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Wie penetrant darf ich sein?

Telefon Handy telefonieren [Quelle: freeimages.com, lusi]

Quelle: freeimages.com, lusi

Wer sich bewirbt, hofft auf eine schnelle Antwort. Wann man seine Wunscharbeitgeber drängeln kann – und wann man es besser lässt.

Sie haben vor zwei Wochen Ihre Bewerbung abgeschickt und noch nichts gehört? Sie rufen beim Arbeitgeber an, nächste Woche wieder, übernächste noch einmal? Und jedes Mal beginnen Sie das Gespräch mit "Ich wollte nur mal nachfragen..."? Keine gute Idee! Denn Aufdringlichkeit schadet eher, als dass sie hilft.

Grundsätzlich ist es nämlich so: Als Mensch kann ich verstehen, dass Sie gespannt sind, ob Sie eingeladen werden, dass Sie Hoffnungen hegen, dass Sie in Gedanken schon das Vorstellungsinterview durchgehen. In meiner Rolle als Personaler sehe ich Sie meist durch die Brille einer Frau, die in Arbeit ertrinkt. Sie sind dann leider mit Ihrer Bewerbung eine Arbeitsbelastung.

Es gibt eine einfache Regel, die man sich merken kann: Je größer das Unternehmen, umso mehr Bewerbungen, und umso weniger sollten Sie nachfragen und Druck machen. In kleinen und mittelgroßen Firmen ist das anders, denn dort sind Sie vielleicht eine Bewerbung unter zehn, da kann man nachfragen.

Ehrlichkeit ist besser als Floskeln

Es gibt aber zwei absolute No-Gos, die immer gelten und die man dennoch oft erlebt. Die erste Todsünde ist der Anruf mit der Frage "Wollte nur mal fragen, ob meine Bewerbung angekommen ist...". Wo sollte sie denn sein? Der Anteil verschwundener Post liegt, glaube ich, unter einem Prozent. Diese Frage ist überflüssig und einfallslos, denn eigentlich möchten Sie ja was anderes wissen. Es gibt eine zweite Frage, die man sich verkneifen sollte: Man wolle mal wissen, wann man eingeladen wird, denn man habe ein anderes Angebot und müsse sich da schnell entscheiden. Das ist nur sehr selten wahr, und dann klingt es anders, meist zerknirschter, aber nie tough. Man erkennt, was Sie eigentlich wollen, nämlich Druck erzeugen. Und was glauben Sie, wie das ankommt? Genau, das mag niemand.

Beide Fragen sind nicht authentisch und ehrlich, sondern Floskeln. Besser ist es, wenn es Ihnen gelingt, bei dem gestressten Gegenüber einen menschlichen Kontakt aufzubauen. Also erst einmal zu fragen, ob Ihr Anruf gelegen kommt oder wann es besser passt. Und dann ehrlich zu sagen: "Ich weiß, Sie haben viele andere Dinge auf dem Tisch, und ich habe lange überlegt, ob ich anrufen soll. Aber ich bin so gespannt, dass ich wie ein Irrer zum Briefkasten laufe und meine Mails stündlich checke. Deshalb möchte ich Sie fragen, wie gut meine Chancen stehen, eingeladen zu werden."

Dabei sollten Sie davon ausgehen, dass das niemand aus dem Stegreif sagen kann, denn Ihre Bewerbung liegt sicher nicht oben auf dem Schreibtisch. Sie muss gesucht und gesichtet werden, und Ihr Gegenüber möchte selbst entscheiden, wann er das macht. Sie können höflich fragen, ob Sie am nächsten Tag noch mal anrufen dürfen. Letztlich gilt für die Bewerbungssituation leider, dass man dem Prozess ausgeliefert ist und mit zwei Zeitmaßstäben messen muss. Ihre Zeit vergeht langsam, während Sie auf Antwort warten. Die Zeit der Menschen, die Bewerber auswählen, vergeht dagegen sehr schnell. Es gibt so vieles, was mindestens genauso wichtig ist – und so zieht es sich manchmal Wochen oder Monate hin, auch wenn es eigentlich eilig ist. Mit Ihnen hat das nichts zu tun.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentare (13)

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  1. Anonym

    So richtig intelligent ist die Frau Lehky nicht, jedenfalls nicht überdurchschnittlich...

    ...sie weiß nicht, was eine Floskel ist... Schon etwas peinlich, Frau Lehky.

  2. Anonym

    Bei mir gab es denn Fall, dass ich mehrere Angebote hatte schon. Und ich kommuniziere das auch schon im Bewerbungsgespräch wenn es so ist. Eine Floskel ist es sicherlich nicht!

  3. Denise

    Für mich nicht nachvollziehbar.

    Also auch ich kann mich den meisten Vorrednern nur anschließen. Vor allem großen Unternehmen gehört doch außerdem eine Eingangsbestätitung zum Standard. Eine zweiwöchige Bearbeitungsdauer halte ich für angemessen - danach sollte zumindest eine Benachrichtigung erfolgen, dass der Bewerbungsprozess noch weitere Zeit in Anspruch nehmen kann, sowie die Bitte um Verständnis. Alles andere ist unhöflich und gilt meiner Meinung nach für jede Form von Kommunikation zwischen verschiedenen Parteien. "Ich weiß, Sie haben viele andere Dinge auf dem Tisch, und ich habe lange überlegt, ob ich anrufen soll. Aber ich bin so gespannt, dass ich wie ein Irrer zum Briefkasten laufe und meine Mails stündlich checke. Deshalb möchte ich Sie fragen, wie gut meine Chancen stehen, eingeladen zu werden." Mit einer anderen Stelle und ggf einem Angebot, (ob nun wahr oder nicht) Druck zu machen, ist sicher nicht das richtige und auch eher unpassend. Die Stelle und das Unternehmen aber so (verzweifelt) in den Lebensmittelpunkt zu rücken halte ich auch nicht gerade für das Gelbe vom Ei.

  4. Anonym

    Kniefall? Niemals. Vollkommen überholtes Ständedenken

    Diese Frau ist Fan eines Ständedenkens. Sie arbeitet für kein Unternehmen fest, sondern "berät" sie. Die glaubt tatsächlich, dass gute Bewerber Kniefall zeigen müssen. Damit kommt sie bei vielen Unternehmen an, denn die meisten Personalabteilungen sind ebenso altbacken und denken, sie wären die "Arbeitgeber". Aber Unternehmen sind ArbeitNEHMER, denn sie nehmen die Arbeit derjenigen entgegen, die sie ihnen anbieten. Bewerber sind dementsprechend ArbeitGEBER - völlig logisch. Die Zeit hat die Autorin vollkommen verpennt. Ich bin e-fellows-Alumnus und habe bei Bewerbungen, bei denen ich nach zwei Wochen nichts gehört habe, telefonisch nachgehakt. Ja - um zu erfahren, ob die Bewerbung tatsächlich eingetroffen ist. Die Reaktionen: Von "Entschuldigung" über "wir sichten noch" bis hin zum spontanen Vorstellungstermin war alles dabei - nur nicht das, was die Autorin hier schwätzt. Und ich empfinde es als Frechheit, dass sie annimmt, man wolle gar nicht wirklich wissen, ob die Bewerbung angekommen ist, wenn man telefonisch nachfragt.

  5. Stefan

    Nachtrag...

    Ich denke es sollte hier jedem durchaus bewusst sein, dass die HR auch andere Aufgaben wahrnehmen muss, gar keine Frage. Auch wer eine Bewerbung noch per Post schickt, ist für viele Jobs meiner Meinung nach ungeeignet, weil gerade ab diesem Punkt das Verständnis für den Arbeitsmehraufwand fehlt. Aber gerade wenn man in der Personalabteilung arbeitet, sehe ich es als besonders wichtig an, seine Worte weise zu wählen. Zum Glück stand hier kein Unternehmensname dabei. Sobald man nämlich liest, dass man eine "Belastung" oder Last ist, sagt man sich als Bewerber ganz schnell, was man in so einem Unternehmen überhaupt will. Solche Worte würde einem die PR-Abteilung normalerweise gehörig um die Ohren pfeffern. Das man sich nicht täglich oder wöchentlich meldet, sollte einem aber eigentlich auch bewusst sein, da man sich spätestens da auch selbst blöd vorkommen sollte, wobei ich nicht abstreiten möchte, das es auch solche Kandidaten gibt. Nur um es noch einmal zu konkretisieren: Wenn die Fachabteilung sich mit der Entscheidung zu lange Zeit lässt, sehe ich als Bewerber keine Veranlassung auf genau dieses Unternehmen zu warten. Auch wenn man noch so interessiert an einem Unternehmen ist, so wird man immer auch andere ähnlich attraktive Unternehmen finden. Ich sehe es daher als die Aufgabe der HR-Abteilung, auf die Fachabteilungen einen gewissen Druck auszuüben und denen diesen, Ihren, Standpunkt darzulegen, dass sich der Arbeitsmarkt grundlegend verschoben hat. Dieses ist dem Einen oder Anderen vielleicht noch gar nicht so bewusst geworden.

  6. Anonym

    "Ehrlichkeit ist besser als Floskeln"

    Ach ja? Deshalb ist aus Sicht dieser "Personalerin" eine einfache und ehrliche Nachfrage per Telefon ein "No-Go". Stattdessen empfiehlt sie, um den heißen Brei herum zu reden und sich mit wulstigen Worten einzuschleimen. Das kostet noch viel mehr "kostbare" Zeit. Diese Frau hat noch nicht für ein wirklich großes Unternehmen gearbeitet, oder sie kann schlicht nicht rechnen. Wenn an ein großes Unternehmen im Jahr 10.000 Bewerbungen abgeschickt werden und davon 100 nicht ankommen, sollte sie etwas mehr Verständis dafür aufbringen, dass man sichergehen möchte, nicht zu den 100 zu gehören.

  7. Anonym

    Kommen Sie herunter von Ihrem hohen Ross, Frau Lehky.

    "Grundsätzlich ist es nämlich so: Als Mensch kann ich verstehen, dass Sie gespannt sind, ob Sie eingeladen werden..." "Als Mensch"? Das ist einfach nur arrogant. Diese Frau ist im letzten Jahrhundert stehengeblieben.

  8. MJ

    leider wahr

    Als jemand, der in einer größeren Firma in der Personalabteilung arbeitet, muss ich der Autorin leider recht geben. Das hat nichts mit hohem Ross zu tun, sondern mit der Tatsache, dass unser Job permanent unterschätzt wird. Recruiting ist nun einmal nur ein kleiner Teil unserer Arbeit und alles in diesem Job ist zeitsensitiv, nicht nur ankommende Bewerbungen. Es gibt aber in diesem Fall ein sehr gute Lösung: Schickt Eure Bewerbung per Email! Größere Firmen haben dafür eine extra Adresse, von der Ihr sofort Rückmeldung bekommt, dass Eure Email angekommen ist. Postalische Bewerbungen machen sehr viel mehr Arbeit, weil sie erst digitalisiert werden müssen, bevor man mit ihnen arbeiten kann. Das hört sich einfach an, aber man muss alle relevanten Daten des Bewerbers per Hand ins System einpflegen, damit die Kollegen ihn im Falle eines positiven Bescheids der Fachabteilung kontaktieren können. Dazu kommt die Digitalisierung der kompletten Unterlagen, damit ich sie per Email an den Fachbereich weiterleiten kann. Und meistens liegt das gar nicht an der Personalabteilung, dass Ihr noch keine Rückmeldung bekommen habt, sondern an den Fachabteilungen. Wenn die sich entscheiden, wen sie einladen, bekommen meine Bewerber von mir eine Rückmeldung. Und davor kann ich sowieso leider nichts zum Stand der Bewerbung sagen, außer dass wir gerade daran arbeiten. Und ja, gute Fachkräfte werden rar, das ist uns allen bewusst, deswegen werden auch so viele Headhunter eingesetzt. Und aus genau dem Grund hat eben der Teil des Jobs, sich um die schon vorhandene Belegschaft zu kümmern, Priorität eins und Deine Bewerbung Priorität zwei. Also bitte: Geduld. Und nach 3-4 Wochen einmal anrufen und NETT nachfragen. Nicht duckmäuserisch, nicht cholerisch, einfach nur nett nach dem Stand fragen. Solltest Du eingestellt werden, musst Du Dich schließlich auch noch einmal mit der Personalabteilung abgeben und wir freuen uns über jeden Einzelnen an Bord, mit dem wir offen und freundlich umgehen können.

  9. Stefan

    Das ich nicht lache...

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Ich weiß ja nicht aus welchem Jahrhundert die gute Personalerin kommt, aber vielleicht sollte sie sich mal bei google die Stichworte "war for talents" und "demografischer Wandel" angucken. Es wird Zeit, dass so manch einer aus dem HR von seinem hohen Roß herunterkommt, bevor der Chef fragt, wo das gute Personal bleibt und warum nur noch Leute kommen, die einfach mal eine lapidare Standardbewerbung geschrieben haben, sich um nichts weiter gekümmert haben und einfach das erstbeste Angebot angenommen haben, aber sich in keinster Weise mit dem Job identifizieren können. Man sollte sich da wirklich mal Fragen was besser für ein Unternehmen ist, jemand der sich proaktiv um seine Bewerbung kümmert oder irgendein dahergelaufener Schluffi. Man man man, wenn man seine Arbeit derart als "Belastung" empfindet, hat man definitiv was falsch gemacht...!

  10. Anonym

    Ich dachte man soll Floskeln vermeiden...

    "Ich weiß, Sie haben viele andere Dinge auf dem Tisch, und ich habe lange überlegt, ob ich anrufen soll. Aber ich bin so gespannt, dass ich wie ein Irrer zum Briefkasten laufe und meine Mails stündlich checke. Deshalb möchte ich Sie fragen, wie gut meine Chancen stehen, eingeladen zu werden." Gerade das sind doch auch nur Floskeln, die auch genau als solche wahrgenommen werden. Von mir noch mehr als die davor beschriebenen "No-Gos".

  11. Fridolin

    Am Thema vorbei

    Dieser Text geht am Thema vorbei und bettelt geradezu um Mitleid. Sie werden, ja selbst als Frau, für die Arbeit die sie tun bezahlt und sollen durchaus auch neugierigen Bewerbern mitteilen, ob deren Briefe verloren gegangen sind. Die Deutsche Post arbeitet mit Subunternehmern, bei denen durchaus der eine oder der andere Brief verloren gehen. Wenn die Autorin ihre Arbeit nicht tun will und auf den fürchterlichen Stress hinweist, soll sie sich eine andere Arbeit suchen, wie wäre es mit dem Kindergarten? Halt nein, da gibt es auch Stress, sie kann ja den Kindern erklären was für einen Eindruck es macht, wenn sie weinen weil sie sich mit der Schere in den Finger schneiden.

  12. sk58

    Deutsche Post

    "Der Anteil verschwundener Post liegt, glaube ich, unter einem Prozent." Selbst wenn diese Quote stimmen sollte, steht die Chance dann 1:100, dass meine Bewerbung nicht angekommen ist. Aber hey - die Arbeitslast für die Personalabteilung sinkt immerhin um 1% ! Außerdem scheint das je nach Region stark zu variieren: - Bei mir sind in den letzten Jahren ca. 5 Sendungen nicht angekommen - Einmal hat die Post ein von mir versendetes Einschreiben verloren

  13. Nik

    interessante Einstellung...

    "In meiner Rolle als Personaler sehe ich Sie meist durch die Brille einer Frau, die in Arbeit ertrinkt. Sie sind dann leider mit Ihrer Bewerbung eine Arbeitsbelastung. [...] Also erst einmal zu fragen, ob Ihr Anruf gelegen kommt oder wann es besser passt." Hmm, schon klar. Sie sind auf jeden Fall die einzige im ganzen Betrieb die Stress hat... und ich als Bewerber, auf den ihr Unternehmen angewiesen ist, muss natürlich verstehen, dass ich eine ganz und gar unangenehme Belästigung bin. Und nachdem ich dann duckmäuserisch und telefonisch auf allen vieren herangekrochen bin, biete ich noch an auf eigene Kosten zum Gespräch anzureisen und hinterher für's halbe Gehalt zu arbeiten. Nur falls es nicht zu viele Umstände für ihren gestressten Alltag macht, natürlich. Sie werden es nicht glauben, aber es gibt Menschen die können tatsächlich aus mehreren Angeboten wählen - und davon finden sich sicher viele unter den e-fellows hier. Wenn Sie es also (1.) nicht schaffen mir zeitnah eine Rückmeldung zu meiner Bewerbung zu geben (ansonsten gäbe es ja gar keinen Grund für mich bei Ihnen anzurufen) und ich (2.) im primären Kontakt für Sie und ihre Firma erstmal eine 'Arbeitsbelastung' bin, dann schauen Sie sich vielleicht lieber noch ein bisschen weiter um. Und ich dachte immer Personalabteilungen seien irgendwie auch Dienstleister...

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