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"Lassen Sie die Firma nicht ins Bett"

Liebe am Arbeitsplatz [© detailblick-foto - Fotolia.com]

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Wenn es im Job funkt, ist Vorsicht geboten, sagt die Karriereberaterin Jutta Boenig. Scheitert die Liebe am Arbeitsplatz, sind Untergebene und Frauen die Verlierer.

ZEIT ONLINE: Liebe am Arbeitsplatz ist Ihr Lieblingsthema in der Karriereberatung: Was ist daran so interessant?

Jutta Boenig: Die pikante Note an Softskills, die nur zwischen Verliebten in schönster und schlechtester Form ausgelebt werden. Mit niemandem geht man so wüst um, wie mit dem Menschen, der einem am nächsten steht. Bei anderen reißt man sich zusammen, bei Kollegen zum Beispiel. Mit denen ist man üblicherweise emotional weniger verbunden, deshalb faucht man die nicht so an wie Partner. Gegenüber Dritten und am Arbeitsplatz reißt man sich eher zusammen, nicht aber, wenn man verliebt ist. Man weiß ja, dass die Beziehung solche Ausrutscher aus Liebe verzeiht. Tun das auch Mitarbeiter, wenn der verliebte Vorgesetzte ausrastet, weil es in seiner Beziehung am Arbeitsplatz kriselt? Wohl kaum. Liebe am Arbeitsplatz kann sich äußerst kompliziert gestalten. Das macht das Thema für mich so spannend.

Jeder dritte Beschäftigte hatte schon mal eine Beziehung am Arbeitsplatz, steht in einer Studie der Stellsuchmaschine Jobrapido. Ist diese Zahl aufgrund Ihrer Erfahrung realistisch?

Ich würde den Wert nicht so hoch ansetzten. Allerdings muss man mit berücksichtigen, dass der Arbeitsplatz der Ort ist, an dem sich Menschen gut kennenlernen können. Viel besser als auf digitalen und anonymen Partnersuchportalen. Mit niemandem ist man so oft zusammen wie mit Kollegen, der Arbeitsplatz ist die ideale Kontaktbörse. Ganz schwierig wird es allerdings, wenn sich eine Affäre ergibt. In einer Beziehung von Dauer steht das Verhältnis auf einer von Kollegen und dem Unternehmen eher akzeptierten Ebene.

Aus welchem Grund sind Affären am Arbeitsplatz problematisch?

Kurzzeitaffären sind oftmals mit Enttäuschungen verbunden. Ein Beispiel aus meiner Beratung: Ein verheirateter Manager hatte eine Affäre mit seiner Assistentin. Sie trafen sich in der Mittagspause, ihr war das irgendwann zu wenig. Sie wollte, dass er sich von seiner Frau trennt und mit ihr eine Beziehung führt. Das wollte er nicht, daraufhin hat sie das nächste Rendezvous gefilmt und die Datei dem Unternehmen geschickt. Ihm wurde daraufhin fristlos gekündigt, weil er Arbeitszeitbetrug begangen hat. Aus Affären werden leicht konfliktbeladene Situationen.

Und warum sind Beziehungen weniger problematisch?

Beziehungen gestalten sich anders als Affären: wenn sie sich stabil entwickeln, kräht nach gewisser Zeit kein Hahn mehr danach. Über Affären wird permanent getuschelt. Was Liebe am Arbeitsplatz für die Beziehung bedeutet, spielt sich aber auf einer ganz anderen Ebene ab: Erst vor kurzem hatte ich einen Fall einer Liebe am Arbeitsplatz, da sagte mir die Frau, dass nur noch über die Firma gesprochen wird. Um dem aus dem Weg zu gehen, hätten sie angefangen, sich anzuschweigen. Der Ort, an dem die Beziehung gelebt wird, ist in diesem Fall das Problem. Er ist es, der die beiden unglücklich macht.

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