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Krise erwischt Elite-Unis

Stanford, Elite, Yale, Harvard, Finanznot, Quelle: sxc.hu, Autor: nyee

Stanford, Elite, Yale, Harvard, Finanznot, Quelle: sxc.hu, Autor: nyee

Die Stiftungen der Kaderschmieden Yale, Stanford und Harvard kämpfen mit Finanznöten.

 Die amerikanischen Eliteuniversitäten richten sich auf magere Jahre ein. Im Zuge der Finanzkrise haben ihre Stiftungen von Harvard, Yale und anderen Spitzen-Universitäten die herbsten Investmentverluste seit 1974 erlitten. Sie können daher nur geringe Zuwendungen ausschütten.
 
 Universitäten wie Harvard leiden zudem darunter, dass ihre Stiftungen vor der Krise verstärkt in Beteiligungsgesellschaften, Immobilien und Rohstoffe investiert haben. Diese Anlagen haben in der Finanzkrise nicht nur massiv an Wert verloren; sie sind auch deutlich weniger liquide als Investments am Aktien- oder Anleihemarkt. Dies führte zu der paradoxen Situation, dass einige der reichsten Hochschulen Amerikas Anleihen begeben mussten, um ihren Bedarf an liquiden Mitteln zu decken. Durch eine Anleihe über 2,5 Mrd. Dollar (1,8 Mrd. Euro) kommen auf die Harvard-Universität in den nächsten 30 Jahren Zinskosten von bis zu 550 Mill. Dollar zu.
 
 Im zweiten Halbjahr 2008 haben die Stiftungen der US-Universitäten durchschnittlich 24 Prozent ihres Anlagekapitals eingebüßt, wie Zahlen des Commonfund Institute in Wilton, Connecticut zeigen. Im Fiskaljahr bis Ende Juni dürfte es die stärksten Verluste seit 35 Jahren gegeben haben, schätzt das Institut.
 
 Die Universität Stanford im kalifornischen Palo Alto rechnet damit, dass ihr Stiftungsfonds mehr als 15 Jahre braucht, um wieder zu seinem Anlagekapital-Rekord des vergangenen Jahres zurückzufinden. Im August 2008 besaß die Stanford-Stiftung Investments im Wert von 17,2 Mrd. Dollar. Die Universitäten Yale und Princeton erwarten im Haushaltsjahr ab Juli keine Erholung ihrer Stiftungsfonds.
 
 Auf die Finanznöte zu reagieren fällt den Eliteunis schwer, da sie untereinander in harter Konkurrenz stehen. Im Ringen um die besten Studenten haben sie ihre Studiengebühren jahrelang nur behutsam angehoben und die finanziellen Hilfen für Studenten ausgebaut. Vor der Finanzkrise fiel dies leicht: Seit dem Platzen der Internet-Blase hat sich die Kapitalausstattung der Eliteunis sieben Jahre lang immer weiter verbessert, da die Stiftungen kräftige Anlagegewinne erzielten. Nun dürften Stellenstreichungen und der Verzicht auf Gehaltserhöhungen ebenso unumgänglich werden wie Einschnitte bei Laborprojekten oder den Wohnheimen. Auch an den Spitzenhochschulen Amerikas dürften die Hörsäle voller werden. "Wir können nicht die Augen vor dem Umstand verschließen, dass die Universitäten jetzt arm sind", sagt Robert Merton, Ökonomie-Nobelpreisträger an der Harvard Business School: "Wenn sie arm sind, dann werden sie sich wandeln müssen."
 
 Der Finanzchef der Universität Notre Dame in South Bend, Indiana, sieht die Hochschulen vor einer schweren Wahl. "Sie müssen entscheiden, was beibehalten werden kann und wo es neue Prioritäten braucht", sagt Scott Malpass. "Sie werden bei der Forschung oder finanziellen Hilfen nicht sparen wollen. Aber es wird herbe Einschnitte geben müssen, denn die Einnahmen werden wegen der Marktentwicklung unter Druck bleiben."
 
 Yale hat in Reaktion auf die Finanzflaute Bauvorhaben im Volumen von zwei Mrd. Dollar verschoben. Die zweitreichste Universität der USA trennte sich von 600 Mitarbeitern. Der Stiftungsfonds von Yale verlor im Hauhaltsjahr bis Ende Juni 25 Prozent seines Anlagekapitals. Der Stiftungsfonds von Harvard hat im vergangenen Jahr 30 Prozent seines angelegten Kapitals verloren.
 
 Mit einem Anlagevermögen von 25,8 Mrd. Dollar ist Harvard immer noch die reichste Uni. Aber auch Harvard hat Stellen abgebaut. Sportprogramme wurden zusammengestrichen, der Zeitplan für den Bau eines Wissenschaftszentrums nahe Boston ausgedehnt. "Harvard muss sich wandeln und umorientieren", sagte Präsidentin Drew Faust im Mai. "Wir werden künftig eher eine 24-Mrd.-Dollar-Universität sein, als eine mit 36 Mrd. Dollar." (Bloomberg)

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