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Heute hier, morgen fort

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Geschäftsreisen gehören zum Alltag. Doch sie nerven, machen einsam - und auch krank. Wie Sie es schaffen, trotz Reisestress, enger Sitzreihen und Günstig-Hotels entspannt zu bleiben. 

Manchmal ist ein Verlust der größte Gewinn. So war der Tag, an dem Jens Baas seine schwarze Karte abgeben musste, für ihn ein besonders glücklicher. Zumindest im Nachhinein. Wie bei der Kreditkarte ist es bei den Vielfliegerkarten von Lufthansa Miles & More nicht die silberne oder die goldene, die ihrem Besitzer Bedeutung verschafft; es ist die schwarze, die Zugang in den Honorary Circle gewährt, in exklusivste Lounges, Limousinenservice - und Reisestress. Baas jedenfalls, ehemals Partner der Unternehmensberatung BCG, registrierte nach dem Verlust des Status einen Gewinn an Glück: mehr Zeit mit Frau und Tochter, mehr als eine Nacht am Stück im eigenen Bett, kein Dauer-Jetlag.

Im Jahr 2011 wechselte Baas von der Unternehmensberatung in den Vorstand von Deutschlands größter Krankenkasse, der Techniker (TK). Zwar ist er immer noch ein bis zwei Nächte die Woche unterwegs. Aber eben nicht mehr so viel, dass er es innerhalb von zwei Jahren auf 600.000 Statusmeilen bringt wie einst. "Ich habe Montag das Haus verlassen, und wenn alles gut ging, war ich am Donnerstag wieder zu Hause - wenn es nicht glattlief, erst am Freitag, am Samstag oder gar nicht", sagt Baas. Heute versucht der Chef der TK so viel wie möglich per Videokonferenz, am Telefon oder per Mail zu klären. Aber oft gelingt das nicht. "In vielen Fällen muss man sich einfach gegenübersitzen", sagt Baas.

Womit wir bei einem der größeren Paradoxen der globalisierten Geschäftswelt wären: Obwohl jedes Smartphone über Software für Videokonferenzen verfügt und Unternehmen an Reisekosten sparen, Hotels deswegen ihre Standards senken, die Fluggesellschaften ihre Sitzreihen enger zusammenschieben und damit Geschäftsreisen zu kleinen Horrortrips mutieren, steigt deren Zahl. 90 Prozent aller Fach- und Führungskräfte halten Businesstrips zur Kontaktpflege für unersetzlich, ermittelte das Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung. Vertrauen entsteht eben nicht auf Distanz.

Und so waren etwa zehn Millionen Deutsche laut Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) 2014 auf 175 Millionen Geschäftsreisen unterwegs. Die Global Business Travel Association erwartet für das laufende Jahr rekordverdächtige Reiseausgaben von 1,25 Billionen Dollar. Jeder dieser in Reisekosten investierte Dollar aber brachte amerikanischen Unternehmen im Schnitt 9,50 Dollar zurück, berechnete das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics.

Reisen lohnt sich also für die Unternehmen, keine Frage. Aber für die Manager selbst sind die ständigen Trips deutlich belastender als bislang bekannt. Das belegt eine Übersichtsstudie der britischen Universität Surrey und der schwedischen Linnaeus-Universität Kalmar: Wer ständig unterwegs ist, altert schneller, erkrankt häufiger an Depressionen und verdoppelt sein Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Heute hier, morgen dort, übermorgen leer?

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