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"Führungskräfte glauben, dass sie sich nicht mehr kümmern müssen"

Streit (Quelle: freeimages.com, Autor: mzacha)

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Lässt sich ein Streit unter Kollegen oder mit dem Chef nicht lösen, können Mediatoren weiterhelfen, sagt Schlichterin Susanne Perker. Aber es gibt einen Knackpunkt.

Konflikte im Unternehmen kosten Energie, Zeit und Geld. Es gibt diverse Methoden einen Konflikt zu beheben. Eine Möglichkeit ist die Mediation. Frau Perker, was genau ist das?

Susanne Perker: Mediation wird definiert als außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren, bei dem sich die streitenden Parteien mit einem neutralen Dritten an einen Tisch setzen. Diese Person ist dazu da, dass Gespräch zu moderieren und mit Fragen und anderen Methoden die beiden Parteien zu einer interessenbasierten Entscheidung zu bewegen.

Theoretisch einfach, aber auch praktisch?

Perker: Eine Mediation gelingt natürlich nur, wenn beide Parteien freiwillig daran teilnehmen sowie selbstverantwortlich agieren. Ferner muss die Vertraulichkeit und die Neutralität des Mediator (Stichwort: Allparteilichkeit) gewährleistet sein. Er muss dem Ergebnis gegenüber offen sein, es darf nicht einen verdeckten Auftrag geben. Gehen beide Seiten dann offen und transparent ins Gespräch, kann es gut gelingen.

Was ist das Ziel einer Mediation?

Perker: Das entscheiden die Parteien. Gewünscht sein kann die Lösung eines Konfliktes, eine bessere Kommunikation untereinander, sich wieder in die Augen schauen zu können oder einen Trennungsprozess zu erreichen.

Wann eignet sich eine Mediation?

Perker: Immer dann, wenn Konflikte tief sitzen und nicht zu lösen sind. Ich hatte mal einen Fall, bei dem ein 50-jähriger Mitarbeiter eines Großkonzerns drei Mal die Kündigung erhalten hatte und in allen Fällen eine erfolgreiche Kündigungsschutzklage führte. Der Konzern stellte ihn daraufhin jedes Mal über Jahre frei. Der Mann wurde zu einem der am meisten gehassten Mitarbeiter. Keiner wollte mit ihm arbeiten. Er selbst fühlte sich gemobbt. Kurzum: Alle litten unter dem Zustand.

Als ich wegen dieses Teamkonfliktes gerufen wurde, führte ich zunächst mit dem gemobbten Kollegen und seinen Kollegen Einzelgespräche, um überhaupt herauszufinden, was der Konflikt war. Dann haben wir uns mit der Führungskraft und dem betroffenen Mitarbeiter hingesetzt, denn es ging es um einen alten Streit zwischen ihm und der Unternehmensleitung. Mit der Anerkennung, dass seinerzeit etwas schiefgelaufen war, löste sich die Auseinandersetzung und dann konnte auch der Teamkonflikt bearbeitet werden.

Warum lassen Unternehmen es so weit kommen?

Perker: Hält sich jemand nicht an Regeln, möchten Unternehmen diese Person möglichst schnell und ohne Kraftaufwand loswerden. Funktioniert das nicht, ist der Konflikt vorprogrammiert. Besser wäre, genau zu analysieren, worum es eigentlich geht, bevor es eskaliert.

Wird ein Mediator dann eingeschaltet, glauben viele Führungskräfte, dass sie sich jetzt nicht mehr kümmern müssen. Das ist aber ein Trugschluss, denn zum einen handelt es sich meist um ein Führungsproblem, das ohne die Führungskraft nicht zu lösen ist. Zum anderen ist es die Aufgabe einer Führungskraft, bestehende Probleme zu lösen. Der Mediator dient lediglich dazu, als neutrale Person zu vermitteln. Aber wir können Probleme nicht für andere lösen. Das müssen die Beteiligten schon selbst tun.

Woran hapert es denn am häufigsten?

Perker: Daran, dass die Systemgesetze nicht eingehalten werden. Systemgesetze sind die Grundlage für die Zusammenarbeit von Menschen. Dazu gehört etwa, dass jeder ein Recht auf Zugehörigkeit hat, jeder Anerkennung, Wertschätzung und Respekt braucht und ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen herrschen sollte. Vorrang sollte immer der haben, der früher ins Unternehmen gekommen ist, der mehr Verantwortung trägt und mehr Einsatz zeigt oder wer mehr kann oder mehr weiß. Konflikte gibt es meist dann, wenn etwas Neues verankert werden soll und die Mitarbeiter aber lieber am alten Zustand festhalten wollen – oder wenn das Gesamte aus dem Blick gerät, weil zu stark Partikularinteressen verfolgt werden.

Dann gilt es auszusprechen, was da ist. Das heißt, Systemverletzungen anzuerkennen und einen Ausgleich zu schaffen. Das bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.

Hat die Mediation Grenzen?

Perker: Nur in den Köpfen der Menschen. Denn eine Mediation geht dem Konflikt nicht auf der Sach-, sondern auf der Bedürfnis- beziehungsweise Interessenebene auf den Grund.

© ZEIT ONLINE ( Zur Original-Version des Artikels)

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