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Weiche Landung nach der Kündigung

Outplacement, weiche Landung nach Kündigung, externe Spezialisten beraten [Quelle: sxc.hu/Autor: FOTOCROMO]

Outplacement, weiche Landung nach Kündigung, externe Spezialisten beraten [Quelle: sxc.hu/Autor: FOTOCROMO]

Mit Outplacement wurden früher vorwiegend ältere Führungskräfte weggelobt. Inzwischen sind die Kandidaten deutlich jünger.

 Es ist das besondere Abschiedsgeschenk nach der Kündigung: eine Outplacement-Beratung. Mehr und mehr Firmen engagieren externe Spezialisten, damit ihre entlassenen Mitarbeiter den Arbeitsplatzverlust rasch verarbeiten und beruflich neu Fuß fassen können. 2009 wurden sogenannte Outplacement-Beratungen im Wert von 17,75 Millionen Euro in Anspruch genommen. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater ist das eine Zunahme von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

War Outplacement ursprünglich dazu gedacht, Vorstände und Geschäftsführer jenseits der 55 auf ihren Vorruhestand vorzubereiten, zeigt sich inzwischen ein neues Phänomen: Die Teilnehmer in den kombinierten Workshops und Bewerbungstrainings werden immer jünger. Der Altersdurchschnitt liegt bei Anfang 40, weil nicht selten schon Berufseinsteiger unter 30 gleich von ihrem ersten Arbeitgeber wieder entlassen werden. "Der Grund dafür sind zunehmende Umstrukturierungen, Standortschließungen oder Fusionen von Unternehmen", sagt Werner Vogel von der Hamburger Outplacement-Beratung Inplace.
 
 "Die Teilnehmer am Outplacement werden aber nicht nur jünger, sondern sie sind vielfach hochqualifiziert", stellt Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer des Düsseldorfer Instituts zur Entwicklung beruflicher Perspektiven, fest. Seine Analyse von 1.000 Beratungsfällen im Jahr 2009 ergab, dass die Mehrzahl mindestens über ein mittleres Bildungsniveau verfügt: Rund 30 Prozent der Teilnehmer haben einen Fachhochschul- oder Uni-Abschluss. Fast die Hälfte aller Betreuten war als Fachkraft oder Sachbearbeiter tätig, rund 20 Prozent leiteten Gruppen oder Projekte. So wie der damals 28-jährige Diplom-Medienwissenschaftler und Spartenleiter Christoph Driemer aus Gera, den die Kündigungswelle bei AOL in Hamburg 2008 erfasste.
 
 Damit solche gut ausgebildeten Betroffenen nicht durchhängen, sondern sich selbstbewusst auf den Jobmarkt begeben, ziehen Outplacement-Berater eine erfolgsorientierte Turbo-Therapie plus Training durch. Sehr zur Überraschung der Teilnehmer. "Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse", sagt der Thüringer. "In Sitzungen mit acht bis zehn Teilnehmern aller Altersgruppen, Funktionen und Hierarchieebenen konnte jeder zunächst seine Sorgen, Trauer und Ängste loswerden", erzählt Driemer.
 

Erfolgsrezept Tränen und Training

 Danach dienten weitere Gruppen- und Einzelsitzungen dazu, persönliche Stärken der Teilnehmer herauszuarbeiten und berufliche Alternativen abzuleiten. "Das hat mich für neue Perspektiven geöffnet und mir eine Struktur zur Selbstreflexion geboten, durch die ich viel über mich gelernt habe. Besonders nützlich waren die offenen Einschätzungen fremder Workshop-Teilnehmer." Nach einer Woche folgte das zweitägige Bewerbungstraining - für Driemer ein voller Erfolg: Nach gerade mal zwei Monaten Arbeitslosigkeit trat er als strategischer Kundenberater bei Google an.
 
 Alternativ zum Jobwechsel können aber auch erst noch Weiterbildungen oder eine Existenzgründer-Beratung genutzt werden - je nachdem, welche berufliche Chance ergriffen werden soll. Diejenigen Outplacement-Teilnehmer, die eine neue Arbeitsstelle angetreten haben, benötigten zu 60 Prozent weniger als drei Monate dazu. Knapp ein Viertel fand nach einem halben Jahr eine neue Aufgabe. Nur etwa 14 Prozent sind unvermittelbar.
 
 Auch wenn ein höherer Bildungsgrad der Dauerarbeitslosigkeit vorbeugt, die Phasen ohne Arbeit im Erwerbsleben dehnen sich aus, belegt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Ob Männer oder Frauen, ob in Ost- oder Westdeutschland - das Risiko, die Stelle zu verlieren, nahm zwischen 1991 und 2007 zu. Und: "Arbeitslosigkeit wird schon beim Berufsstart der 20- bis 30-Jährigen zur allgemeinen Erfahrung", lautet das Fazit der Verfasser.
 
 "Deshalb umschreibt 'Generation Krise' meine Altersgruppe treffend", findet Patrick Müller. Gleich zweimal seit seinem Berufseinstieg im Jahr 2005 hat der heute 31-jährige Diplom-Kaufmann die Kündigung erhalten. Im Ausland stand der Produktmanager ohne Abfindung und Outplacement-Paket von heute auf morgen auf der Straße. "So fand ich mich mit 30 in meinem ehemaligen Kinderzimmer wieder, wo ich die kümmerlichen Reste meiner Existenz aufkehren musste. Mir fehlte nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch das soziale Netz von Freunden und Kollegen."
 
 Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit entschloss sich Müller, auf eigene Kosten einen Profi zu Rate zu ziehen. "Alle Zukunftsentwürfe, vom Lebenskünstler in Paris bis zur Vertriebler-Tätigkeit in der deutschen Provinz, schienen möglich", sagt der Absolvent führender Wirtschafts-Unis über seine Sinnkrise. Ursprünglich hatte er zu diesem Zeitpunkt mit einer Beförderung auf eine Führungsposition gerechnet.
 
 Während seiner Gespräche mit dem Coach der Outplacement-Beratung von Rundstedt wurde dem Akademiker klar, dass er zwar wusste, was er erreichen wollte - eine prestigeträchtige Stelle am Puls der Zeit, verbunden mit dem entsprechenden Lebensstil -, aber nicht, wie er es dahin schaffen sollte. Dem Marketingmanager fehlte das Spezialthema. Doch nach zwei Monaten stand fest: "Marketing bleibt der rote Faden. Ich fange nichts komplett Neues an, sondern werde mich zum absoluten Fachmann für Herrenpflege-Produkte entwickeln. Planungshorizont mindestens fünf Jahre."
 
 Von seinem geradlinigen Lebenslauf hat er sich verabschiedet. Eine medizinische Weiterbildung, ein Praktikum in der Parfümeurs-Hochburg Grasse sowie ein Vertriebseinsatz für Pflegeprodukte in New York stehen nun auf Müllers Programm: "Dass meine Lateinkenntnisse noch mal gefragt wären und ich Kräuter mischen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Wie so viele meiner Generation musste ich erkennen, dass es keine Dauerkarte für die Karriere-Loge gibt."

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