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Sollen Chefs Kumpels oder Diktatoren sein?

Chef, Boss, Führungskraft, Angestellte, Mitarbeiter [Quelle: Fotolia.com, Autor: alphaspirit]

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Der moderne Chef ist nahbar, hat immer ein offenes Ohr für seine Leute, ist dazu noch gutes Vorbild – ein Kumpeltyp. Was viele Coaches predigen, halten Manager wie etwa Freenet-Chef Christoph Vilanek für Blödsinn.

Vom Führungsstil hängt einiges ab: Die Motivation der Mitarbeiter steht und fällt auch mit dem Chef. Bei miesen Chefs herrscht in der Regel eine hohe Fluktuation sowie ein hoher Krankenstand – schlechte Chefs ruinieren auf Dauer die Psyche ihrer Mitarbeiter.

Diese Erkenntnis ist mittlerweile auch in den Führungsetagen angekommen. 64 Prozent der Unternehmen in Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Niederlande, Österreich, der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten ändern gerade ihre Führungskultur oder planen es, wie eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half zeigt. Der Grund: Die Unternehmen versprechen sich, durch eine bessere Führungskultur ihre Mitarbeiter besser an sich zu binden.

Immerhin sind 74 Prozent der befragten Personaler besorgt, Top-Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren. Gleichzeitig beklagen 89 Prozent der Befragten, es sei eine große oder sogar sehr große Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Wenn der Chef dann noch eine cholerische, inkompetente Pfeife ist, macht das die Aufgabe der HRler nicht leichter.

In Deutschland gaben acht Prozent der Unternehmen deshalb an, die Führungskultur bereits angepasst zu haben - was auch immer das in der Realität heißen mag. Um die Mitarbeiterbindung zu stärken, ändern derzeit 38 Prozent der befragten Unternehmen ihren Führungsstil, 26 Prozent wollen in den nächsten zwei Jahren an dieser Stellschraube drehen.

Aber was heißt denn nun gute Führung? Geht es um diese Frage, ist oft von flachen Hierarchien, partnerschaftlichem Verhalten und vor allem viel Transparenz die Rede. "Ein wichtiger Faktor ist die Kommunikation und die Wertschätzung, die Mitarbeiter beispielsweise durch die Einbindung in Entscheidungsprozesse oder die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, spüren", sagt entsprechend auch Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half.

Um eine erfolgreiche Führungskultur zu etablieren, sei die Förderung einer offenen und transparenten Kommunikation Hauptkriterium, sagen 52 Prozent der Studienteilnehmer. 33 Prozent ist außerdem der Ansicht, ein Führungsstil sei dann erfolgreich, wenn Mitarbeiter ermutigt werden, Feedback an das Management zu geben.

Freenet-Chef Christoph Vilanek sieht das ganz anders. Für ihn ist ein guter Chef ein Autokrat, wie er der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Beim autokratischen oder autoritären Führungsstil herrscht Befehlston.

Der CEO steht über einem ganz streng gegliederten Führungsapparat, der ihm zu absoluten Gehorsam verpflichtet ist. So geht es bis runter ins letzte Glied der Konzernhierarchie. Diskussionen oder das Beteiligen der Mitarbeiter am Entscheidungsprozess gibt es hier nicht und auch Kreativität und Eigenverantwortung sind nicht vorgesehen. Eine Werbeagentur sollte man so also vielleicht lieber nicht führen, bei einem Callcenter dagegen passt dieser Stil wahrscheinlich ganz gut.

Doch wie es immer ist: Die perfekte Lösung, die für alle passt, gibt es nicht. Es kommt immer auf das Unternehmen an, dem ein Manager vorsteht. Was man sich dagegen von Freenet und Chef Vilanek abschauen kann, ist seine Ehrlichkeit.

Wo seit Jahren das Loblied auf Teamwork gesungen wird - Team steht in vielen Betrieben leider immer noch für "toll, ein anderer macht's" - hält er mit seiner konträren Meinung nicht hinter dem Berg. Er sagt: "Dieses ganze Gefasel von Teambuilding" passe nicht mehr in die immer komplexer werdende Arbeitswelt. "Wir überfordern die Menschen maßlos damit, einzuschätzen, welche Auswirkung eine fachlich richtige Entscheidung in einem Bereich auf alle anderen Bereiche hat."

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