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Dienst ist Dienst, und krank ist krank

Tee gegen Erkältung [Quelle: pixabay.com, silviarita]

Quelle: pixabay.com, silviarita

Was ist zu beachten, wenn alles im Büro schnieft und röchelt? Ab wann müssen kranke Kollegen ein Attest abliefern? Und muss der Chef kranke Mitarbeiter nach Hause schicken? Ein kleiner Ratgeber.

Wann muss ein kranker Mitarbeiter zum Arzt?

Bricht sich die Erkältung Bahn, muss niemand sofort das Wartezimmer seines Hausarztes belagern. In den ersten drei Tagen kann jeder zunächst selbst versuchen, das Fieber in den Griff zu bekommen. Erst danach ist ein Attest vom Arzt nötig. Allerdings ist das nicht in Stein gemeißelt. Wenn der Arbeitgeber den Eindruck bekommt, diese großzügige Regelung wird massenweise fürs Krankfeiern missbraucht, kann er auch schon vom ersten Krankheitstag an eine Krankschreibung verlangen.

Wie lange darf man sich krankschreiben lassen?

So lange, wie man für die Genesung braucht. Allerdings zahlt der Arbeitgeber den Lohn nur für die ersten sechs Wochen, danach gibt es Krankengeld von der Krankenkasse, das geringer ausfällt. Die Berechnung ist ziemlich kompliziert: 70 Prozent des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Muss ein kranker Mitarbeiter die ganze Zeit zu Hause bleiben?

Wichtig ist, dass er sich schont. Dazu muss er jedes "genesungswidrige" Verhalten unterlassen, wie Arbeitsrechtler das nennen. Tut er dies nicht, kann das sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Allerdings ist gar nicht so leicht zu klären, was darunterfällt, deshalb gibt diese Frage immer wieder Anlass für Streitigkeiten vor Gericht. Klar ist nur, dass niemand die ganze Zeit zu Hause bleiben muss. Eine Frau, die wegen eines Rückenleidens krankgeschrieben war und trotzdem als Ordnerin bei einem Fußballspiel aushalf, handelt nicht notgedrungen "genesungswidrig", entschied das Landesarbeitsgericht Hamm. Deshalb durfte ihr nicht gekündigt werden.

Darf der Chef seine Mitarbeiter während ihrer Krankheit kontaktieren?

Bisher galt es stets als verpönt, einen kranken Mitarbeiter während seiner Krankschreibung anzurufen. Das hat Unternehmen die Planung erheblich erschwert, wenn sich Mitarbeiter mit Krankschreibungen von Woche zu Woche hangeln, obwohl schon klar sein dürfte, dass ein Bandscheibenvorfall länger dauert. In der vergangenen Woche hat das Bundesarbeitsgericht nun klargestellt, dass der Arbeitgeber während der Arbeitsunfähigkeit "in einem zeitlich angemessenen Umfang in Kontakt" treten darf, um zu besprechen, wie es nach der Arbeitsunfähigkeit weitergeht. "Damit ist klar: Es gibt kein Kontaktverbot während der Krankschreibung", sagt Julia Reinsch, Partnerin der Kanzlei Hoffmann Liebs Fritsch & Partner. Allerdings ist der kranke Mitarbeiter nur in Ausnahmefällen verpflichtet, zu einem Personalgespräch im Betrieb zu erscheinen. Diese Gespräche sind durchaus heikel: In einem solchen Fall geht es häufig darum, ob man das Arbeitsverhältnis nicht lieber beenden sollte.

Darf einem kranken Mitarbeiter gekündigt werden?

"Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass kranken Mitarbeitern nicht gekündigt werden darf", sagt Arbeitsrechtlerin Reinsch. Allerdings müssen dafür zwei Dinge zusammenkommen: zunächst einmal eine lange Krankheit, die sich mindestens schon über eineinhalb Jahre hinzieht. Außerdem muss auch eine negative Prognose vorliegen. Ist das der Fall, kann ihm der Arbeitgeber kündigen, allerdings nur, wenn er vorher zumindest versucht hat, ihm über ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) eine andere Stelle anzubieten.

Muss der Chef einen kranken Mitarbeiter nach Hause schicken?

Dass Arbeitnehmer krankfeiern, ist immer wieder ein Problem, schlimmer allerdings sind Mitarbeiter, die sich aus Pflichtgefühl krank zur Arbeit schleppen - und dort womöglich ihre Kollegen anstecken. Das Phänomen ist so verbreitet, dass es schon einen eigenen Fachbegriff geprägt hat: "Präsentismus". Der Beratungsgesellschaft Booz & Company zufolge verursacht es doppelt so hohe Kosten wie krankheitsbedingte Fehlzeiten. Viele Chefs nehmen diesen Arbeitseifer allerdings wohlwollend zur Kenntnis und vergessen dabei, dass sie auch eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter trifft. Treiben die Raubbau an ihrer Gesundheit, muss der Arbeitgeber einschreiten und die kranken Mitarbeiter nach Hause schicken.

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