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Sprung in die Selbstständigkeit

Abschluss, Studium, MBA, Graduation (Quelle:sxc.hu/hhsara)

Abschluss, Studium, MBA, Graduation (Quelle:sxc.hu/hhsara)

Die eigene Firma reizt viele MBA-Studenten. Die Schulen bieten spezielle Programme.

 Die Zeiten, in denen sich auf dem Schreibtisch eines MBA-Absolventen hoch dotierte Jobangebote stapelten, sind erst einmal vorbei. Die Großabnehmer des Managernachwuchses - Investmentbanken und Beratungen - halten sich derzeit mit Neueinstellungen eher zurück. Nicht nur deshalb scheint für immer mehr MBAler der Sprung in die Selbständigkeit eine echte Option. Und die Business Schools helfen dabei.
 
 Tatsächlich interessieren sich mehr MBA-Studenten für das Thema Entrepreneurship, also Unternehmertum, obwohl die Finanzierung eines Start-ups schwerer denn je ist. Und für den MBA selbst entscheiden sich immer mehr, weil sie sich selbständig machen wollen und dafür das Rüstzeug fehlt. Die Firma QS, die weltweit MBA-Messen organisiert, befragt regelmäßig MBA-Bewerber. Fast drei von zehn wollen laut der aktuellen Umfrage zurück an die Uni, um später eine eigene Firma zu gründen. Vor zwei Jahren waren es nur 24 Prozent.
 
 Fast jede Schule hat mittlerweile Wahlkurse zur Unternehmensgründung im Programm, einige haben sich das Thema gar auf die Fahnen geschrieben. In diesem Jahr steht für mehr als vier von zehn Bewerbern der QS-Umfrage fest, dass sie sich im MBA aufs Gründen spezialisieren, 2007 waren es 32 Prozent. Und auch ihre Zukunft sehen mehr MBAler im eigenen Unternehmen. 27 Prozent wollen in zehn Jahren eine Firma haben, verglichen mit 22 im Jahr 2007.
 
 Mit Businessplan-Wettbewerben und speziellen Workshops sollen die Gründer an den Business Schools ihre Ideen so weit bringen, dass sie ihr Start-up gründen können. Ein Preisgeld winkt dem Siegerteam an der Handelshochschule Leipzig (HHL) wie an anderen Schulen zwar nicht, doch sitzen in der Jury Investoren, Business Angel und Unternehmer, die die Businesspläne prüfen. Drei Monate lang können die Studenten des Vollzeit-MBAs an ihren Geschäftsplänen tüfteln, wenn sie das entsprechende freiwillige Modul im Lehrplan wählen. Und das haben im aktuellen Jahrgang fast 90 Prozent der Teilnehmer gemacht. Ihnen steht nicht nur ein Coach der HHL zur Seite, Gründer und Investoren berichten in den Kursen zudem von ihren Erfahrungen und Projekten. "Mittlerweile kommen Investoren und Business Angel auch auf die HHL zu und bitten uns, ihnen interessante Gründungsprojekte vorzustellen", sagt Stephan Stubner, akademischer Direktor des Programms "International Entrepreneurship" der HHL.
 
 Nur wenige Business Schools haben ein Gründungsprojekt verpflichtend in den MBA aufgenommen. Die Said Business School an der britischen Oxford University, an der der Deutsche Torsten Hoffmann studiert, ist eine von ihnen. Mit seiner Idee hat sich der 34-Jährige schon für den Executive MBA beworben und nutzt das Studium nun, um sein Projekt weiter voranzubringen. Zunächst wollte er einen Nischenfernsehsender gründen. Doch die Idee hat sich weiterentwickelt, er hat Partner gefunden und plant nun ein multimediales Geschäft mit Printmagazin, Online-Videos und mobilen Angeboten fürs Handy. Im Entrepreneur-Projekt wird er einen Businessplan schreiben und ihn Professoren und Investoren vorstellen. Ein Professor als Coach unterstützt ihn dabei. In vielen seiner MBA-Kurse muss Hoffmann zudem so genannte Assignments abgeben. Das sind Aufsätze, in denen er darlegt, wie man eine Theorie - zum Beispiel im Marketing - anwenden kann. "In der Hälfte dieser Assignments bringe ich meine Geschäftsidee ein und bekomme so wertvolles Feedback", sagt Hoffmann.
 
 Auch im Executive MBA, den die Mannheim Business School zusammen mit der französischen Essec anbietet, ist das Entrepreneurship-Projekt fester Bestandteil des Lehrplans - und zugleich Basis für die Abschlussarbeit. Von der Marktanalyse, über den Businessplan bis hin zur Finanzierung müssen die Studenten alles abdecken. Ein Professor coacht die Teilnehmer, eine Jury aus Professoren, Alumni und Praktikern aus der Wirtschaft begutachtet die eingereichten Ideen und Pläne darauf, ob sie am Markt Bestand haben könnten und auch finanzierbar sind. Eine Idee muss dabei gar nicht immer in einer Firmengründung münden. Eine Teilnehmerin präsentierte ihr Projekt dem Spartenleiter ihres Unternehmens und überzeugte ihn von der Idee. Diese darf sie nun selbst in der Firma umsetzen.
 
 Am Centre of Entrepreneurship der britischen Cass Business School will man neben den Wahlkursen auch verstärkt praktische Hilfe anbieten. Das Center wurde erst im vergangenen Jahr nach einer 10-Millionen-Pfund-Spende des Alumnus Peter Cullum ins Leben gerufen. Wer eine Firma gründen will oder kürzlich gegründet hat, kann hier auf finanzielle Unterstützung hoffen, die Schule will zudem versuchen, ihnen Mentoren zur Seite zu stellen. Zusätzlich zum MBA sollen im Sommer 2010 kürzere Sommerkurse zum Thema Entrepreneurship ins Programm der Schule aufgenommen werden. "Das ist fast schon ein Mini-MBA", sagt Nick Badman, Leiter des Entrepreneurship-Centers an der Cass.
 Einige Schulen bieten ihren Studenten auch eine Art Gründerschmiede an. An der Darden School of Business der University of Virginia wurden in diesem Jahr elf studentische Start-ups ausgewählt, um das zehnwöchige Spezialprogramm, den "Incubator", zu durchlaufen. Das sind vier Firmen mehr als im Vorjahr. Einen Sommer haben die Gründer Zeit, ihr Projekt soweit zu bringen, dass sie Investoren ins Boot holen können oder wichtige Schritte in Richtung Profitabilität machen. Die Studenten helfen sich im Incubator gegenseitig, Seminare mit Rechtsanwälten, Investoren, Beratern und Venture-Kapitalgebern ergänzen das Programm. Zudem bekommen sie von der Business School rund 13.000 Dollar je Projekt. In der Vergangenheit sei stets auch immer ein Uni-Projekt dabei gewesen. "Doch in diesem Jahr sind alle Projekte von Studenten initiiert", sagt Philippe Sommer, Direktor des Gründungsprogramms an der Darden School.

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