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Warum nicht ein­fach dop­pelt?

Jura studieren (© Corgarashu - Fotolia.com)

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70-Stunden-Wochen sind in hochdotierten Berufen noch immer Gang und Gäbe – dabei ließe sich die Arbeit zu zweit nicht nur entspannter, sondern oft auch besser erledigen. Zwei Juristinnen haben es ausprobiert.

In Österreich wird die Arbeit der Zukunft gelebt: Die beiden Juristinnen Dr. Bettina Stomper-Rosam und Sophie Martinetz teilen sich die Geschäftsführung von Seinfeld Professionals, einem Wiener Beratungsunternehmen. Jobsharing bedeutet für sie: Zeit sparen, Verantwortung teilen und abgeben und stets für ihre Mitarbeiter ansprechbar sein. Die beiden sind überzeugt davon, dass Jobsharing die Lebensqualität und Freude am Beruf steigert. Vorausgesetzt, man verfügt über das richtige Mindset.

LTO: Warum sind Sie nicht beide als Geschäftsführerinnen tätig?

Martinetz: Üblicherweise besteht die Führungsriege aus CEO, CFO, COO und so fort. Zu uns gibt es da einen feinen, graduellen Unterschied: Wir teilen uns denselben Job, haben aber unterschiedliche Aufgabenbereiche – also "sharing, not splitting". Das bedeutet, dass nicht jede nur für Ihren Verantwortungsbereich arbeitet, sondern auch den der Partnerin im Blick hat. Ein CFO fühlt sich ausschließlich für die Finanzen und ein Personalleiter ausschließlich für die Mitarbeiter verantwortlich. Diese Beiden haben unterschiedliche Interessen, jeder trifft seine eigenen Entscheidungen. Wir beide aber teilen uns einen Job, also auch die Verantwortung und Entscheidungsbefugnis.

Stomper-Rosam: Die Geschäftsbereiche auf der Führungsebene sind vielfältig und ergänzen sich. Sie aufzuteilen macht also Sinn.

LTO: Sie dürfen also darüber entscheiden, was in den Aufgabenbereich Ihrer Partnerin gehört?

Martinetz: Genau. Bin ich im Urlaub, dann entscheidet Dr. Stomper-Rosam auch mal zu Fragen der Finanzen, des Marketings oder Relationship Managements - meine Bereiche. Ist meine Partnerin im Urlaub, treffe ich Entscheidungen zum Personalbereich oder internen Prozesse - ihre Aufgaben. Wir haben dieselben Ziele, deshalb vertrauen wir uns. Und wenn die Entscheidungen mal anders ausfallen, als man es selbst getan hätte, dann muss man damit leben und trägt sie mit.

"Wir machen den 70-Stunden-Job eben zu zweit"

LTO: Das klingt nach einer Menge Abstimmungsarbeit, Sie müssen ja ständig auf dem Laufenden bleiben.

Martinetz: Das dachten wir am Anfang auch und haben regelmäßige Meetings abgehalten. Doch weil wir sowieso oft gemeinsam Mittagessen und eine offene Bürostruktur haben, bekommen wir eh mit, was die Andere tut. Und würden wir uns ständig ausführlich erzählen, was wir tun, würden wir ja den Job der anderen machen.

LTO: Sie sagen, dass Jobsharing die Lebensqualität erhöht. Wie viele Stunden arbeiten Sie tatsächlich pro Woche?

Stomper-Rosam: Unsere Position würde eine Arbeitslast von ungefähr 70 Stunden beanspruchen. Wir arbeiten beide jeweils 35 Stunden. Das variiert manchmal. Natürlich würde es nicht funktionieren, wenn jede von uns nur 10 Stunden arbeiten würde. Für Top-Jobsharing, also Jobsharing in einer Führungsposition, muss man einiges an Zeit investieren.

Martinetz: In den Unternehmen hat sich die Unart eingeschlichen, dass man für 45 Stunden bezahlt wird, de facto aber 80 Stunden arbeitet. Wer dort Leistungsträger ist, hat eigentlich zwei Jobs. Wir hatten genug davon und arbeiten soviel, wie wir wirklich möchten und das Unternehmen braucht. So haben wir Zeit für andere Dinge, die uns wichtig sind. Und Jobsharing bedeutet ja nicht, dass beide nur von neun bis zwölf Uhr arbeiten. Der Vorteil ist, dass man sich gut ergänzen kann. Ist meine Partnerin nicht im Büro, bin ich die Ansprechpartnerin für Mitarbeiter und Kunden.

Stomper-Rosam: Es kommt vor allem darauf an, was man unter Lebensqualität versteht. Viele Menschen arbeiten gern und viel, die möchten ihre Arbeitszeit gar nicht verringern. Auch ich führe ein zweites Unternehmen und bin außerdem als selbständige Rechtsanwältin tätig. In der Summe ist das doch wieder recht viel Arbeitszeit.

"Den Mitarbeitern Freiheiten lassen – und ihre Entscheidungen mittragen"

LTO: Welche Mitarbeiterpersönlichkeiten arbeiten für zwei 'halbe' Chefinnen?

Martinetz: Unsere Mitarbeiter haben viele Freiheiten und fällen ihre eigenen Entscheidungen – so suchen wir sie auch aus. Das kommt uns sehr entgegen, weil wir weniger gebraucht werden. Natürlich tragen wir auch hier Entscheidungen mit, die wir eventuell anders gelöst hätten, denn wir sind letztlich für alles verantwortlich.

Stomper-Rosam: Für uns ist es eine enorme Lebenserleichterung, nicht alles kontrollieren zu wollen. Es fühlt sich natürlich toll an, gebraucht zu werden. Aber dann ist man das Nadelöhr, durch das jede Entscheidung hindurch muss. Das frisst sehr viel Zeit und macht interne Prozesse komplizierter. Wir haben beide genug zu tun und sind froh, Entscheidungen abzugeben.

LTO: Wie kommt die Idee des Jobsharings in Unternehmen an?

Martinetz: Die meisten können damit nichts anfangen, sie verstehen es nicht. Es kommt häufig vor, dass ältere Personalleiter schon ein Problem darin sehen, für dieselbe Stelle zwei Computer und Handys zur Verfügung zu stellen. Das ist für sie ein Riesenproblem! Und da haben sie sich inhaltlich noch gar nicht mit der eigentlichen Idee auseinandergesetzt.

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