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Verliebt, verlobt, gekündigt

Liebe, Herz, Trennung [Quelle: unsplash.com, Jacob Culp]

Quelle: unsplash.com, Jacob Culp

Jeder zehnte Deutsche lernt seinen Partner im Büro kennen. Eine Beziehung ist erlaubt, aber oft nicht gern gesehen. Und sie kann riskant werden.

Auf der Weihnachtsfeier kommen sich die Kollegen näher. Tags drauf tauschen sie verstohlene Blicke in der Konferenz aus, dann werden sie beim Knutschen im Kopierraum erwischt. Das neue Büropaar ist eine Weile lang Klatschthema Nummer eins beim Flurfunk. Doch ein paar Monate später ist die Liebe vorbei, das Paar streitet sich auf dem Büroflur. Die Kollegen sind genervt. Und allen ist es unangenehm.

"In Deutschland ist es meist verpönt, als Paar beim gleichen Arbeitgeber zu arbeiten", sagt Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie in Bielefeld. Denn Turteleien oder Beziehungsstreitereien am Arbeitsplatz führen in der Regel zu einem Leistungsabfall – nicht nur bei den verliebten Mitarbeitern, sondern auch beim Rest des Teams.

Dabei ist das Büro eine der größten Kontaktbörsen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Kaffeeherstellers Jacobs verliebt sich mehr als jeder zehnte Deutsche bei der Arbeit. Nur im Freundeskreis und beim Ausgehen in der Nacht finden mehr Deutsche ihren Partner. "Mit den Kollegen verbringt man viel Zeit zusammen, man erlebt die gleichen Dinge, hat die gleichen Interessen – das alles verbindet natürlich", sagt Hagemann. Und wo Menschen zusammentreffen, passiert es eben auch, dass sich zwei verlieben.

Arbeitsrechtlich kann der Chef eine Beziehung unter seinen Mitarbeitern nicht verbieten. Das hat auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in einem Urteil 2005 entschieden. Damals hatten Mitarbeiter eines Tochterunternehmens einer amerikanischen Supermarktkette gegen eine Ethikrichtlinie des Konzerns geklagt. Diese verbot Liebesbeziehungen zwischen den Mitarbeitern. Laut Urteil greift eine solche Richtlinie in das Persönlichkeitsrecht ein und ist somit unzulässig.

Arbeit nicht vernachlässigen

Allerdings wird die Liebe unter Kollegen dann problematisch, wenn die Gefühle zu einem unprofessionellen Verhalten führen. "Die Arbeit darf nicht wegen der Beziehung vernachlässigt werden", sagt Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Paare, die im Büro Händchen halten, sich küssen oder streiten, können vom Chef zurechtgewiesen werden.

"Chefs können das Paar in verschiedene Räume oder einen von beiden in ein anderes Team versetzen, sofern rechtlich zulässig", sagt der Arbeitsrechtler. Eine solche Versetzung darf aber nur auf eine gleichwertige Position erfolgen – und natürlich auch nur auf einen Job mit gleicher Tätigkeit. Jemand, der beispielsweise als Programmierer eingestellt wurde, muss weiterhin in diesem Bereich tätig sein und darf nicht plötzlich als Sekretär arbeiten. Auch ist der Betriebsrat über so eine Maßnahme zu informieren und kann seine Zustimmung zu einer solchen personellen Einzelmaßnahme unter bestimmten Bedingungen verweigern.

Abmahnung ist durchaus möglich

Wer seine vertraglichen Pflichten verletzt, muss jedoch mit einer Abmahnung rechnen. Und wer trotz mehrfacher Abmahnung weiter die Arbeit vernachlässigt, dem kann sogar gekündigt werden. Allerdings muss der Chef in einem Kündigungsschutzprozess nachweisen, dass die Arbeitsleistung tatsächlich gelitten hat. Das ist in der Regel nur schwer möglich, zugleich werfen solche Kündigungen auch ein schlechtes Licht auf das Unternehmen als Arbeitgeber.

Aber auch wenn sich das Paar professionell verhält, kann die Liebe am Arbeitsplatz zu Konflikten führen. "Ein Paar steht oft unter dem Verdacht, zu mauscheln", sagt Arbeitspsychologe Hagemann. Vor allem, wenn sich eine Führungskraft mit einem Mitarbeiter einlässt. "Dann kommt schnell der Vorwurf auf, dass man bevorzugt wird, weil der Partner eine einflussreiche Stelle hat."

Wer das Gefühl hat, die Kollegen tratschen hinter dem eigenen Rücken, sollte damit offen umgehen. "Man sollte klarstellen, dass man weiterhin neutral und unabhängig vom Partner ist und ihn nicht bevorteilt", sagt Konfliktmanagerin Viola Moritz.

Bei Trennung professionell bleiben

Und was tun, wenn es mal kracht? Wer zusammenarbeitet, hat fast nie die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen. "Das ist riskant", sagt Moritz. Sie rät Paaren, die zusammenarbeiten, ihre Probleme im Privatleben sofort zu lösen, damit sie diese nicht bei der Arbeit austragen.

Besonders schwierig wird es bei einer Trennung. Eigentlich will man gar nichts mehr miteinander zu tun haben, aber jeden Tag begegnet man dem Ex im Büro. Klare Regeln seien deshalb wichtig, sagt Moritz. Oft helfe es, wenn sich einer von beiden erst einmal zwei Wochen Urlaub nimmt, um Abstand zu gewinnen. "Das Paar hat auch nach einer Trennung eine Verantwortung", sagt die Konfliktmanagerin. "Bekommt es die Trennung nicht in den Griff, kann der Chef eingreifen." Spätestens dann steht für mindestens einen von beiden eine Versetzung an.

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Büros sind gewiss tolle Partnerbörsen – aber auch an den besten Börsen werden Verluste gemacht. e-fellows.net hat zusammengestellt, was Mann/Frau sich die Beziehung am Arbeitsplatz schon hat kosten lassen.

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