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"Ich achte wenig auf politische Moden"

Consulting Berater Beratung Diskussion [Quelle: Unsplash.com, Nik MacMillan]

Quelle: Unsplash.com, Nik MacMillan

Seit Donald Trump an der Macht ist, herrscht eine Zeit der Deregulierung in den USA. Der McKinsey-Chef erklärt, was das für Unternehmen bedeutet, warum er nicht jede Twitter-Nachricht des US-Präsidenten liest – und den Begriff "Berater" nicht mag.

Wenn US-Präsident Donald Trump in der Stadt ist, gibt es kein Durchkommen in New York. Auch nicht für Dominic Barton, Chef der Unternehmensberatung McKinsey. Die gesamte Madison Avenue, eine der teuersten Einkaufsstraßen der Metropole, ist für Autos und Fußgänger abgesperrt. Zum Glück kennt Barton die Stadt und nimmt den Weg übers U-Bahn-System in das Büro auf der 55. Straße.

Herr Barton, wie ist die Stimmung bei US-Unternehmen?

Sie ist recht positiv, trotz der geopolitischen Umstände. Die Konsumenten kaufen freudig ein, die Unternehmen investieren, die Banken vergeben wieder Kredite.

Wachstum, Börsenrekord – Präsident Donald Trump nimmt das für sich in Anspruch.

Da ist auch etwas Wahres dran. Es herrscht eine Atmosphäre der Deregulierung. Die Regierung signalisiert den Unternehmen: Wenn ihr etwas anpacken wollt, dann lassen wir euch machen. Diese Stimmung wirkt belebend, selbst wenn Trump konkret wenige Reformen auf den Weg bringt.

In der Tat fehlt ihm bislang die politische Schlagkraft. Nehmen wir die Reform der Unternehmensteuern: Trump will sie von derzeit 35 auf 15 Prozent senken. Welche Chance hat das noch?

Das ist kompliziert. Manche Experten sagen: Niemals im Leben geht die Steuerrate unter 25 Prozent, weil das nicht finanziert werden kann. Es gibt in der Republikanischen Partei einige, die sich nicht auf eine zusätzliche Verschuldung einlassen werden.

Trump will auch ein gigantisches Infrastrukturprogramm umsetzen.

Das brauchen die USA dringend. Ich fahre hier auf den Straßen, nutze die Züge – der Aufholbedarf ist enorm. Es steht viel Kapital bereit für Investitionen. Private Unternehmen können das in Partnerschaften mit der öffentlichen Hand angehen. Da besteht ein großes Potenzial. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Nutzer der Infrastruktur Gebühren zahlen. Das ist ein politisch heikler Punkt. Trotzdem hat die Idee Unterstützer in der Regierung.

Trumps Tochter Ivanka zitierte die Einsichten von McKinsey bereits auf Twitter. Aber es gibt ein Problem: Ihr Vater hört nicht so sehr auf Ratschläge.

Das kann ich im Detail nicht beurteilen. Ich glaube, er hört schon zu, ist aber manchmal sehr temperamentvoll.

Nach den Demonstrationen in Charlottesville sind viele CEOs aus dem Beraterstab von Trump zurückgetreten. Hätten Sie das auch getan?

Ich war kein Mitglied des Beraterstabs. Ich bin schon früh wegen meiner offenen Haltung zur Immigrationspolitik ins Kreuzfeuer geraten. Als Trump zum ersten Mal versuchte, das Einreiseverbot einzuführen, habe ich in einer Mail an unsere Mitarbeiter Stellung bezogen. Wir sind bei McKinsey auf den Zugang der besten Talente angewiesen und haben eine offene Kultur. Die Mail wurde ausführlich in den Zeitungen zitiert – danach gab es einige Anrufe. Aber ich musste es sagen. Der Ökonom Peter Drucker hat es einst so formuliert: "Die größte Sünde ist die Gleichgültigkeit." Ich will nicht vorgeben, dass ich irgendwelchen Einfluss habe. Aber ich muss sagen, was ich für richtig halte.

Immerhin operiert McKinsey global.

Drei Monate nach dem Vorfall haben wir hier bei McKinsey zum Opferfest muslimische Kultur zelebriert. Wir haben muslimische Kollegen von McKinsey aus der ganzen Welt nach New York eingeladen und mit ihnen gefeiert. Dabei haben wir über den Umgang mit Vorurteilen gesprochen. Solche Dinge sind wichtig, und wir werden sie weiter tun.

Als erfahrener Berater: Was würden Sie einem Vorstandschef vor einem Gespräch mit Trump empfehlen?

Wie bei jedem Gespräch mit Politikern: Was ist das Wichtigste für mein Unternehmen, das ich langfristig beschützen will? Freie Märkte, Zugang zu Talenten, keine kurzfristigen Eingriffe? Da wäre ich standhaft. Grundsätzlich würde ich wenig auf politische Moden achten. Ich kann als Unternehmer nicht eine grundlegende strategische Entscheidung davon abhängig machen, wie der Präsident auf Twitter reagieren wird. Zugegeben, dafür braucht man eine dicke Haut.

Zu Trumps Wahlkampfthemen gehörte auch der Protektionismus.

Wir brauchen den Welthandel. Ein Handelskrieg wäre schlimm, das schadet allen. Die Politik muss verstehen, wie verwoben die Märkte und die Lieferketten heute sind. Sie können nicht einfach einen Teil abschneiden. Dann kann alles zusammenbrechen.

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