Partner von:

Zeit zu gehen?

Gründe für einen Jobwechsel [©Marco2811, Fotolia.com]

Gründe für einen Jobwechsel [©Marco2811, Fotolia.com]

Unzufrieden im Beruf ist jeder mal - aber was sind wirklich gute Gründe für einen Jobwechsel, und was nicht? Schließlich willst du nicht mit einer übereilten Kündigung dein hart erarbeitetes Standing verspielen. Fünf Anzeichen, dass es Zeit ist, die Reißleine zu ziehen.

1: Jobwechsel: Das Du entscheidet

Wenn "Mach doch, was du willst" für dich bloß eine beleidigte Abfuhr ist, dann fehlt dir einer der wichtigsten Gründe für den Jobwechsel. Denn es gibt kein relevanteres Motiv, den Job zu wechseln, als deine persönliche Zufriedenheit. Es hilft nichts, wenn dein Lebenslauf sich mustergültig liest, Chefs und Kollegen von dir schwärmen und auch dein Partner stolz auf deine beruflichen Erfolge ist. Solange du selbst nicht angetan bist von deinem Arbeitgeber, deinem jetzigen Job und allem, was er mit sich bringt, ist die Zufriedenheit der Anderen nichts wert. Die erste und wichtigste Frage muss deshalb sein: Was willst du, und was erwartest du von deinem Beruf und deinem Arbeitsplatz?

Fast genauso wichtig wie die Frage selbst: Lass dich bei der Beantwortung nicht von fremden Vorstellungen und Idealen leiten. Der Umstand, dass Bekannte ohne zu zögern den Job mit dir tauschen würden, heißt nicht automatisch, dass diese Stelle deswegen auch dein Traumjob ist. Alle beneiden dich beispielsweise um die vielen Reisen, die du von Berufs wegen unternehmen kannst - doch du selbst hasst Fliegen, Hotelbetten und die Rastlosigkeit des Jetset-Lebens? Dann steh zu deinen Präferenzen und wechsel in einen Job, der Häuslichkeit statt Hektik zu bieten hat. Gleiches gilt natürlich für deine Aufgabengebiete, deine Teamgröße, deinen Arbeitsort, deine Arbeitszeiten - für alles! Ideal ist, was du für ideal hältst. Und wenn das die Unternehmensfiliale in Kleinstadt-Niemandsland ist, wo du jeden Morgen um 6 Uhr auf der Matte stehen musst und ein Team von zwei Kollegen in Teilzeit leitest, dann nur zu: Mach, was du willst - selbst, wenn das die Kündigung bedeutet.

2: Timing: Mit 30, 45 oder schon nach einem Jahr den Job wechseln?

Hartnäckig hält sich seit Jahren die Vorstellung fixer Wechselzeitpunkte als zwingender Gründe für einen Jobwechsel. Doch sind die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und dein Lebensalter tatsächlich valide Gründe für einen Jobwechsel? Musst du nach zwei Jahren im Beruf wirklich den Beruf wechseln? Und hat jemand in seinem Lebenslauf alles falsch gemacht, wenn er seit 20 Jahren dem gleichen Job nachgeht? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht! Denn einen Algorithmus für den idealen Wechselzeitpunkt gibt es nicht - aus offensichtlichen Gründen.

Deine beruflichen und privaten Ziele sind ebenso einzigartig wie deine Lebensverhältnisse, dein Arbeitsplatz und die Lage deines Unternehmens. Pauschalaussagen über einen Karriere-Neustart mit 30, 40 oder 50 wären deshalb geradezu leichtfertig. Sicherlich kommt es statistisch gesehen häufiger vor, dass Young Professionals in ihren Dreißigern nach Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf suchen und dafür auch den Arbeitgeber wechseln. Und sicherlich kannst du nicht jeden Schritt auf der Karriereleiter auf später vertagen. Doch willst du überhaupt aufsteigen, die Branche wechseln oder einen Umzug in Kauf nehmen? Wenn an deinem dreißigsten Geburtstag keine Stelle ausgeschrieben ist, die dich deinen persönlichen und beruflichen Zielen näher bringt, dann umso besser. Denn wer keine Gründe für einen Jobwechsel hat, muss sich auch keine suchen. Umgekehrt gilt jedoch auch: Wenn du mit 37 Jahren und 274 Tagen plötzlich merkst, dass  sich deine Prioritäten und Zukunftspläne verändert haben, du inhaltlich in eine andere Richtung tendierst als das Unternehmen oder gerne mehr Verantwortung übernehmen möchtest, dann nutze den Elan dieses Moments für eine Kündigung, auch wenn du in keinem Karriereratgeber Empfehlungen für dieses Lebensalter findest.

3. Unzufriedenheit: Beruf ohne Berufung?

Deine Freunde bekommen leuchtende Augen, wenn sie von ihrem jüngsten Projekt erzählen, während du nicht einmal dir selbst erklären kannst, was du eigentlich von früh bis spät so machst? Und/oder deine Vorgesetzten vermitteln dir nicht das Gefühl, dass der Arbeitgeber und die Welt da draußen dich so wirklich brauchen, während deine Kollegin gerade die dritte Beförderung bekommen hat? Dann ist genau diese Situation ein guter Grund, den beruflichen Neustart zu wagen. Denn das tägliche Gefühl der Nutzlosigkeit - egal ob intrinsisch oder vom Chef vermittelt - macht auf Dauer richtig krank und ist deshalb einer der wichtigsten Gründe für einen Jobwechsel. Natürlich ist der Beruf nicht für jeden auch eine Berufung: Aber um sich lebendig und erfüllt zu fühlen, braucht der Mensch auch an seinem Arbeitsplatz sinnvolle Aufgaben und die Bestätigung, dass er sie gut erledigt. Konkret heißt das: Die Früchte deiner Arbeit sollten das Unternehmen, die Kunden oder Klienten voranbringen, und genau das solltest sowohl du als auch dein Chef so empfinden und wertschätzen.

Wenn beide Kriterien nicht erfüllt sind, oder das Plus an der einen Stelle den Mangel an der anderen nicht kompensieren kann, ist es Zeit, Bewerbungen zu schreiben. Auch wenn du bei Sonderaufträgen immer wieder "zufällig" übersehen wirst und trotz langjähriger Unternehmenszugehörigkeit nur Standardaufgaben übernehmen darfst, solltest du überlegen, ob du nicht mehr Vertrauen verdient hast. Gerade wenn du dir nichts hast zuschulden kommen lassen, ist es an der Zeit, mit einer Kündigung die Konsequenzen zu ziehen: Denn das Gefühl, überflüssig zu sein, solltest du weder aufkommen lassen noch stoisch ertragen - es wäre ein Spiel mit deiner psychischen Gesundheit. Auch andere Chefs haben schöne Unternehmen, die deinen Lebenslauf schmücken; und sie wissen deine Arbeit sicher besser zu schätzen.

4. Unternehmenspleite: wechseln, bevor es zu spät ist

Sobald die ersten Gerüchte von einer Unternehmenspleite die Runde machen, stellt sich den betroffenen Mitarbeitern unweigerlich die Frage: bis zum bitteren Ende dem Arbeitgeber die Treue halten oder lieber schon einmal Bewerbungen schreiben? Auch wenn dir Loyalität sehr wichtig ist und du das Gefühl hast, deinem Arbeitergeber und konkret deinem Chef in schlechten Zeiten beistehen zu müssen, lass es lieber. Stelle dir die Situation genau umgekehrt vor: Würde dein Vorgesetzter das Gleiche für dich tun? Wärst du damals nur aus Mitgefühl eingestellt worden? Wahrscheinlich nicht. Ein schlechtes Gewissen musst du aufgrund einer solchen Kündigung nicht haben. Schließlich hat dein Chef all die Jahre lang genau aufgrund dieser Verantwortung eine höhere Position im Unternehmen innegehabt und auch genau aus diesem Grund mehr Geld verdient als du. Sieh dich lieber so schnell wie möglich nach einem neuen Arbeitsplatz um - denn Nibelungentreue zahlt keine Rechnungen und füllt auch nicht den Lebenslauf.

5. Wenn der Körper streikt: Warnsignale ernstnehmen

Wenn es auf der Arbeit nicht rund läuft, deine Kollegen dich zum Mobbingopfer auserkoren haben oder der wachsende Arbeitsberg dich mehr und mehr überfordert, macht sich das irgendwann auch körperlich bemerkbar. Schon kurz nach dem Aufwachen kreisen deine Gedanken um die Arbeit und lassen dich auch abends nicht einschlafen. Dich plagen Angstzustände, ja vielleicht sogar Panikattacken oder Atemnot. Nicht jede Migräne und jedes Ziepen im Bauch sind gleich Gründe für einen Jobwechsel: Doch auf die leichte Schulter nehmen solltest du körperliche Beschwerden nicht, wenn sie länger andauern und dich auch abseits des Arbeitsplatzes ernsthaft belasten.

Kurzfristig mag ein Arzt zwar mit Beruhigungsmitteln oder anderen Medikamenten Abhilfe schaffen - eine langfristige Lösung aus dem Medizinschränkchen empfiehlt sich jedoch nicht. Natürlich ist in jedem Fall ein Gang zum Arzt sinnvoll - allein schon, um andere Ursachen auszuschließen - doch den möglichen Zusammenhang mit deiner Arbeit solltest du ernstnehmen. Symptome wie Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme oder Atemnot sind unter Umständen Anzeichen einer gestörten Work-Life-Balance und Warnsignale deines Körpers, die du nicht einfach wegmedikamentieren solltest, sondern im Gegenteil ursächlich ergründen. Bist du zum Beispiel schlicht überarbeitet? Dann versuche, so schnell wie möglich kürzer zu treten. Oder ist es Kollege X, der dir Bauchschmerzen bereitet? Sprich auch dieses Thema unbedingt an, ob gegenüber deinem Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder dem entsprechenden Mitarbeiter selbst. Nur unterschätzen oder ignorieren solltest du die körperlichen Warnschüsse nicht: Denn gesundheitliche Probleme gehören definitiv zu den validen Gründen für einen Jobwechsel.

Nimmt dein Arbeitgeber deinen Gesundheitszustand und wichtiger noch die Ursachen dafür nicht ernst und zeigt keinerlei Entgegenkommen, wird die Bewerbung auf eine neue Stelle und damit die Kündigung leider unausweichlich. Es gibt sehr viel schlechtere Gründe für einen Jobwechsel als gesundheitliche Probleme. Und ändert sich nichts im Beruf, verstetigen oder verschlechtern sich die körperlichen Symptome mit der Zeit und dominieren schlimmstenfalls irgendwann dein ganzes Leben. Soziale Beziehungen, deine Partnerschaft oder deine Familie könnten die Leidtragenden sein.

nach oben

Etikette und Benimmregeln gewinnen wieder an Bedeutung. Wir verraten dir, worauf es beim Business-Knigge ankommt.

Verwandte Artikel
Jobletter

Alle 2 Wochen Jobs & Praktika in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren