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Informatik Technik grüner Kopf mit Festplatte (© AGPhotography - fotolia.com)

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Geschäftsführer üben das Surfen im Darknet. Vorstände lassen sich von Berufseinsteigern in Sachen Social Media fit machen. Topmanager gehen ins Programmiercamp. Aber welches Digital-Know-how brauchen Führungskräfte wirklich?

Neulich erst hat sich Gisbert Rühl eine App gebastelt. Sie soll ihm helfen, sich besser auf seine Geschäftsreisen vorzubereiten. So zeigt das iPhone des Klöckner Chefs zum Beispiel an, wie viele T-Shirts und Hemden er einpacken sollte und erinnert ihn an seine Laufschuhe.

Mit seinem Interesse am Programmieren konnte der Wirtschaftsingenieur schon als Student in den 80ern sein Einkommen aufbessern. Für die Hamburger Stadtwerke schrieb er damals eine Buchhaltungssoftware in der Programmiersprache Cobol. Die hatte er sich kurzerhand selbst beigebracht, um vom langweiligen Job am Kopierer wegzukommen.

Seine Programmierkenntnisse nutzen dem Vorstandsvorsitzenden aber nicht nur, weil er jetzt auf Reisen stets ein frisches T-Shirt zur Hand hat. Auch bei den rund 50 Programmierern von Klöckner in Berlin, wo das Stahlhandelsunternehmen aus dem Ruhrgebiet neue Ideen zur Digitalisierung der Branche umsetzt, sorgt Rühls Fachwissen für Diskussionen auf Augenhöhe.

Was der Chef schon kann, sollen demnächst auch die übrigen Vorstände des Konzerns sowie die rund 200 wichtigsten Führungskräfte beherrschen. Daher werden sie noch in diesem Jahr Workshops besuchen, um Basiskenntnisse im Programmieren zu erwerben. Die Teilnahme an den mehrtägigen Kursen ist zwar freiwillig, aber mit Blick auf den Autodidakten an der Unternehmensspitze gibt es für die übrigen Führungskräfte wohl kaum akzeptable Ausreden. Rühl: "Wenn eine Führungskraft genau weiß, wovon sie spricht, kann sie unsere Digital-Strategie auch besser an ihre Mitarbeiter vermitteln." So denkt man nicht nur bei Klöckner, sondern auch in zahlreichen anderen Unternehmen.

Puh, jetzt also auch noch Programmieren lernen! Wer sich als Vorstand oder Geschäftsführer bislang für die Speerspitze des digitalen Wandels hielt, war ins kalifornische Silicon Valley gereist, um die bunt-kreative Welt der Digitalpioniere à la Google zu besichtigen und sich von der Start-up-Atmosphäre inspirieren zu lassen. Auch der Besuch eines Design-Think ing-Workshops gehörte unter Vorständen wie EnBW-Chef Frank Mastiaux oder Gisbert Rühl zum guten Ton, um zu verstehen, wie sich damit kundenfreundliche Ideen für Produkte und Dienstleistungen entwickeln lassen. Doch das alles reicht offenbar noch nicht für den digitalen Wandel. Es bleibt zu sehr an der Oberfläche. Jetzt geht es ans Eingemachte: Manager sollen zu Parttime-Programmierern werden, die mit Bits & Bytes auf Du und Du stehen. Aber ist das wirklich nötig?

Ausflug ins Darknet

Unbedingt, findet zum Beispiel Bettina Karsch, für Personalfragen zuständige Geschäftsführerin bei Vodafone Deutschland in Düsseldorf. "Alle Führungskräfte müssen Digital-Know-how wie eine neue Sprache erlernen, um sich mit Mitarbeitern und Kunden über neue Produkte und Services professionell austauschen zu können." Außerdem müssen sie die neuen Kenntnisse auch anwenden können. Dass noch immer Kollegen mit einer gedruckten Bordkarte am Flughafen einchecken, sei inakzeptabel für Manager eines Mobilfunk-Unternehmens, das Smartphones als Schaltzentrale des Lebens verkauft. Also hat Karsch Nachhilfe organisiert: "Digital Ninjas" nennen sich die elf jungen Kollegen, die alle vier Wochen für eine Stunde die Vodafone-Geschäftsführer schulen, allen voran DeutschlandChef Hannes Ametsreiter.

Im Schnitt sind die Ninjas 29 Jahre alt und vermitteln den rund 20 Jahre älteren Spitzenkräften den Umgang mit den neuesten Apps und Technologien wie Blockchain, Virtual-Reality-Brillen, Chatbots & Co. Reverse Mentoring nennt sich die Methode, wenn jüngere ältere Kollegen trainieren. Wer mit dem Pflichtprogramm schnell vorankommt, kann sich von seinem jungen Coach auch in andere Themen einweihen lassen. Geschäftsführer Peter Walz, für den Privatkundenvertrieb verantwortlich, interessierte sich zum Beispiel besonders für Sicherheitsaspekte der Vernetzung. So erkundete er in der Nachhilfestunde gemeinsam mit seinem Digital Ninja das Darknet. Also den Teil des Internets, in dem häufig Hacker, Dealer und andere Kriminelle Geschäfte tätigen und ihre Identität verschleiern.

Klar, Kenntnisse über die neuen Technologien braucht die moderne Führungskraft. Aber gleich selbst programmieren lernen? Haben Chefs nicht andere, wichtigere Aufgaben, für die sie ihre knappe Arbeitszeit produktiver einsetzen könnten?

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