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"Betrugsversuche wird es in der Wissenschaft immer geben"

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Quelle: Freeimages.com, jpmgrafika

Mit Copy-Paste zum Doktor: Jeder Student sollte die Zitierregeln kennen. Die Unis müssen dafür sorgen, sagt Margret Wintermantel von der Hochschulrektorenkonferenz.

ZEIT ONLINE: Die Kette promovierter Politiker, die des Plagiats verdächtigt oder überführt werden, reißt nicht ab. Herrscht bei den Dissertationen Willkür an den Universitäten? 

Margret Wintermantel: Das nun keineswegs, die große Mehrzahl der Doktorarbeiten ist von hoher wissenschaftlicher Qualität und nicht zu beanstanden. Dennoch kann man offenbar nicht mehr nur von ganz wenigen Einzelfällen sprechen. 

ZEIT ONLINE: Sehen Sie eine Mitschuld der Universitäten? 

Wintermantel: Ich möchte nicht von Schuld, aber von Verantwortung sprechen. Eigentlich sollte man meinen, dass jeder Studierende und erst recht jeder Doktorand die Standards guten wissenschaftlichen Arbeitens kennt: Wie geht man mit Daten um, wie zitiert man und was bedeutet es, fremdes geistiges Eigentum zu achten? Die jetzt bekannt gewordenen Fälle zeigen allerdings, dass das nicht immer klar ist. Gewiss sind da auch Schutzbehauptungen im Spiel, aber die Universitäten müssen auch lernen, Studierende wie Doktoranden besser vorzubereiten.

ZEIT ONLINE: Viele Ihrer Kollegen sagen, dass die Zitierregeln eigentlich klar sind. Spricht man dagegen mit Studenten und Doktoranden, hört man, dass jeder Professor da seine eigenen Vorlieben hat. 

Wintermantel: Jedem Studierenden sollte klar sein, dass man nicht abschreiben darf und dass wörtliche Übernahmen in Anführungszeichen gehören. Dennoch scheint es zwischen den Disziplinen Unterschiede zu geben. Auch hier sollten sich die Universitäten und Fakultäten um mehr Einheitlichkeit bemühen. So schwer kann das nicht sein.

ZEIT ONLINE: Reicht das, um Plagiate zu verhindern?

Wintermantel: Betrugsversuche wird es in der Wissenschaft immer geben, so wie es auch immer Steuerhinterziehung geben wird. Der beste Schutz vor Plagiaten ist eine gute Begleitung der Promovenden. Das bedeutet, dass jeder, der eine Doktorarbeit schreibt, möglichst gut in ein Forschungsprogramm an der Universität eingebunden sein sollte. Er muss seine Forschungsergebnisse in regelmäßigen Abständen dem Professor oder der Professorin und anderen Doktoranden vorstellen und mit ihnen kritisch diskutieren. Das funktioniert natürlich am besten in einer Graduiertenschule oder in einem strukturierten Programm. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zahl der Täuschungen hier wesentlich geringer ist.

ZEIT ONLINE: Sie stehen also externen Promotionen skeptisch gegenüber?

Wintermantel: Ich persönlich würde als Wissenschaftlerin keine Doktoranden annehmen, die nicht in ein Forschungsprojekt an der Universität eingebunden sind. Wie soll jemand, der einen Fulltimejob hat, eine gute wissenschaftliche Arbeit anfertigen? Kollegen insbesondere in manchen Geistes- und Sozialwissenschaften sehen das anders. Umso wichtiger erscheint es mir, dass diese ihre externen Doktoranden besonders gut betreuen. Es kann nicht angehen, dass ein Doktorvater seinen Schützling nur ein- bis zweimal im Jahr sieht. Auch Professoren, die mehr als zehn Dissertationen gleichzeitig betreuen, sollten sich überlegen, ob sie ihren Betreuungspflichten nachkommen. Ich könnte das nicht.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denn den Eindruck, dass es an den Universitäten jetzt ein Umdenken gibt?

Wintermantel: Die Universitäten denken schon länger darüber nach, die Promotionspraxis zu verbessern. Und die gegenwärtige Diskussion dieser Qualitätsoffensive wird dem Ganzen noch einmal einen Schub geben. Als ich zu Beginn vom Fall zu Guttenberg hörte, dachte ich: Oh je, die Medien schießen sich wieder auf einen Politiker ein. Dann wurde aber schnell klar, dass ich mich getäuscht hatte – und so ging es offenbar vielen Professoren. Nach den Plagiatsaffären in den vergangenen Monaten können wir nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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