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Die Königsdisziplin des Bankings lockt die Besten

Wall Street (Quelle: freeimages.com, Autor: linder6580)

Quelle: freeimages.com, linder6580

Finanzkrise hin oder her: Zwei Drittel der besten Studenten der Wirtschaftswissenschaften interessieren sich nach wie vor für eine Karriere im Investment Banking. Das zeigt eine Studie des Berliner trendence-Instituts unter 2.776 Stipendiaten von e-fellows.net. Beliebtester Arbeitgeber ist die Deutsche Bank, der Primus Goldman Sachs lässt Federn.

 

Lehman Brothers, Finanzkrise, ein überdimensionierter irischer Bankensektor. Bafin, Sofin, Rettungsschirm. Politiker regulieren die Banken und betreiben Banker-Bashing für die Wähler – die Bad Bank wird zum Unwort der Krise. Ganz ehrlich, wer will da noch Investmentbanker werden?

Die Königsdisziplin des Bankings fasziniert

Die Antwort: Mehr als zwei Drittel der besten angehenden Wirtschaftswissenschaftler, allesamt e-fellows.net-Stipendiaten (beste zehn Prozent des Jahrgangs), die das Berliner trendence-Institut in Zusammenarbeit mit e-fellows.net nach ihren Einstellungen zum Investment Banking befragt hat. 45 Prozent der Befragten halten die Arbeit in einer Investmentbank für grundsätzlich, 24 Prozent sogar für sehr interessant. Damit übt die Königsdisziplin des Bankings eine fast ungebrochene Faszination aus: Der Anteil derer, die sich nicht für die Branche interessieren, wuchs gegenüber der letzten Studie im Jahr 2008 lediglich von 27 Prozent auf 31 Prozent.

Immer mehr Bachelors

2.776 Studenten der Wirtschaftswissenschaften beteiligten sich im April und Mai 2010 online an der Studie mit dem Titel "Investment Banking Career 2010", davon gut ein Drittel Frauen. Bologna beeinflusst deutlich die Verteilung der angestrebten Studienabschlüsse: Anders als vor zwei Jahren dominieren jetzt die Bachelor- (58 Prozent) und Master-Studenten (17 Prozent) gegenüber ihren Kommilitonen in Diplomstudiengängen (nur noch 17 Prozent gegenüber 46 Prozent im Jahr 2008). Doktoranden stellen 8 Prozent der Befragten. Häufig vertretene Studienschwerpunkte sind Finanzierung/Investition (21 Prozent), Controlling/Rechnungswesen (19 Prozent) und Internationales Management (18 Prozent), gefolgt von Marketing, Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaften und International Business.

Studienschwerpunkt und Geschlecht beeinflussen

Was zu erwarten war: Vor allem Studenten mit den Schwerpunkten Finanzierung/Investition, Finanzwissenschaften und Bankbetriebslehre reizt die Branche, Marketing- oder Logistikexperten zeigen hingegen deutlich weniger Begeisterung. Klare Unterschiede bestehen auch zwischen den Geschlechtern: Zwar ist der Anteil der grundsätzlich interessierten Frauen mit 43 Prozent ähnlich groß wie bei den Männern (46 Prozent); als sehr interessant beurteilen aber nur 12 Prozent der weiblichen Befragten eine Karriere in einer Investmentbank. Ihnen stehen 30 Prozent der Männer gegenüber. Kein Interesse bekunden dagegen 45 Prozent der Frauen, aber nur 24 Prozent der Männer.

Karrieremöglichkeiten und Gehalt locken

Was macht den Reiz der Branche aus? Zum einen die Verdienstmöglichkeiten, die aus Sicht der Studenten gegenüber 2008 zwar etwas an Bedeutung verloren haben, aber immer noch von 63 Prozent der Befragten genannt werden und damit vor allen anderen Kriterien landen. Interessanterweise spielen finanzielle Anreize eine bedeutend größere Rolle für die Männer (67 Prozent gegenüber 47 Prozent bei ihren Kommilitoninnen). Frauen lockt die Branche eher mit guten Karrieremöglichkeiten und interessanten Arbeitsinhalten, vor allem aber mit der Internationalität der Arbeit, die deutlich mehr weibliche als männliche Befragte (64 Prozent gegenüber 56 Prozent) als Pluspunkt angeben. Nebenbei bemerkt lockt die Aussicht auf Bonuszahlungen die Studenten viel weniger als noch 2008 – eine Folge der Krise?

Trockene Materie und Stress schrecken ab

Und was schreckt die Desinteressierten ab? Vor allem die Arbeitsinhalte (58 Prozent), aber nach wie vor auch eine unausgewogene Work-Life-Balance (44 Prozent), obwohl die Branche ihr Image in diesem Punkt seit 2008 (damals von 51 Prozent der Befragten genannt) offenbar verbessert hat. Gleichzeitig halten 42 Prozent der Studenten die Produkte und Dienstleistungen von Investmentbanken für uninteressant – deutlich mehr als vor zwei Jahren (34 Prozent). Als negativ empfinden sie darüber hinaus den ungesund kompetitiven Charakter der Arbeit (32 Prozent), die mangelnde Kollegialität (25 Prozent), die Arbeitsintensität (16 Prozent). Die Unsicherheit der Anstellung stört nur jeden Zwanzigsten.

Deutsche Bank gewinnt, Goldman Sachs verliert

Josef Ackermann, Reizfigur und Sündenbock? Für viele Deutsche bestimmt, doch die Studenten ficht das bei der Wahl ihrer (bis zu drei) Top-Arbeitgeber nicht an: Gut zwei Drittel der Befragten geben der Deutschen Bank ihre Stimme. Das größte deutsche Geldinstitut schiebt sich damit vorbei am bisherigen Spitzenreiter Goldman Sachs, der um 10 Prozentpunkte auf 44 Prozent fällt. Auf dem dritten und vierten Platz landen wieder JP Morgan (30 Prozent) und Morgan Stanley (17 Prozent), gefolgt von UBS, Credit Suisse und HSBC Trinkaus & Burkhardt, die sich alle um einen oder mehrere Plätze nach oben verbessern.

Diversity-Aufholbedarf

Trifft man in Investmentbanken auf Mitarbeiter aus anderen Kulturkreisen und Mitarbeiter unterschiedlichen Alters? Ja, sagen 89 Prozent respektive 76 Prozent der Befragten. Kritischer sehen sie das Thema Geschlechtergleichverteilung, die nur 31 Prozent und damit weniger als 2008 als verwirklicht ansehen. Der Aussage, dass die Bankenbranche immer noch von Männern dominiert sei, stimmen nahezu unverändert neun von zehn befragten Studenten zu; aus Sicht von 73 Prozent ist eine Karriere im Investment Banking für Frauen schwieriger als für Männer. Aufholbedarf wird den Banken auch bei der Integration behinderter Mitarbeiter attestiert: Aus der Sicht von 77 Prozent der Studenten lässt diese zu wünschen übrig.

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In unserer Rubrik Banking findest du alles, was für deine Karriere in der Bankenwelt wichtig ist.

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