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Daheim im Hamsterrad

Homeoffice, PC, Arbeitsplatz [Quelle:pixabay.com]

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Kein Stau mehr auf dem Arbeitsweg, nie wieder dicke Luft im Großraumbüro: Viele Arbeitnehmer wollen zu Hause arbeiten. Sie unterschätzen die Risiken.

Die Niederlande sind schon einen Schritt weiter: Seit einem Jahr haben Beschäftigte dort einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Heimarbeit. Zumindest dann, wenn in ihrem Unternehmen mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt sind und keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. In Deutschland ist die Zahl der Berufstätigen, die zu Hause arbeiten, dagegen zurückgegangen. Dabei wünschen sich viele Arbeitnehmer mehr Homeoffice. Sind deutsche Arbeitgeber etwa kontrollsüchtig? Oder ist Heimarbeit vielleicht doch nicht so vorteilhaft, wie viele glauben?

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles forderte schon 2013, es müsse endlich Schluss sein mit dem "Anwesenheitswahn", aber was genau sich in den Köpfen der Chefs und der Mitarbeiter verändern müsste, damit die Arbeit vom heimischen Schreibtisch aus gelingt, ließ sie nicht untersuchen. Schweizer Unternehmer wollten es genau wissen und beauftragten die Hochschule für angewandte Psychologie in Olten mit einer Analyse. Die Forscher sollten die Bedingungen für Heimarbeiter unter die Lupe nehmen. Überraschend an den Ergebnissen ist, dass mehr Männer als Frauen diese Form wählen, weil gerade Mütter eher den persönlichen Austausch mit Kollegen im Büro suchen, während berufstätige Väter, die sonst oft nur am Wochenende Zeit für die Familie haben, auch ab und zu tagsüber ihre Kinder sehen möchten. Und natürlich arbeiten mehr Männer zu Hause, weil sie generell öfter Rechtsanwälte, Professoren oder Ingenieure sind –  also Berufe haben, in denen es möglich ist, zumindest einen Teil ihrer Aufgaben im heimischen Arbeitszimmer zu erledigen.

Der Programmierer Ludwig Gramberg arbeitet in seiner Privatwohnung. Schon während seines Studiums der Science Informatik in Lübeck nahm er Aufträge aus dem E-Commerce an. Mit dem Ziel, sich selbständig zu machen. Um herauszufinden, wie er am besten arbeitet, habe er lange gebraucht. "Anfangs habe ich bis spät in die Nacht an Projekten getüftelt und bin erst mittags aufgestanden." Jetzt beginnt sein Arbeitstag regelmäßig um 9 Uhr und endet selten nach 20 Uhr. Andere Heimarbeiter sitzen allerdings regelmäßig noch mitten in der Nacht am Schreibtisch. Gesund ist das nicht.

Doppelbelastung statt Vereinbarkeit

Mehr als 13 Prozent der befragten Schweizer sind öfter zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens aktiv. 12 Prozent sind es zumindest gelegentlich. 37 Prozent sitzen regelmäßig von 20 bis 22 Uhr am Schreibtisch und 38 Prozent manchmal. 66 Prozent nutzen die Wochenenden. Diese Zeiten lassen sich nicht damit erklären, dass Einsteiger tagsüber Zeit verbummeln oder schlechter organisiert sind – die meisten Home-Office-Worker sind nämlich mindestens 40 Jahre alt, also routiniert und erfahren.

Wochenendarbeiter nannten ein zu hohes Pensum als Grund für die Sonntagsschichten. Eltern sagten, dass sie erst vernünftig arbeiten könnten, wenn ihre Kinder im Bett seien. Genau das ist auf Dauer natürlich kein Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern schlicht eine Doppelbelastung, die auf lange Sicht krank machen kann.

Auch die Globalisierung spielt eine Rolle. "Die interkontinentale Zusammenarbeit bringt es mit sich, dass man sich mit Kollegen austauschen muss, die in anderen Ländern arbeiten", sagt Hartmut Schulze, der die Untersuchung in Olten betreut hat. Etwa ein Sechstel der Befragten gab an, häufiger mit Kollegen und Geschäftspartnern zu sprechen, die in anderen Zeitzonen arbeiten. Die Mehrheit erhielt aber – im Gegensatz zu den Angestellten mit einer Anwesenheitspflicht im Büro – keinerlei Zuschläge für ihre Wochenend-, Nacht- oder Früharbeit.

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