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"Teilweise eklatante Rechtschreibfehler und mangelhafte Grammatik"

ABC-Würfel (Quelle: freeimages.com, Autor: hisks)

Quelle: freeimages.com, hisks

Immer häufiger beklagen Universitäten die mangelnde Sprachkompetenz ihrer Studierenden. Selbst Examensarbeiten litten unter Rechtschreib- und Grammatikfehlern. An der Ruhr-Universität Bochum reagiert man jetzt auf diesen Missstand mit dem Projekt 'Lesen bildet (auch Juristen!)'. Constantin Körner hat sich informiert.

Nach den Erfahrungen am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum haben Studierende offenbar häufig Probleme mit Rechtschreibung, Grammatik und Lesekompetenz. "Uns fällt das insbesondere im Rahmen der Klausuren der Anfangssemester auf", berichtet der wissenschaftliche Mitarbeiter Jeldrik Mühl. Viele Studierende hätten Probleme damit, Kernaussagen aus Texten und Vorlesungen in eigenen Worten wiederzugeben. Häufig würden Aufgabenstellungen sogar nur mit Schlagwörtern in Stichpunkten bearbeitet. Und dies beschränkt sich nicht nur auf die Anfangssemester: "Selbst die Seminararbeiten, die an unserem Lehrstuhl im Rahmen des ersten Staatsexamens eingereicht werden, leiden teilweise an eklatanten Rechtschreibfehlern und mangelhafter Grammatik."

Diese Schwächen seien insbesondere für Juristen eine "peinliche Angelegenheit". Schließlich, so Mühl, bemühen sich diese doch um die Anwendung von Recht und Gesetz: "Wie soll dies gelingen, wenn sie schon die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik nicht beherrschen?" Dies führt nicht nur häufig zu Missverständnissen in schriftlichen Prüfungen. Probleme im Bereich der Lesekompetenz behindern Juristen direkt in ihrem Zugang zum Recht.

Suche nach Schuldigen: Schule, technische Hilfsmittel, Reizüberflutung

Worin liegen die Ursachen dieser Fehlentwicklung? Lesen und Schreiben muss ein Abiturient doch in der Schule gelernt haben, sollte man meinen. Mühl sieht die Verantwortung "nicht allein" bei den Schulen: "Die Bedingungen für ein erfolgreiches Lernen der Sprachregeln werden in unserer Gesellschaft schlechter. Allgemein sind hier Reizüberflutung und Effektivitätsdruck zu nennen und im speziellen neue Kommunikationsformen und technische Hilfsmittel, die uns vermeintlich das Erlernen der Rechtschreibung und Grammatik ersparen."
Bei "Lesen bildet (auch Juristen!)" setzt man auf das klassische Lehrbuch als Lernmethode. Per Zufall werden 30 der rund 600 Teilnehmer der Grundlagenvorlesung Kriminologie ausgewählt. Diese erhalten kostenlos ein Kriminologie-Lehrbuch, mit dem sie den Lehrstoff nachbereiten und sich auf die Abschlussklausur vorbereiten können. Mühl leitet sie dabei didaktisch an und betreut sie: "Unmittelbar ist das Projekt auf die Verbesserung der Lesekompetenz ausgerichtet. Mittelbar wirkt das Lesen fehlerfreier Texte aber auch positiv auf Rechtschreibung und Grammatik. Das Nachahmen ist eine der effektivsten Lernmethoden."

 

Pilotprojekt: Besser schreiben dank Lehrbuch?

Zu Beginn des Semesters erhalten die Teilnehmer zunächst Tipps zum Umgang mit dem Lehrbuch: "Es werden Lesetechniken zum Bearbeiten wissenschaftlicher Texte vermittelt. Der Gliederung und dem Autor werden besondere Aufmerksamkeit gewidmet als Grundlage für das zusammenhängende Verständnis der Lehrbuchinhalte. Außerdem wird erklärt, wie das Lehrbuch vorlesungsunterstützend genutzt werden kann." Zur Hälfte der Vorlesungszeit erfolgt eine Bestandsaufnahme, um Probleme und Erfahrungen mit dem Lehrbuch auszutauschen: "Anhand von Wiederholungs- und Vertiefungsfragen wird überprüft, ob es den Teilnehmern gelungen ist, Kernaussagen und Zusammenhänge bestimmter Lehrbuchabschnitte zu erfassen." Das letzte Treffen dient der Klausurvorbereitung.

Indem man die Klausurnoten der Teilnehmer mit denen der übrigen Studierenden vergleicht, wollen Mühl und seine Kollegen beweisen, dass Lesen tatsächlich bildet. Auch Juristen. Fällt die Notenbilanz positiv aus, ist es nicht ausgeschlossen, dass Erfahrungswerte des Projekts auf weitere Lehrveranstaltungen an der Fakultät übertragen werden.

"Es müssten Wege gefunden werden, Studierende zur verstärkten Lektüre von Lehrbüchern zu bewegen. Vorlesungsbegleitende Lehrbuchlektüre könnte als Pflichtaufgabe gestaltet werden. Sinnvoll wäre es, zum Studienbeginn Lese- und Lerntechniken, die sich für das Jurastudium eignen, zu vermitteln", so Mühl.

© lto.de. Artikel zum Jura-Studium bietet die Rubrik "Studium & Referendariat" von Legal Tribune ONLINE.

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Kommentar (1)

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  1. Joseph

    Das dieser Umstand den sinkenden schulischen Anforderungen geschuldet sein könnte, liegt aber auch einfach zu fern. Langsam scheint es sich zu rächen, dass Schulen und Länder primär auf Abschlussquoten schielen, anstatt sich den klassischen Bildungsdisziplinen zu verschreiben. Tja, dies deckt die persönliche Erfahrung vieler Lehrkräfte, dass die Grundkompetenzen vieler Schüler sich stetig verschlechtern. Aber was soll, dafür sind sie ja "medienkompetent".

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