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Anwaltshonorare steigen

Kanzleien, Stundensätze, Geld, Euro Dollar [Quelle: sxc.hu, Autor: lasop]

Kanzleien, Stundensätze, Geld, Euro Dollar [Quelle: sxc.hu, Autor: lasop]

Kanzleien erwarten schwache Geschäfte. Auf die Stundensätze schlägt die Krise aber kaum durch.

 JÖRG LICHTER CLAUDIA TÖDTMANN | DÜSSELDORF Der langjährige Boom der erfolgsverwöhnten deutschen Wirtschaftskanzleien endet. Jede zweite erwartet in diesem Jahr stagnierende bis rückläufige Umsätze. 62 Prozent der Top-Anwälte rechnen zudem mit keiner weiteren Gewinnsteigerung. Dies zeigt die diesjährige Handelsblatt-Umfrage unter den Top-50-Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Das Ergebnis markiert eine klare Trendwende: In den Umfragen der vorigen Jahre sahen fast alle Kanzleien die Bäume in den Himmel wachsen und erwarteten ungebremste Umsatz- und Gewinnzuwächse.
 
 Von den 50 befragten Kanzleien haben 40 dem Handelsblatt zur Lage und zu den Veränderungen auf dem Markt Rede und Antwort gestanden. Die Basis der Befragten bildete das Ranking aus dem Juve-Handbuch Wirtschaftskanzleien 2008/09.

 Erstaunlicherweise hat die Wirtschaftslage bislang aber nicht auf die Stundensätze der Anwälte durchgeschlagen. Erstmals haben die Stundenhonorare für die Partner die 400-Euro-Hürde genommen: Im Durchschnitt berechnen Partner 428 Euro und angestellte Anwälte 288 Euro. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren verlangten sie erst 384 Euro für Partner und 256 Euro für Associates. In der Spitze fordert laut Handelsblatt-Umfrage eine amerikanische Kanzlei 750 Euro pro Stunde, gefolgt von einer anderen angelsächsischen Kanzlei mit 715 Euro und einer deutschen mit 700 Euro.
 
 Doch können die Kanzleien das Geld längst nicht mehr so leicht verdienen wie in früheren Jahren: Fast jede zweite Sozietät wird von ihren Mandanten nach Rabatten oder anderen Möglichkeiten zum Drücken der Preise gefragt (46 Prozent). Mehr als jede zweite dieser Kanzleien akzeptiert dieses Ansinnen.
 
 So berichtet ein Anwalt, der ungenannt bleiben will: "Momentan ruft jeder Mandant eine Woche nach Erhalt der Rechnung an und drückt uns im Preis." Justiziare in Unternehmen fordern von den Anwälten offen Abstriche bei der Entlohnung. Motto: "Unsere Firma hat Umsatzeinbrüche, also müssen Sie als unsere Kanzlei mit ins Boot."
 
 Christian Rödl, geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner, beobachtet ebenfalls diesen Trend: "Die Versuche, Honorar nachzuverhandeln, nehmen deutlich zu. Und das nicht nur wegen des hohen Kostendrucks, sondern auch wegen der Qualifizierung der Unternehmensjuristen. Denn die kennen oft die Honorarstruktur, weil sie zuvor selbst als Anwälte arbeiteten."
 
 Insgesamt scheint die Bedeutung der Rechtsabteilungen in Unternehmen in Deutschland zuzunehmen - in den Vereinigten Staaten ist diese traditionell sehr viel höher. "Rechtsabteilungen treten heute gegenüber Beratern deutlich selbstbewusster auf", erläutert Rödl. "Die wachsende Qualität der Unternehmensjuristen schlägt auch auf das Beratungsverhältnis durch. Heute werden viel mehr Themen von den Firmenjuristen selbst gelöst."
 
 Mehr noch: Unternehmensjuristen agieren heute meist als Filter für die Geschäftsleitung und vergeben selbstständig Aufträge an Berater, beobachtet Rödl. Anders als früher, als die Top-Wirtschaftsanwälte gerne damit kokettierten, dass sie auf Augenhöhe mit den Vorständen und damit quasi ihre rechte Hand seien.
 
 Überraschend ist zudem, dass 70 Prozent der Kanzleien inzwischen Erfolgshonorare akzeptieren, wie die Handelsblatt-Umfrage ergab. Vor vier Jahren tat dies nicht einmal jede dritte. Das zeigt, dass Mandanten immer anspruchsvoller werden und nachhaltigen Erfolg von dem Engagement der Kanzleien verlangen.
 
 Wegen der schwachen Wirtschaftslage passen Kanzleien ihre Personalpolitik an. Nur noch 13 Prozent wollen mehr Juristen einstellen - vor zwei Jahren waren das noch 77 Prozent. Ein Viertel will Neueinstellungen zurückfahren. Das wollte bei den vergangenen Umfragen kein einziger Befragter.
 
 Auf Ebene der Partner scheint das allerdings nicht zu gelten. Mussten in den USA im Zuge der Krise etliche Partner weichen, so hält man in Deutschland an ihnen fest. Nur fünf Prozent der Kanzleien haben im vorigen Jahr Partner aus ökonomischen Gründen verabschiedet. Im Gegenteil: Bei 80 Prozent der Sozietäten hat sich die Partnerzahl erhöht.
 
 Besonders willkommen sind den Kanzleien inzwischen Insolvenzrechtler. Jede vierte Top-Kanzlei will diesen Bereich ausbauen. Aufstocken wollen manche auch die Zahl ihrer Partnerinnen und bemühen sich, ihren Ruf als frauenfreie Zonen zu verbessern: Mehr als die Hälfte der Top-50-Sozietäten hat mittlerweile einen Partnerinnen-Anteil von mindestens zehn Prozent. Nur eine einzige kommt auf über 20 Prozent Frauen in der oberen Ebene der Kanzlei-Hierarchie, die ohnehin nur zwei Stufen hat.
 
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