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Essen schlecht, Baulärm vor dem Hotel - was nun?

Strandurlaub [Quelle: freeimages.com, Autor: fcl1971]

Quelle: freeimages.com, fcl1971

Morgens um sieben beginnt der Presslufthammer im Nachbarzimmer zu wummern, das Essen verursacht stechende Magenschmerzen und aus dem Abfluss in der Dusche sagt ab und zu eine Kakerlake „Hallo“. So stellt man sich seinen Urlaub nicht vor. Gegen welche Mängel im Hotel Urlauber vorgehen können, und welche sie tolerieren müssen, legt das spezielle Reiserecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs fest.

Einmal Pauschalreise, bitte

Das spezielle Reiserecht des Bürgerlichen Gesetzbuches regelt Reisemängel aller Art – allerdings nur, wenn sie Pauschalreisen betreffen. Der Reiseveranstalter muss also mehrere Leistungen anbieten, beispielsweise Flug und Unterkunft oder  Unterkunft und Verpflegung. Die Regelungen gelten aber auch für die Buchung eines Ferienhauses aus dem Katalog.

Keine falschen Versprechungen!

Was ist eigentlich ein Reisemangel? Prinzipiell liegt ein Reisemangel immer dann vor, wenn in Reiseprospekten oder auf Internetseiten Versprechungen gemacht werden, die sich vor Ort als falsch herausstellen.

Außerdem können Reisende Ansprüche geltend machen, wenn die Mängel Sinn und Zweck  ihrer Reise beeinträchtigen. Wer sich zum Beispiel bei einem Wellnesswochenende erholen möchte, fühlt sich zu Recht  von den lärmenden Bauarbeitern auf den Fluren gestört und wer eine Bildungsreise gebucht hat, darf sich beschweren, wenn ein Museumsbesuch ersatzlos ausfällt. Es spielt dabei nicht nur eine Rolle, was Urlauber und Reiseveranstalter im Vertrag vereinbart oder vorausgesetzt haben, sondern auch, was man üblicherweise erwarten kann.  Wer mit seinem Hotel ist muss also zunächst  die Vereinbarungen und Werbeaussagen betrachten.

Nicht jede Mücke ist ein Reisemangel

Aber nicht alles, was ein Reisender als störend empfindet, ist tatsächlich ein Reisemangel: Bloße Unannehmlichkeiten, das allgemeine Lebensrisiko oder kulturelle Gegebenheiten gelten nicht als schwere Beeinträchtigung. So sind zum Beispiel kurze Wartezeiten an der Hotelbar oder –lobby hinzunehmen, ebenso  landestypische Gewohnheiten wie scharfes Essen oder laute Aufrufe zum Gebet und in tropischen Ländern auch kleinere Mengen an Ungeziefer im Zimmer. Man darf im Ausland demnach nicht automatisch deutsche Standards anlegen.

Falsches Zimmer, verdorbenes Essen – Einspruch!

Etwas anderes ist es, wenn der Veranstalter mit bestimmten Standards geworben hat – dann müssen diese auch eingehalten werden. Mängel, die der Urlauber prinzipiell  nicht tolerieren muss,  sind Abweichungen des Zimmers in Größe, Ausstattung oder Personenzahl (also Einzelzimmer statt Doppelzimmer oder ähnliches), verdorbenes Essen, ab vier Stunden und ausgedehnte Bauarbeiten am Hotel.

An der richtigen Stelle beschweren

Wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt, haben Reisende grundsätzlich Anspruch auf Minderung des Reisepreises, Schadenersatz und in drastischen Fällen auf Kündigung des Vertrags. Dafür müssen sie den Mangel aber auch anzeigen, und zwar bei ihrem Vertragspartner. Das heißt, dass sich Pauschalreisende den Reiseveranstalter zu wenden haben, nicht an die Hotelleitung. Reiseveranstalter ist auch nicht das Reisebüro, sondern derjenige, der im Prospekt oder auf der Internetseite angegeben ist, aber unter Umständen können Reisebüros Mängelanzeigen und Beschwerden an den Veranstalter weiterleiten.

40 Prozent Nachlass bei schlaflosen Nächten

Kann oder will der Reiseveranstalter den Mangel nicht beseitigen,  so besteht Anspruch auf Schadenersatz und der Vertrag kann sogar gekündigt werden. Auch eine Entschädigung für die vertane Urlaubszeit darf der Reisende dann verlangen. Für die Höhe der Minderung gibt die sogenannte Frankfurter Tabelle Richtwerte vor. Sie enthält verschiedene Mängelkategorien und macht die Minderung insbesondere davon abhängig, wie schwer die Beeinträchtigung ist. Wird man zum Beispiel in einem Doppel- statt Einzelzimmer untergebracht, müssen 20 Prozent des Preises erstattet werden; ist das Essen verdorben, können es bis zu 30 und bei Lärmbelästigung in der Nacht sogar bis zu 40 Prozent sein. Die Angaben der Frankfurter Tabelle dienen jedoch nur der Orientierung, Richter sind nicht an sie gebunden.

Individuale Reisen – individuelles Recht

Aber auch Urlauber, die kein Pauschalangebot sondern Einzelleistungen buchen, haben Rechte, wenn die Reise nicht zu ihrer Zufriedenheit verläuft. Sie müssen sich dabei allerdings oft auf ausländische Gesetze verlassen. Wer also eine Individualreise unternimmt, sollte sich mit den grundsätzlichen Regelungen des jeweiligen Landes vertraut machen, um später nicht  - vielleicht sogar buchstäblich - im Regen zu stehen.

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