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Das Ende ist nah

Rettungsring [Quelle: rgbstock.com, Autor: lusi]

Quelle: rgbstock.com, lusi

Kreditausfall, Umsatzkrise, Insolvenz. Wenn eine Firma kurz vor der Pleite steht, werden sie aktiv: Drei Menschen, die Unternehmen zu retten versuchen.

Aus ihrem Büro im zwölften Stock eines Bankenturms in Frankfurt am Main blickt Katrin Sauerbier auf die Einflugschneise des Flughafens. Hätte nicht ein Kunde in London kurzfristig abgesagt, würde sie jetzt selbst im Flugzeug sitzen. "Ich bin viel unterwegs", sagt sie. Doch nur selten freuen sich Menschen darüber, sie zu treffen. Mit ihrem Dauerlächeln und pastellfarbenen Kleid ist Katrin Sauerbier zwar ein bunter Fleck zwischen den grauen Anzügen ihrer Kollegen. Doch wenn sie einen Bankkunden besucht, hat er ein Problem.

Katrin Sauerbier arbeitet bei der Commerzbank, sie ist zuständig für "Intensive Care". Das klingt wie eine Bodylotion für sonnenverbrannte Haut -  und so ähnlich ist es auch. Sauerbier kümmert sich um Großkreditnehmer, bei denen es an allen Ecken brennt. Zu ihren Kunden gehören Konzerne und sogar ganze Staaten in Osteuropa und Asien, sagt sie. Gemein ist allen, dass sie einen Kredit aufgenommen haben - ihn aber nicht wie vereinbart an die Bank zurückzahlen können.

Wenn sich ein Unternehmen oder ein Staat verschuldet hat und seine Kredite und Zinsen nicht mehr bezahlen kann, droht die Pleite. Daran hat aber in der Regel niemand ein Interesse: die Geschäftsführer des Unternehmens nicht. Und auch nicht die Bank. Denn wenn ein Unternehmen pleitegeht, sieht die Bank einen Teil ihres Geldes vielleicht nie wieder. Deshalb schickt die Commerzbank Katrin Sauerbier, die eingreifen soll, kurz bevor es zu spät ist. Sie überlegt, was das Unternehmen machen muss, um zahlungsfähig zu bleiben, und schlägt Sparmaßnahmen vor.

"Wenn der Geschäftsführer auf uns zugeht, sind wir grundsätzlich kompromissbereit", sagt sie. Zahlt das Unternehmen einen Teil seiner Schulden sofort zurück, vergibt Sauerbier noch einen Kredit für die Sanierungsphase. Es ist dann ein bisschen wie mit der Schuldenkrise in Griechenland. Eigentlich will die Bank ihr Geld zurück - und fordert einen harten Sparkurs. Zugleich investiert sie neues Geld, um einen Bankrott zu verhindern.

Sauerbier darf keine Namen ihrer Kunden nennen, schildert aber einen aktuellen Fall: Im letzten Quartal waren die Geschäftszahlen des Unternehmens noch in Ordnung, dann ging es in wenigen Wochen bergab. Jetzt stehe die Firma kurz vor der Insolvenz. Der Unternehmer habe sich mit Investitionen in Osteuropa verschätzt, sagt Sauerbier. Sie habe sich mit anderen Beratern die Zahlen angeschaut und entschieden: Kleine Veränderungen helfen nicht. Gemeinsam wurde beschlossen, Standorte zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen.

"Prinzipiell haben wir alle das gleiche Ziel: den Erhalt des Unternehmens", sagt Sauerbier. Trotzdem könne es laut werden, wenn Kreditnehmer, Kreditgeber und Berater die Sanierungsmaßnahmen verhandelten. Als Berufseinsteigerin sei das nicht immer leicht gewesen. "Die meisten Unternehmer wissen selbst am besten, dass sie etwas ändern müssen", sagt sie diplomatisch.

Dabei wusste sie, worauf sie sich im Intensive Care Office einließ: Als Katrin Sauerbier im Jahr 2008 als Werkstudentin bei der Commerzbank anfing, brach gerade die Finanzkrise aus. Die Restaurierungsabteilungen in der Bank hatten viel zu tun. Sauerbier war mittendrin - und damals 25 Jahre alt.

Stress sei sie gewöhnt, sagt sie, auch wenn es um Millionensummen geht. "Ich denke mir immer: Das ist ein Projekt, und egal, wie groß das ist, ich schaffe das." Sie spricht viel von Vertrauen, von gegenseitigem Geben und Nehmen. Dann klingt sie gar nicht nach einer harten Bankerin, die immer dorthin geht, wo es wirtschaftlich gerade am meisten wehtut - sondern sehr pastellfarben. "Übersteht man eine Krise mit einem Kunden, dann rückt man näher zusammen", sagt Katrin Sauerbier. Und lächelt schon wieder.

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