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Sparen ohne Zinsen

Gebrochenes Sparschwein mit Geld [Quelle: flickr.com, Jacob Edward]

Quelle: flickr.com, Jacob Edward

In einer Welt ohne Zinsen erscheint ein traditionelles Datum in neuem Licht: Der Weltspartag erinnert daran, etwas für schwere Zeiten zurückzulegen. Entscheidend ist der richtige Mix.

Es ist der 30. Oktober – und der Weltspartag hat ausgedient? Ist der Tag mit seiner nun 92-jährigen Tradition angesichts des entschwundenen Sparzinses überflüssig geworden? Auch wenn Sparkassen und Banken heutzutage weniger begeistert Spargeld annehmen, weil sie angesichts der noch vorhandenen Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) in billiger Liquidität förmlich schwimmen. Der Tag, den das Weltinstitut der Sparkassen auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand für den 31. Oktober 1925 begründet hat, hat weiter eine Bedeutung: die Menschen daran zu erinnern, etwas auf die hohe Kante zu legen und mit kleinen Beträgen über die Jahre ein Vermögen aufzubauen. Gewandelt hat sich in der Nullzinsphase allerdings die Art und Weise, wie dies zu schaffen ist.

"Der Tag heißt Weltspartag – nicht Weltzinstag", erinnert Max Herbst, Chef des Frankfurter Finanzberaters FMH-Finanzberatung, an die ursprüngliche Idee, für harte Zeiten etwas zurückzulegen. In der Nullzinswelt sollten Sparer den Tag darum nutzen, ihre Anlagestrategie zu überprüfen: Denn wer auf dem Sparbuch oder -konto nahezu keine Zinsen mehr bekommt, dem fehlt bekanntlich ein entscheidender Baustein für den Vermögensaufbau. Sein Erspartes arbeitet nicht für ihn, weil ohne Zins der Zinseszinseffekt wegfällt – das Kapital sich also nicht durch Erträge, sondern allein durch Einzahlungen mehrt. Für Marc Tüngler ist deshalb auch klar, dass der Weltspartag heute eher ein "Mahntag" sein sollte. "Die negativen Realzinsen von heute und auch morgen zehren das Ersparte auf ", warnt der Hauptgeschäftsführer DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Denn die Inflationsrate von zuletzt 1,8 Prozent ist deutlich höher als der Sparzins für kurz- wie längerfristig angelegtes Spargeld – das sauer Ersparte schrumpft also sogar. "Pro Jahr sind es circa 75 Milliarden, die verloren gehen – rund 1.000 Euro pro Bundesbürger an Wertverlust", mahnt Tüngler.

Nach Angaben von FMH zahlen Geschäftsbanken für das täglich verfügbare Tagesgeld im Schnitt gerade mal 0,04 Prozent im Jahr, viele aber gar nichts mehr. Bei Direktbanken gibt es im Mittel 0,17 Prozent. Selbst fünf Jahre laufende Sparbriefe bringen nur 0,6 Prozent im Jahr. So verwundert es nicht, dass sich viele Menschen über ihre finanzielle Zukunft Gedanken machen, wie das Vermögensbarometer des Sparkassenverbands DSGV zeigt. 75 Prozent der knapp 2.900 repräsentativ befragten Deutschen geben an, dass ihnen die aktuellen Entwicklungen Sorgen bereiten. Die meisten meinen, dass es an den niedrigen Zinsen und der Geldpolitik der EZB liegt.

Trotz allem häufen die Deutschen ihr Geld genau dort an, wo es nicht für sie arbeitet: Insgesamt 2,25 Billionen Euro horten private Haushalte bar oder auf Konten und Sparbüchern, wie Zahlen der Bundesbank ergeben – das sind knapp 40 Prozent ihres Geldvermögens. In Versicherungen und bei Pensionseinrichtungen, die auch als risikoarm gelten, liegt fast ebenso so viel. Die Vorliebe privater Haushalte "für als besonders liquide und/oder risikoarm wahrgenommene Anlageformen ist damit weiterhin ausgeprägt", resümieren Bundesbanker.

Und die Deutschen sind Meister im Sparen. Fast jeden zehnten Euro legen sie auf die hohe Kante. Wegen dieser vergleichsweise hohen Sparquote sind sie trotz mickeriger Zinsen in der Summe so vermögend wie nie zuvor. Einer Umfrage der Marktforscher von Forsa unter 1.218 Menschen im Auftrag der niederländischen Direktbank Rabo Direct zufolge legen 82 Prozent der Deutschen regelmäßig Geld zur Seite. Bei 29 Prozent der Befragten fließen mehr als 200 Euro monatlich in die Rücklagen – dem guten Arbeitsmarkt und höheren Reallöhnen sei Dank. So ist das Geldvermögen der privaten Haushalte im zweiten Quartal 2017 auf den Rekordwert von 5,72 Billionen Euro gewachsen. Berücksichtigt werden Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen – nicht jedoch Immobilien.

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