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Deutsche Angestellte sind besonders skeptisch

Ärger, Skepsis, Kritik [Quelle: pexels.com]

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Die Deutschen werden ihrem Ruf als störrische Pessimisten mal wieder gerecht: Eine Umfrage unter 1,4 Millionen Fach- und Führungskräften hat ergeben, dass nur wenige an den kurzfristigen Erfolg ihres Unternehmens glauben.

Die Deutschen gelten unter den Nachbarländern bisweilen als störrische Pessimisten. Diesem Ruf werden sie auch in einer neuen Umfrage gerecht: Nur 63 Prozent der Angestellten hierzulande glauben daran, dass ihr Unternehmen in den nächsten Jahren erfolgreich sein wird. Damit gehören deutsche Fach- und Führungskräfte zu den größten Pessimisten in Europa.

Nur in vier Ländern glauben noch weniger Mitarbeiter an den Erfolg ihres Unternehmens: In Italien sind es 62 Prozent, in Belgien und Frankreich jeweils 60 Prozent und in Österreich schließlich nur 58 Prozent. Global betrachtet lag die Zuversicht der Deutschen deutlich unter dem Durchschnittswert von 72 Prozent. Das ist das Ergebnis einer langfristig angelegten Studie der Personalberatung Korn Ferry, die dafür in den vergangenen drei Jahren insgesamt mehr als 1,4 Millionen Fach- und Führungskräfte befragt hat und jetzt die Daten von 23 europäischen Ländern ausgewertet hat.

"Den Deutschen geht es wirtschaftlich zwar gut, aber die Mitarbeiterzuversicht ist hierzulande auffallend gering", sagt Studienleiterin Mandy Rehmann. Trotz wirtschaftlicher Dominanz hätten viele Deutsche den Glauben an mehr Wachstum und Wohlstand verloren. Insgesamt fand die Studie Ängste über die wirtschaftliche Zukunft vor allem in traditionellen Industriegesellschaften. Dort würde wirtschaftlicher Wandel oft als Bedrohung wahrgenommen. Bis auf Polen werden die letzten zehn Plätze ausschließlich von den klassischen Industrieländern Westeuropas belegt.

Überraschend optimistisch blicken dagegen die Osteuropäer in die Zukunft. Vor allem in Slowenien ist Zuversicht unter den Angestellten weit verbreitet. Fast neun von 10 Slowenen (88 Prozent) schätzen die Zukunft ihrer Unternehmen positiv ein. Auch in Rumänien – dem Armenhaus Europas – glauben erstaunlich viele Arbeitnehmer (80 Prozent) an eine erfolgreiche Zukunft ihres Unternehmens. Mit der Slowakei und Tschechien, Ungarn und Kroatien belegen Osteuropäer sechs Plätze in der Top-10-Rangliste der optimistischsten Länder.

Chefs in der Pflicht

Studienleiterin Mandy Rehmann sieht in der geringen Zuversicht der deutschen Angestellten ein wirtschaftliches Risiko. Die hohe Skepsis könne langfristig den wirtschaftlichen Wandel behindern, weil sie neue Ideen oft schon im Keim ersticken lasse: "Deutsche Mitarbeiter tun sich mit dem Wandel schwer und machen schnell zu", sagt Rehmann. Fleiß und Disziplin habe die deutschen Unternehmen zwar weit gebracht, aber oft fehle deutschen Arbeitnehmern der notwendige Pragmatismus.

Die Personalberatung sieht vor allem die Chefetagen in der Pflicht. Dort müsse die positive Grundeinstellung vorgelebt werden. Tatsächlich seien Spitzenmanager oft viel zuversichtlicher als ihre Mitarbeiter: "Je höher die Hierarchiestufe, desto optimistischer waren die Befragten", sagt Rehmann. Das werde auch von ihnen erwartet. Aber ab dem mittleren Management gehe der Optimismus deutlich zurück.

Die deutschen Führungskräfte müssten mehr tun, um ihre Angestellten mitzunehmen: "Das braucht einen anderen Führungsstil als nur zu delegieren." Die klassische deutsche Einstellung, man müsse vor Entscheidungen alles bis ins Detail wissen, sei für Veränderungsprozesse hinderlich. Wichtiger sei Vertrauen. Führungskräfte müssten ihre Mitarbeiter besser durch die Turbulenzen bringen.

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