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Entscheidung Skyline Business Mann [© kantver - Fotolia.com]

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Vorurteile, verzerrte Wahrnehmung, Hang zur Selbstüberschätzung – unbewusste Denkmuster können zu dramatischen Fehlentscheidungen führen. Wie sich negative Einflüsse überwinden lassen.

Es ist eine der teuersten Fehlentscheidungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Rund zehn Milliarden Euro für neue Kohle- und Gaskraftwerke setzte der Essener Stromkonzern RWE in den Sand, weil der Vorstand rund um den damaligen Chef Harry Roels und seinen Nachfolger Jürgen Großmann von der Energiewende offenbar "überrascht" wurde.

Wie aber konnten die erfahrenen und hochbezahlten Manager die Bewegung hin zum Ökostrom verschlafen – trotz Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000 und der staatlichen Förderung privater Solaranlagen? Und wie konnten sie 2007 dennoch davon ausgehen, die Strompreise würden in Zukunft weiter steigen und die Rekordinvestitionen tragen.

Es sind Fragen, auf die vor allem die Aktionäre Antworten verlangten. Immerhin hatte die "Weiter so"-Strategie den größten deutschen Stromerzeuger in die schlimmste Krise seiner Unternehmensgeschichte gestürzt. Was letztlich dazu führte, dass die "grüne" Zukunftssparte "Innogy" vom siechen Geschäft mit Kohle und Kernkraft abgespalten werden musste. Dem einstigen Umsatzbringer fehlte plötzlich die Geschäftsgrundlage.

Bernhard Günther war von 2013 bis zum Börsengang von Innogy 2016 Finanzvorstand bei RWE und einer der Treiber der Aufarbeitung nach dem Desaster. Nun ist er Finanzchef von Innogy und spricht öffentlich über die Ursachen. "Wir wollten verstehen, was genau falsch gelaufen war, und fragten uns: 'Hätten wir irgendetwas besser machen können?' Und die ehrliche Antwort lautet 'ja'." Die Analyse ergab: Unbewusste mentale Muster haben die Manager in ihren Entscheidungen beeinflusst. Logische Schlüsse zu fällen war nicht mehr möglich. Die Spitzenmanager sind schlicht auf die Streiche des Gehirns hereingefallen.

"Unbewusste mentale Muster" – das klingt esoterisch, ist es aber nicht. Dass bestimmte Denkschablonen und Vorurteile selbst die Klügsten unter uns zu irrationalen Entscheidungen veranlassen, ist gut erforscht. Der israelisch-amerikanische Psychologe Daniel Kahneman hat sogar den Wirtschaftsnobelpreis dafür bekommen, dass er Störfaktoren identifizierte, die Fehlentscheidungen auslösen.

RWE ist nicht allein. Nokia, Kodak und die US-Videokette Blockbuster, die die Chance vergab, den Streaming-Dienst Netflix zu kaufen, sind weitere Beispiele für Management-Versagen. Doch egal, ob Selbstüberschätzung oder die Abneigung gegen Veränderungen, "diese unbewussten Einflüsse auf wichtige Entscheidungen machen sich nur wenige Wirtschaftslenker klar", mahnt Bernhard Streicher. Der Psychologie-Professor ist Mitgründer des Risikolabors an der Universität München, das menschliches Verhalten in riskanten Situationen analysiert.

Und noch viel seltener geht ein Unternehmen so offensiv dagegen an wie RWE. Mit dem Chefwechsel 2012, als Peter Terium das Ruder beim Energieriesen übernahm, startete der Konzern ein Sensibilisierungsprogramm für alle Führungskräfte. Nicht nur den Topentscheidern, sondern auch den Bereichs- und Fachabteilungsleitern sollten diese mentalen Stolperfallen bewusst gemacht werden.

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