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Sprungbrett Beratung

Wolkenkratzer, McKinsey, Beratung, Karriere, Einstiegsmöglichkeiten, Quelle: sxc.hu, Autor: drouu

Wolkenkratzer, McKinsey, Beratung, Karriere, Einstiegsmöglichkeiten, Quelle: sxc.hu, Autor: drouu

Der Einstieg bei McKinsey, Roland Berger und Co. ist nicht einfacher geworden, und auch in den ersten Jahren wird kräftig gesiebt. Wer diese Zeit übersteht, dem steht so manches Tor offen. Denn viele Karrieren, die in der Beratung beginnen, führen in die oberen Etagen der Wirtschaft, einige sogar bis an die Spitze.

 

"Sehr viel Praxis in sehr kurzer Zeit auf sehr hohem Niveau" – das ist es, was Einsteiger bei einer Unternehmensberatung erwartet. Das führe häufig dazu, dass Berater nach einem Projekt vom Kunden abgeworben würden – "ein Kompliment für die eigene Talentmaschine", sagt Armin Schmiedeberg, Partner bei Bain & Co. Oder sie wechseln von sich aus in eine andere Branche. "In vielen Fällen wird die Beratung als Sprungbrett für eine Industriekarriere genutzt", bestätigt auch Anja-Isabel Dotzenrath, Partnerin bei der Beratung Booz & Co.

Das ist auch so gewollt. Die fünf Strategieberatungen McKinsey & Co., Roland Berger Strategy Consultants, The Boston Consulting Group (BCG), Booz und Bain gehören zu den bekanntesten und umsatzstärksten Beratungen. Laut Lünendonk, einem Dienstleister für Branchenanalysen, führt McKinsey das Ranking der Topstrategen mit einem Umsatz von 645 Mio. Euro (2008) an. "Jeder im Markt setzt sich also in irgendeiner Form – nacheifernd oder bewusst abgrenzend – mit McKinsey auseinander", sagt Thomas Lünendonk. Mit großem Abstand folgt Roland Berger im Ranking auf Platz zwei, dicht gefolgt von BCG. Booz sichert sich mit 262 Mio. Euro Platz vier. Bain schafft es zwar nur auf Platz sieben, hat den deutschen Markt aber auch erst spät entdeckt und wächst seitdem schnell.

Viele Karrieren, die in der Beratung beginnen, führen in die oberen Etagen der Wirtschaft, einige sogar bis an die Spitze: Von allen Dax-30-Vorständen in Deutschland waren neun zuvor bei McKinsey. Von Roland Berger, BCG und Bain hat das jeweils ein ehemaliger Mitarbeiter geschafft. Nahezu alle Ex-Berater bestätigen, dass sie in ihrem späteren Berufsleben von der Arbeitsweise profitieren, die ihnen damals eingetrichtert wurde: wesentliche Fakten schnell erkennen, Strategien bilden, testen und schließlich umsetzen. Der Großteil bleibt jedoch nur etwa drei bis fünf Jahre dabei.

Neben denen, die freiwillig gehen, fallen andere dem "Up or out"-Prinzip zum Opfer. Das schlichte Motto: Wer das Entwicklungspotenzial zum Partner nicht hat, muss das Unternehmen verlassen. Das bekam auch Nina Weber*, 30, die zwei Jahre bei einem der Topstrategen arbeitete, zu spüren. Sie konnte sich nicht so gut verkaufen wie die Kollegen. Irgendwann sagt ihr Mentor: "Wir sehen kein Entwicklungspotenzial bei dir." Sie musste gehen.

Die Fluktuation zwischen zehn und 15 Prozent in den ersten Berufsjahren ist geplant. Die Zeit reicht den Mentoren, um zu sehen, wer das Zeug für die Beratung hat. Und das Zauberwort, um das herauszufinden, heißt "Feedback". Das bekommen Einsteiger in der Beratung so schnell und umfassend wie in keiner anderen Branche. Nach jedem Projekt wird die Leistung aller Mitarbeiter bewertet. Einmal im Jahr bilden diese Gespräche die Grundlage einer gesamten Bewertung. Michael Nippa, Wirtschaftsprofessor an der TU Freiberg: "Da wird jedes halbe Jahr geschüttelt und geguckt, ob jemand unten rausfällt."

Aufgrund der hohen Fluktuation muss der Nachwuchs trotz Krise weiter rekrutiert werden. "Die großen Beratungen gehen davon aus, dass der Abschwung nicht von Dauer ist, und können es sich nicht leisten, gute Kandidaten vor den Kopf zu stoßen", sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Es ist ein Spagat, den die Firmen versuchen.

Der Plan: die bisherige Personalpolitik weitgehend unangetastet lassen, bis die Krise vorbei ist. Auf der anderen Seite müssen auch die Beratungen bei reduzierten Budgets sparen. Das sei aber "kein Politikum, auch in der Krise nicht", meint Experte Fink.

Ein Politikum ist allerdings die Frauenfrage: Alle fünf Beratungen stellen 20 bis 30 Prozent Frauen ein. Aber mit jeder Hierarchiestufe schrumpft der Anteil. In der obersten Höhenlage, auf Partnerebene, sind es im Schnitt nur noch zehn Prozent. Diese Zahlen sind "in der Tat noch ausbaufähig", sagt Thomas Fritz, Recruiting-Director bei McKinsey: "Aber wir arbeiten daran."

Frauen haben es in der Männerdomäne nicht leicht. "Die Beratung ist teilweise leider immer noch ein Alphatierchen-Business mit Statussymbolen, Ritualen und Verhaltensmustern, die modernen, jungen Frauen fremd sind", sagt Thomas Lünendonk. Um mehr Frauen für sich zu gewinnen, werden zum Beispiel spezielle Recruiting-Workshops angeboten. Den erwarteten Durchbruch haben diese Initiativen laut Professor Ansgar Richter, Professor an der European Business School (EBS), allerdings nicht gebracht. "Das ist verständlich: Die Beratung verlangt enorm viel Flexibilität und ist für Frauen, die sich eine Familie wünschen, nach wie vor wenig attraktiv", sagt er. Viele Frauen steigen aus, wenn das erste Kind unterwegs ist.

Denn die Berater leben in einer eigenen Welt, sind unter der Woche meistens unterwegs. "Wenn man von früh bis spät in einem Raum zusammenarbeitet, kann das Menschen zu Höchstleistungen animieren, aber auch stark unter Druck setzen", sagt Richter. Beraterexperte Professor Dietmar Fink bringt es auf den Punkt: "Viele stellen nach einiger Zeit fest, dass sie sich den Job anders vorgestellt haben. Manche überschätzen sich einfach."

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