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Minze als Karriere-Doping

MINT-Studie der Deutschen Bank und Initiative

MINT-Studie der Deutschen Bank und Initiative "MINT-Bachelors Welcome" [Quelle: sxc.hu, Autor: Gastonmag]

2004 sagten viele große Unternehmen 'Bachelors welcome', 2006 hießen sie noch mehr Bachelor- und Master-Absolventen willkommen. 2008 wurde eine weitere gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sich die Unternehmen zu besseren Einstiegschancen für Bachelors verpflichten. Vor allem, wenn diese eines der MINT-Fächer studiert haben.

 MINT - das ist keine Kaugummi-Marke, das ist die Abkürzung für jene Studiengänge, nach deren Absolventen sich viele Unternehmen die Finger lecken: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Der Ingenieursmangel in Deutschland ist für viele Personaler bittere Realität. Es gibt gut 70.000 freie Stellen mehr als arbeitslose Ingenieure; 80 Prozent aller Industrieunternehmen geben an, dass ihre Suche nach Ingenieuren vergeblich sei.
 

Deutschland als Sonderfall
 Die Ursachen dieses Mangels untersuchte DB Research fest, ein internationaler "Think Tank" der Deutschen Bank. Der veröffentlichte im Juli 2008 eine Studie zum Dilemma mit dem MINT-Nachwuchs. Das Problem: In ganz Europa sinkt der Bedarf an MINT-Fachkräften, weil sich die EU-Mitglieder von Industrie- zu Dienstleistungsstaaten entwickeln. Einzige Ausnahme ist Deutschland, wo der Bedarf an Ingenieuren steigt. In der Bundesrepublik fehlen also noch einmal mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler als im Rest Europas. Denn überall gibt es nicht genug Absolventen - schließlich galt die MINT-Ausbildung vor einigen Jahren als Weg in die Arbeitslosigkeit.
 

Schweinezyklen bei Uniabsolventen
 Besonders stark macht sich das bei den Informatikern bemerkbar. Nachdem die Internetblase um die Jahrtausendwende geplatzt war, trauten sich immer weniger Studenten in dieses Fach, weil damals ein Überangebot an Informatikern herrschte. Heute würden die Studienanfänger von damals ihren Abschluss machen - und mit Kusshand eingestellt. Das ist der berüchtigte Schweinezyklus: Bei zu wenig Nachfrage reguliert sich das Angebot selbst. Nur zu langsam. Und wenn die Nachfrage wieder steigt, gibt es kaum noch Schweine - oder top-ausgebildete Ingenieure.
 

MINT-Bachelors willkommen
 Auch die Deutsche Bank braucht IT-Profis - deshalb wurde die Studie "MINT-Fachkräfte - zwischen zyklischem Engpass und Strukturwandel" angefertigt, und deshalb ist die Deutsche Bank Mitunterzeichner der "MINT-Bachelor-Initiative". Darin verpflichten sich die Unternehmen - darunter beispielsweise die Deutsche Telekom und Bosch - noch attraktivere Einstiegsmöglichkeiten für Bachelor-Absolventen, vor allem der MINT-Fächer, zu schaffen. Auf der anderen Seite rufen sie erneut Hochschulen und Politik dazu auf, sich stärker an der Nachfrage des Markts zu orientieren und bereits Schüler mehr für technische und naturwissenschaftliche Themen zu begeistern.
 

Auch Ingenieure brauchen keinen Master
 Mehr Möglichkeiten für Bachelors - das klingt nach einem alten Hut? Tatsächlich stockten viele Unternehmen in jüngster Vergangenheit ihre Einstiegsprogramme um spezifische Bachelor-Varianten auf. Vor allem Ingenieure und Naturwissenschaftler trauten sich bislang aber kaum, ohne Master oder Doktortitel bei einem größeren Unternehmen vorstellig zu werden. Das soll sich ändern. So setzt die Deutsche Bank in der Bologna-Übergangsphase Bachelor-Absolventen mit Diplomanden gleich - und nimmt beispielsweise Informatik-Bachelors gerne in das Einstiegsprogramm Group Technology & Operations auf. Auch alle Aufstiegswege (Führung, Karriere am Kunden und Spezialistenkarriere) stehen den Bachelor-Absolventen offen.
 

"Humboldt 2.0"
 Nicht nur die Deutsche Bank befürchtet zu geringe Nachwuchszahlen unter den Ingenieuren. Die Deutsche Telekom sieht ebenfalls die Nachwuchsprobleme - aber auch die Chance, dass Bologna zur Lösung wird. Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom, versteht die Bachelor-Einführung als historische Chance: "Humboldt 2.0" sozusagen. Deshalb fördert die Telekom den frühen Weg zu den MINT-Fächern. In rund 50 "Schüler-Universitäten" bundesweit können Schüler auf Initiative der Deutsche-Telekom-Stiftung in die Natur- und Ingenieurwissenschaften hineinschnuppern.
 
 Dass das Problem nicht an den Hochschulen allein gelöst werden kann, ist ebenfalls bekannt. Deshalb wollen die Unternehmen mehr familienfreundliche Arbeitsmodelle anbieten - und ihre Manager als Dozenten an die Hochschulen schicken, wie es Bosch bereits an der Uni Stuttgart tat. Rosige Zeiten also für die Minze.

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