Partner von:

"Manager haben echtes Krisenmanagement gelernt"

Interview Manager in der Krise [Bildquelle: sxc.hu, Autor: sachyn]

Interview Manager in der Krise [Bildquelle: sxc.hu, Autor: sachyn]

Wären Manager momentan auch gut in der Politik aufgehoben, um dort Krisenmanagement zu betreiben? Experte Klaus Schuster verrät im Interview, was die größte Management-Sünde ist, und wieso Manager in der Politik verzweifeln.

Was haben die Manager aus der Krise gelernt?

Diejenigen, die tatsächlich etwas aus der Krise gelernt haben, haben meiner Meinung nach Folgendes mitgenommen: Sparsamkeit in guten Zeiten, weil vielen Unternehmen in der Krise zuerst die Liquidität ausgegangen ist. Außerdem: Langfristige Kundenbeziehungen hegen und pflegen, denn das hat vielen das Überleben gerettet. Wir haben in sehr vielen Fällen erlebt, wie schwer es war, Neugeschäft während der Krise zu finden oder zu generieren. Vor allem jene Manager, die bisher noch mit keiner Krisensituation konfrontiert waren, haben echtes Krisenmanagement gelernt.

Wie sieht so ein Krisenmanagement aus?

Als Manager muss man in so einer Phase einen klaren Kopf behalten und - wenn nötig - die richtigen nächsten Schritte auch ohne großartige Planung setzen. Man muss unverzüglich Entscheidungen treffen, zum Beispiel Mitarbeiter entlassen, und das der Öffentlichkeit, den Kunden, Geschäftspartnern und den Mitarbeitern auch entsprechend kommunizieren.

Muss man als Manager also ein Alphatier sein?

Alphatiere werden allgemein als autoritär, nicht kompromiss- bereit und machtstrebend beschrieben. Als Manager ist es mit Sicherheit auch nötig, ab und zu sprichwörtlich auf den Tisch zu hauen. Oder sich das Recht und vor allem den Mut herauszunehmen, die letzte Entscheidung zu treffen. Dafür wird man als Manager letztlich bezahlt. Ob das auch gleichzusetzen ist mit den vorhin genannten Eigenschaften eines Alphatiers, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Was ist - gemäß Ihres Buchs - die größte Management-Sünde?

Die größte Sünde im Management ist, wenn Manager die falschen Leute einstellen. Und wenn sie danach draufgekommen sind, dass es die Falschen sind, sie nicht schleunigst wieder loswerden. Das klingt nun sehr dramatisch nach hire and fire. Ich kenne einen Chef einer großen Bank, der es genau umgekehrt gemacht hat: Er beförderte all jene, die zu nichts zu gebrauchen waren, auf die Position des Vorstandsassistenten. Innerhalb kürzester Zeit hat er schon eine ganze Abteilung davon gehabt.

Und warum hat er das getan?

Nun, weil er es einfach nicht übers Herz brachte, dem einen oder anderen zu sagen: "Schau, als ich dich damals eingestellt habe, waren meine Erwartungen an dich ganz andere. Und ich vermute, dass du es dir nach unserem ersten Interview auch anders vorgestellt hast, nicht wahr? Ich glaube einfach, dass du in einer anderen Firma auf einer anderen Position viel besser aufgehoben bist. Lass uns gemeinsam eine Lösung finden, wie wir dein Dienstverhältnis zu einem einigermaßen konfliktfreien Ende bringen können."

Sind die hohen Boni für Manager gerechtfertigt - auch in Krisenzeiten?

Nein, weder vor, während noch nach der Krise. Aber auch hier darf man nicht mit dem Finger allein auf die Manager zeigen, denn zu einer Bonusvereinbarung gehören mindestens zwei. Schade nur, dass diejenigen, die solche Bonusverträge anbieten, nie von den Medien und der Öffentlichkeit angeprangert werden.

Würde der Politik aktuell ein Manager aus der Wirtschaft gut tun?

Ja, aber die Erfahrung zeigt, dass der Großteil der hervorragenden und erfolgreichen Manager in der Politik verzweifelt. In der Wirtschaft geht es einzig und allein um den Erfolg des Unternehmens, für das ich als Manager verantwortlich zeichne. Dieses Ziel kann ich bei den meisten Politikern leider nicht erkennen. So sind Politiker leider immer wieder gezwungen, sich dem Druck von Wählerstimmen zu unterwerfen, anstatt der Notwendigkeit zu folgen.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren