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Modethema oder ernste Gefahr?

Niedergeschlagene Augen

Quelle: freeimages.com, Autor: jfg

Mobbing am Arbeitsplatz kann nicht nur schwerwiegende Folgen für Betroffene haben. Es schadet auch dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Manche Unternehmen gehen deshalb mit hauseigenen Benimmregeln gegen Mobber vor. Doch nicht jeder Streit unter Kollegen muss gleich Mobbing sein. Wirklich Betroffene können und sollten sich wehren.

Es beginnt schleichend. Die Kollegen fangen an, hinter dem Rücken schlecht über einen Mitarbeiter zu reden. Sie schneiden ihn immer mehr und lassen ihn spüren, dass seine Arbeit nichts Wert ist. Einige Kollegen spotten ständig über ihn und machen seine Person verächtlich. Dazu kommen noch anzügliche Bemerkungen und Drohungen. Zuletzt traut sich der Betroffene gar nicht mehr an den Arbeitsplatz. Das sind keine Horrorvisionen, sondern Formen von Mobbing am Arbeitsplatz, wie sie auch schon einige e-fellows erlebt haben. 

Schwerwiegende Folgen für Betroffene

Mobbing kann jeden treffen. Eine häufige Folge ist, dass der Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert wird, es sogar zur Entlassung kommt oder der gemobbte Mitarbeiter von selbst kündigt. Auf jeden Fall bleibt eine berufliche Wunde zurück, die schwer oder gar nicht mehr heilbar ist. Das belegt auch eine Repräsentativstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2002. Der so genannte "Mobbing-Report" beschreibt auch das Ausmaß von Mobbing am Arbeitsplatz und die Struktur von Mobbingfällen. Dort gaben 86,6 Prozent der befragten Mobbingbetroffenen an, dass der Kollegenterror bei ihnen körperliche und seelische Schäden hinterließ. In der Gruselliste wurden unter anderem genannt: Stresssymptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Atemnot, Neurodermitis und weitere chronische Erkrankungen, Depressionen, ja sogar Krebserkrankungen. 

Nicht jeder Streit ist Mobbing

"Mobbing" ist zu einer Art Modethema geworden. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat ihr Übriges dazu beigetragen. Viele Angestellte glauben, dass sie sich Intrigen von Kollegen oder eine schlechte Behandlung von Vorgesetzten gefallen lassen müssen. Das führe zu Keilereien und Stühlesägen um die wenigen noch begehrten Jobs.

Doch nicht jeder Streit am Arbeitsplatz ist Mobbing. Der Begriff wird heute oft schon bei kleineren Kriegereien ins Feld geführt. Eine Umfrage des Jobportals stellenanzeigen.de unter 4.500 Beschäftigten wirft eine dramatisch Zahl in den Raum. So fühlen sich angeblich über 60 Prozent der Befragten gemobbt. Dabei ist es ganz normal, dass man nicht mit jedem Kollegen immer gut zurecht kommt. Der Streit um den vordersten Platz am Kaffeeautomaten oder um die Vorherrschaft über den Kopierer hat aber mit Mobbing wenig zu tun. Erst wenn ein Arbeitnehmer von Kollegen oder Vorgesetzten über einen längeren Zeitraum hinweg vorsätzlich und systematisch schikaniert, drangsaliert oder ausgegrenzt wird, liegt Mobbing vor. Diese Kriterien, so der Mobbing-Report, treffen auf 11 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zu. Das heißt, jeder neunte Arbeitnehmer hat schon Mobbing-Erfahrungen hinter sich. Eine Zahl, die immer noch alarmierend hoch ist.

Dauerhafte Schikanen mit System

Die Gesichter von Mobbing sind vielschichtig. Eine e-fellows.net-Alumna erzählt, dass sie von ihrem Kollegen vor anderen "aggressiv beleidigt" worden sei. Außerdem habe sie ständig wechselnde Aufgaben bekommen. "Was ich gerade gemacht hatte, musste ich wieder ändern, da mein Kollege sich plötzlich andere Anforderungen überlegt hat. Ein anderer Kollege hat immer wieder sexuell anzügliche E-Mails in Bezug auf mich geschrieben, die er an den kompletten Verteiler geschickt hat." Dies sind laut Mobbing-Report klare Fälle von Mobbing, sofern sie mehrfach und vor allem regelmäßig vorkommen. Eine schiefe Bemerkung eines Kollegen reicht aber noch nicht aus. Weitere Mobbing-Methoden sind die Verbreitung von Gerüchten oder Kränkungen. Auch der permanente Zwang zur Übernahme von sinnlosen und gar entwürdigenden Aufgaben gehört dazu. 

Wirtschaftlicher Schaden für das Unternehmen

Die bevorzugten Opfer gehen durch alle Schichten. Etwas häufiger kommt Mobbing bei Frauen vor. Besonders betroffen sind aber junge Angestellte unter 25 Jahren. Da sie noch am Anfang ihrer beruflichen Entwicklung stehen, ist das besonders bedenklich. Denn das kann Frustration und langfristige Schäden zur Folge haben kann. Und auch die Arbeitskraft des Unternehmens leidet darunter. Mobbingopfer sind oft demotiviert. Laut Mobbing-Report wurden fast 44 Prozent der Mobbingopfer krank, die Hälfte davon war länger als sechs Wochen krank geschrieben. So müsste der Unternehmensführung Mobbing schon aus rein wirtschaftlichen Gründen ein Dorn im Auge sein. Der DGB rechnet auf seiner Internetseite vor, dass ein einziger Fehltag einem Unternehmen zwischen 100 und 400 Euro kostet. Ein Unternehmen mit etwa 1.000 Mitarbeitern zahlt für einen Krankenstand von einem Prozent über 204.000 Euro jährlich. 

Benimmregeln für die Kollegen

Viele Unternehmen haben zwar einen "Corporate Code of Conduct", in dem jeder Arbeitnehmer verpflichtet ist, Fälle von Mobbing zu melden. Doch oft liegt es an den jeweiligen Vorgesetzten, ob sie in dieser Sache dann wirklich aktiv werden. Tun sie nichts, läuft die Beschwerde oft ins Leere. Dann gibt es nur noch zwei Auswege: Wehre dich oder gehe! Das raten viele Rechtsanwälte und Coaches. Vieler aber trauen sich nicht, gegen erlittenes Unrecht vorzugehen. Sie haben Angst, als durchsetzungsschwach oder gar als hysterisch zu gelten. Auch ist es heute nicht einfach, schnell einen adäquaten neuen Job zu finden.

Wie kann es unter Kollegen zu Mobbing kommen?

Zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen entfernt werden soll, dafür aber kein triftiger Kündigungsgrund vorliegt, so dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter nicht loswerden kann. Deshalb soll er systematisch weggeekelt werden. Außerdem gibt es unter Kollegen viele Streitfälle und Konkurrenzdenken. Das muss aber nicht immer gleich automatisch Mobbing sein.

Was muss passieren, damit ein Fall von Mobbing vorliegt?

Für den Begriff "Mobbing" gibt es noch keine allgemein anerkannte Definition. In einschlägigen Gerichtsurteilen finden sich aber einige Hauptkriterien immer wieder. Es muss seitens des Mobbers ein Vorsatz vorliegen. Außerdem muss das Mobbing nachhaltig und regelmäßig geschehen. Und schließlich muss das Mobbingopfer eine erhebliche Beeinträchtigung seiner Gesundheit oder seines Persönlichkeitsrechts als Folge des Mobbings nachweisen.
 Eindeutig kein Mobbing liegt hingegen vor, wenn der Arbeitgeber regelmäßig berechtigte Kritik an der Arbeit eines Arbeitnehmers äußert. Das kann auch in scharfer Form geschehen. Es ist das Recht eines Arbeitgebers oder Vorgesetzten, die Arbeit seiner Mitarbeiter dauerhaft auch negativ zu beurteilen.
 Den häufigsten Fällen, die ich kenne, geht eine Kündigung voraus. Vor Gericht unterscheidet sich dann die subjektive Sicht von Vorgesetztem und Mitarbeiter, was den Kündigungsgrund betrifft. Der Vorgesetzte kündigt dem Mitarbeiter, weil er mit dessen Arbeit unzufrieden ist. Der Mitarbeiter fühlt sich gemobbt. Dabei handelt es sich in eher wenigen Fällen um wirkliches Mobbing.

Die Rechtsposition von Mobbing-Opfern war bisher oft schwierig, weil "Mobbing" juristisch nicht eindeutig definiert ist.

Das stimmt. Bisher konnte ein Mitarbeiter, der sich gemobbt fühlt, lediglich einen Unterlassungsanspruch gegen den Kollegen oder Vorgesetzten geltend machen, eventuell auch Schmerzensgeld einfordern. Das zurzeit in Deutschland diskutierte Antidiskriminierungsgesetz (ADG) setzt aber nun europarechtliche Regelungen um, zu denen Deutschland im Übrigen auch verpflichtet ist. Demnach kann ein Mobbing-Opfer, wenn das Mobbing diskriminierenden Charakter hat, Schadensersatz und Schmerzensgeld einklagen. Außerdem wird die Beweislast mit dem ADG umgekehrt. Bisher lag die Beweislast allein beim Opfer.

Wie sollte jemand, der sich gemobbt fühlt, vorgehen?

Grundsätzlich sollte er alle Vorfälle schriftlich dokumentieren. Außerdem sollte er sich Zeugen suchen. Viele Unternehmen verfügen auch über einen Betriebsrat, an den man sich im Ernstfall wenden kann oder eine neutrale Beschwerdestelle. Wenn nichts anderes mehr hilft, kann auch die Inanspruchnahme gerichtlicher Hilfe sinnvoll sein.

Welche Maßnahmen kann ein Unternehmen gegen Mobbing ergreifen?

Es gibt die Möglichkeit einer Unternehmenspolitik, wie sie in den USA bereits üblich ist. Sie besteht aus einem geregelten Verfahren, das oft auch mit einem Code of Conduct, also einem Verhaltenskodex, verbunden ist. Diese wird in Form einer Broschüre an alle Mitarbeiter verteilt. Sie gibt über das Vorgehen im Fall von Mobbing Auskunft. Eine neutrale Stelle nimmt sich dann des Falls an. Der Code of Conduct sollte dann auch zur Arbeitsordnung eines Unternehmens gehören, damit er rechtlich relevant ist.

Und wenn Vorgesetzte sich für Mobbing nicht interessieren oder sogar selber daran beteiligt sind?

Arbeitgeber, die wir rechtlich beraten, weisen wir immer darauf hin, dass Mobbing in jedem Fall der falsche Weg ist. Wenn das Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet sein wird, werden Arbeitgeber und Vorgesetzte sehr genau auf die Einhaltung dieses Gesetztes achten müssen. Diskriminierungen wegen des Geschlechtes oder einer Behinderung werden dann nicht mehr so leicht möglich sein, zumal sich ja auch die Beweislast umkehren wird. Arbeitgeber müssen sich immer eins vor Augen führen: Ein Unternehmen, im dem Mobbing betrieben wird, arbeitet weniger effizient, weil das Betriebsklima schlecht ist.

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