung, schlafen, Schlafmaske [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Nichts für Zartbesaitete: Wer den Vertrag einer Dread-Disease-Versicherung, auch 'Schwere-Krankheiten-Vorsorge' genannt, durchliest, erfährt erst, wie viele schwere Krankheiten ihm drohen. Bis zu 47 Erkrankungen, von Alzheimer bis Taubheit, können abgesichert werden. Ist das für einen Berufseinsteiger sinnvoller als eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV)? Wo liegen die Unterschiede?

Haftpflichtversicherungen gab es bereits um 1750 vor Christus, Risikoversicherungen für Händler vermutlich schon 3.000 Jahre davor. Gegen schwere Erkrankungen (englisch: Dread Diseases) kann man sich in Deutschland dagegen erst seit Anfang der 1990er Jahre versichern. Wie der Name schon andeutet, kommt die Idee dazu aus Großbritannien. So richtig durchgesetzt hat sie sich bis heute nicht - auch, weil viele den Unterschied zur BUV nicht kennen. 

Sinn und Inhalt der Dread-Disease-Versicherung

Der Hauptunterschied zur BUV liegt nicht zentral in dem, was versichert wird, sondern in der Art der Versicherungsleistung. Die BUV greift bei Berufsunfähigkeit, die aus einem Unfall oder einer schweren Erkrankung entsteht. Das heißt: Wenn ich aufgrund eines Herzinfarkts oder Multipler Sklerose nicht mehr in der Lage bin zu arbeiten, erhalte ich von der BUV eine monatliche Rente. Die Dread-Disease-Versicherung (DDV) zahlt auch - aber nur ein einziges Mal eine sehr hohe Summe. Dafür muss für diese Versicherungsleistung nicht nachgewiesen werden, dass man wirklich nicht mehr aktiv erwerbstätig sein kann. Es genügt, dass der Versicherungsfall eintritt, das heißt, dass eine der im Vertrag gelisteten Krankheiten (üblicherweise von zwei Ärzten) diagnostiziert wird. 

Gegen bis zu 47 Krankheiten versichert

Parkinson oder Krebs, HIV, bakterielle Meningitis oder Arthritis - 47 Krankheiten können derzeit maximal versichert werden. Allerdings ist der Rundumschutz entsprechend teuer und wird nur von sehr wenigen Versicherungsgesellschaften angeboten. Die unterschiedlichen Basispakete sind dagegen deutlich kleiner und umfassen, je nach Versicherer, nur ein halbes Dutzend Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt, Multiple Sklerose oder Nierenversagen und Eingriffe wie Bypass-Operationen. Stellt der Arzt nun eine Erkrankung fest, erhält der Versicherungsnehmer die Leistung: eine einmalige Zahlung üblicherweise in Höhe von 20.000 bis 200.000 Euro. Der Betrag hängt davon ab, wie hoch die monatliche Einzahlungsrate war. 

Schlüsselkräfte als Sonderfall

Diese einmalige Zahlung plus die Möglichkeit, sie für Dritte abzuschließen, macht die Dread-Disease auch für Unternehmen interessant. Schließlich hängt an der Leistungsfähigkeit ihrer Manager viel Geld. Fällt ein leitender Angestellter kurzfristig aus, muss Ersatz besorgt oder, wo das nicht möglich ist, der Verlust von Aufträgen oder gar eine Vertragsstrafe in Kauf genommen werden.
 
Besteht ein DDV-Vertrag, kann die Versicherungsleistung diese Verluste wenigstens teilweise abfedern. Wird der Vertrag vom Unternehmen für einen oder mehrere wichtige Leistungsträger abgeschlossen, nennt sich das Key-Person-Versicherung. Das Unternehmen zahlt dann die Beiträge und erhält im Versicherungsfall die vollen Leistungen.

Man muss keine "Key Person" sein

Aber auch für Privatleute kann die DDV im Krankheitsfall eine wichtige Unterstützung sein. Doch was ist sinnvoller beim Start ins Arbeitsleben: eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit oder eine gegen schwere Krankheiten? Die BUV zahlt monatlich. Wer dauerhaft nicht arbeiten kann, wird so mitunter vor dem Absturz in die Armut oder Verschuldung bewahrt. Nachzuweisen, dass man wirklich berufsunfähig ist, kann bei der BUV allerdings oft deutlich schwerer werden. Die bürokratischen Hürden sind höher, bei vielen Anbietern muss man alle sechs Monate erneut nachweisen, dass man nicht imstande ist, zu arbeiten. Und kaum eine Versicherungsleistung muss so oft eingeklagt werden wie die der BUV, weshalb auch davon abgeraten wird, die Rechtschutz- und Berufsunfähigkeitsversicherung bei derselben Gesellschaft abzuschließen.

Für die DDV dagegen heißt es schlicht: Herzinfarkt, Krebs, HIV - ja oder nein? Wenn die Antwort des Arztes "ja" lautet, wird gezahlt - ein Mal. Ob die leichter zu erhaltende Einmalzahlung oder die nicht ganz unkomplizierte Rente hilfreicher sind, hängt vom Einzelfall ab. Ideal wäre es, beide Versicherungen parallel zu haben. Aber welcher Berufseinsteiger kann sich das schon leisten?

Büroleiden und Berufsunfähigkeit

Grundsätzlich sind viele Probleme, die bei Büromenschen auftreten - Venen- oder Rückenleiden aufgrund der Stunden auf dem Bürostuhl, aber auch dauerhafte psychische Erkrankungen - durch die DDV nicht abgedeckt. Allerdings sind diese Leiden auch schwer nachzuweisen. Und wer so an seiner Arbeit hängt, dass er sich trotz Schmerzen zum Schreibtisch schleppt, bringt sich selbst um die BUV-Rente. 

Selbstständige profitieren von der DDV

Gerade Selbstständigen fällt es schwer, ihre Aufgaben wegen gesundheitlicher Probleme liegen zu lassen. Auf der anderen Seite haben sie es auch besonders schwer, wenn sie Geld von der BUV wollen. Die kann nämlich verlangen, dass der Selbstständige in seiner eigenen Firma einfach eine andere Stelle besetzt ("abstrakte Verweisung").
 
Du solltest also unbedingt darauf achten, dass der BUV-Anbieter keine Freikarte bekommt, um sich aus seinem Leistungsversprechen herausreden zu können. Der wichtigste Punkt ist hierbei der vertragsgemäße "Verzicht auf abstrakte Verweisung". Ansonsten kann der Versicherer nämlich jederzeit - ungeachtet der tatsächlichen Situation des Betroffenen - Leistungen verweigern.
 
Ein Beispiel: Jemand gründet ein kleines Coaching-Unternehmen, in dem er bald auch andere Trainer beschäftigt, aber weiterhin selbst Seminare gibt - schon, um seinen Namen präsenter zu machen. Wenn er nun aufgrund einer schweren Herzerkrankung nicht mehr reisen darf, wäre er üblicherweise berufsunfähig. In seinem eigenen Unternehmen kann er aber genauso gut in die Buchhaltung wechseln. Also ist er nicht berufsunfähig - die BUV zahlt nicht; die DDV schon, sofern die Erkrankung ein Versicherungsfall ist.

Kein Ersatz für die BUV

Obwohl es für alle Arbeitnehmer, ganz besonders aber für Selbstständige schwer ist, ihre Berufsunfähigkeit nachzuweisen, raten Versicherungsexperten von einer Entweder-oder-Entscheidung ab. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist in den Augen der meisten Berater unverzichtbar, die DDV eine lohnende Ergänzung, aber nur manchmal eine Alternative.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stellen keine Empfehlung dar. e-fellows.net übernimmt keine Gewähr und keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der hierin enthaltenen Informationen. Die in dem Artikel enthaltenen Informationen und Meinungen basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen.

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