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Firmen vergessen ihre Praktikanten zu schnell

Finger mit Schleife (Quelle: freeimages.com,Autor: ba1969)

Quelle: freeimages.com, ba1969

Viele Unternehmen halten keinen Kontakt zu ihren früheren Hospitanten, obwohl sich das lohnen würde. Eine Studie betont den Nutzen firmeneigener Netzwerke.

Drei bis vier Praktika absolvieren Studenten durchschnittlich. In der Regel sind sie mit den ersten Arbeitserfahrungen auch zufrieden. Und trotzdem gelingt es den Jobeinsteigern nicht, den Kontakt zu den Unternehmen auch zu halten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Firmen IntraWorlds.

Die Macher der Studie haben Bachelorstudenten im Alter von 22 bis 26 Jahren befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen studiert Ingenieurs-, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften – also Studienfächer, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist. 80 Prozent der Studenten waren zufrieden mit ihren Praktika oder ihren Erfahrungen als Werkstudent. 57 Prozent konnten sich sogar vorstellen, bei den jeweiligen Arbeitgebern anzufangen.

Doch die Unternehmen scheinen diese Chance nicht zu nutzen. Nur 14 Prozent der befragten Studenten waren mit den Kontaktmöglichkeiten zu ihrem Ex-Praktikumsbetrieb zufrieden. Mehr als die Hälfte hatte sogar den Kontakt entweder ganz oder fast verloren – obwohl die Studenten gerne mit der Firma in Verbindung geblieben wären. An den Leistungen kann es nicht gelegen haben: Mehr als die Hälfte der Befragten konnte Zeugnisse vorweisen, in denen die Arbeitgeber ihre Leistungen als sehr gut oder gut einschätzten.

Digitale Kontaktpflege auf falschen Kanälen

Zwar wünschen sich die Expraktikanten vor allem persönlichen Kontakt. Noch lieber ist ihnen aber die digitale Kontaktpflege: Infos über offene Stellen, Einladungen zu Firmenevents und Neuigkeiten aus den Unternehmen.

Das Problem ist nur: Die meisten Unternehmen bieten einen solchen Service für ihre ehemalige Praktikanten, Hospitanten und Werkstudenten gar nicht an. Schlicht, weil es ihnen an Kapazitäten und Ressourcen fehlt. Und wer will schon eine Datenbank über ehemalige Praktikanten ständig aktualisieren?

Das Paradoxe an der aktuellen Lage ist: Auch die Firmen gaben in der Umfrage an, Interesse an dem Pool der jungen Talente zu haben. Nur passen offenbar die bisherigen Kontaktwege noch nicht zusammen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen kümmern sich nicht um regelmäßige Kontakte, aber auch Konzerne vernachlässigen das Thema, so die Studie.

Das Ergebnis ist überraschend, weil die meisten großen Unternehmen Talent-Projekte haben. Allerdings nutzen diese die falschen sozialen Plattformen im Internet. Viele Firmen versuchen zwar die 20- bis 30-Jährigen mit Hochschulabschluss anzusprechen und als Kandidaten zu rekrutieren – allerdings wählen sie dafür gerne Facebook. Die Bewerber nutzen dagegen Facebook vor allem für private Zwecke.

Selbst wenn sie Fan der Karriereseite eines Unternehmens werden, wollen sie trotzdem nicht direkt von der Firma angesprochen werden. Die Studie zeigt, dass die Expraktikanten ihre Profilinformationen auf Facebook, aber auch in dem Karrierenetzwerk Xing besonders schützen und stark differenzieren, wer welche Informationen über sie einsehen darf. Mehr als zwei Drittel der befragten Studenten lehnt es außerdem ab, Profilinformationen für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Facebook und Xing seien für Talent-Management-Maßnahmen weitgehend ungeeignet, so die Studie.

Was tun? Spezielle Talent-Communitys könnten das Problem lösen. Die Autoren der Studie haben mehrere solcher Projekte untersucht. Diese Communitys sind Teil der unternehmenseigenen Karriereseiten und werden in der Regel durch die Personalabteilungen gepflegt. Expraktikanten, Werkstudenten, aber auch interessante Bewerber, denen keine Stelle angeboten wurde, bekommen Zugang zu diesen Portalen, in denen sie ein Profil hinterlegen können und Kontaktdaten angeben. Die Nutzer erhalten Neuigkeiten aus dem Betrieb, über offene Stellen oder Einstiegsprogramme. Der Vorteil: Firmen können Interessenten gezielter ansprechen.

Die Fraunhofer-Gesellschaft beispielsweise hat bereits vor drei Jahren eine solche Talentseite gelauncht. Sie wendet sich an Schüler, die sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik interessieren. Rund 2.000 Schüler sind bereits registriert.

BMW bietet seit zwei Jahren eine Talent-Community für Werkstudenten und Mitglieder der Nachwuchsprogramme an. Wer hier teilnimmt, der kann diese Plattform auch zur interaktiven Mitarbeit nutzen. BMW gibt hier nicht nur Veranstaltungstermine bekannt. In den Foren diskutieren Studenten ihre Abschlussarbeiten und können Dokumente gemeinsam bearbeiten. Der Schaeffler-Konzern wiederum bietet eine Art eigenes Facebook für Studenten an: Auf der Internetseite können die Mitglieder Kontakt halten und werden auch über neue Mitglieder informiert.

Aber lohnen sich diese Projekte? Für große Konzerne seien sie tatsächlich sinnvoll, so die Studie. Firmen wie Adidas oder die Fraunhofer-Gesellschaft hätten nach eigenen Angaben auf diesem Wege die Anzahl geeigneter Bewerber um rund 30 Prozent steigern können – und gleichzeitig ihre Suchkosten um die Hälfte reduziert.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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